«Es war ein grosses Privileg, für unsere schöne Gemeinde dienen zu dürfen»

Obwohl eine Altlastensanierung und die Spitex viel Geld kosteten, steht Arlesheim finanziell erfolgreich da. Auch dank dem ehemaligen Gemeindepräsidenten, der verabschiedet wurde.

Arlesheim geht es gut. Während sämtliche umliegende Gemeinden mit schlechten Finanzen infolge hoher Gesundheits- und Sozialkosten kämpfen, darf sich Arlesheim über ein operativ erfolgreiches Jahr freuen. Alle Beteiligten betonten jedoch, dass die Rechnung 2025 durch Sondereffekte geprägt war.

Wie üblich eröffnete eine musikalische Darbietung die Gemeindeversammlung in Arlesheim. Die Klasse 6d der Primarschule sorgte mit ihren vier vorgetragenen Stücken für einen lockeren Einstieg in einen emotionalen Abend. Felix Berchten eröffnete die Versammlung am vergangenen Mittwochabend. Obwohl der Frischluft-Politiker seit Jahren im Gemeinderat politisiert, war die GV im Setzwerk für Berchten ein Novum: Zum ersten Mal leitete er als Gemeindepräsident die Geschicke und führte durch den Abend.

Nach der Begrüssung übernahmen aber andere das Wort: Peter Vetter (SP) als zuständiger Gemeinderat für Finanzen stellte das Haupttraktandum, die Jahresrechnung 2025, vor. Vetter erklärte das nach eigenen Angaben sehr gute Ergebnis trotz eines Verlusts von 0,2 Millionen Franken. Vor allem die Steuereinnahmen lagen deutlich über dem budgetierten Wert. Und sie dürften in Zukunft dank dem Firmensitz der Straumann Group noch steigen. «Das macht es dem Gemeinderat leichter als in vielen anderen Gemeinden der Region», bilanzierte Vetter.

Altlasten und Betrug verhindern eine positive Rechnung

Zwei grosse negative Budgetabweichungen schlugen dennoch auf die Rechnung und verhinderten ein Plus: die deutlich gestiegenen Kosten bei der Spitex, bei der auch mutmasslich betrogen wurde (das Wochenblatt berichtete), und die Altlastensanierung an der Bahnhofstrasse. Dort verkaufte die Gemeinde ein Grundstück. Dieses musste in der Folge aber wegen Altlasten aufwendig saniert werden, weshalb die Gemeinde 1,47 Millionen Franken an den Käufer zurückzahlen musste.

Dem Ganzen ging ein grösserer Rechtsstreit voraus, der nun abgeschlossen ist. «Wir kommen rechnungsmässig mit einem blauen Auge davon», sagte Vetter. Sämtliche Parteien unterstützten den Antrag des Gemeinderats und betonten auch, dass sich das jetzige Gremium bei der Spitex keine Verfehlungen leistete. Die Rechnung wurde ohne Gegenstimmen angenommen.

Danach ging es um einen Kredit für die Dachsanierung des Domplatzschulhauses. Hier stand zur Debatte, ob das Dach nur saniert oder sogar noch ausgebaut werden soll. Eine Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass ein Ausbau deutlich höhere Kosten verursachen würde und der Raumgewinnung dabei überschaubar sei, da die Erschliessung der Fläche grosse Herausforderungen mit sich bringe. Dem zusätzlichen Raumbedarf der Musikschule, die im Domplatzschulhaus einquartiert ist, könne beim Projekt Mehrzweckhalle ökonomischer begegnet werden, argumentierte die zuständige Gemeinderätin Lea Mani (SP). Die Versammlung genehmigte den Kredit über 1,5 Millionen Franken ohne Gegenstimmen. Die Sanierung ist für den Sommer 2027 geplant.

Emotionale Verabschiedung von Eigenmann und Strobel

Zum Abschluss der Versammlung wurden noch die beiden ehemaligen Gemeinderäte Monika Strobel und Markus Eigenmann verabschiedet. Strobel ist Anfang Jahr zurückgetreten, und Eigenmann wurde auf den 1. Januar in den Regierungsrat gewählt. Es wurden die grössten Meilensteine der beiden vorgestellt und gewürdigt – lange Aufzählungen, vor allem bei Eigenmann, der während knapp zehn Jahren die Geschicke der Gemeinde als Präsident leitete und nicht zuletzt mit der Ansiedlung der Straumann Group dafür sorgte, dass die Gemeinde auch in Zukunft auf hohe Steuereinnahmen zählen kann.

Beide wurden mit einem langen und warmen Applaus verabschiedet und zeigten sich sichtlich gerührt. Eigenmann hob in seiner kurzen Ansprache seine Dankbarkeit für die immer konstruktive Zusammenarbeit hervor und schloss mit den Worten: «Es war ein grosses Privileg, für unsere schöne Gemeinde dienen zu dürfen.» Er stellte in Aussicht, auch weiterhin die Lokalpolitik zu verfolgen, sich dabei jedoch zurückzuhalten.

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