Anekdotenreiche Show mit Wortspass

Der Krimiautor Marcel Huwyler bescherte der Gemeindebibliothek Arlesheim mit einer Lesung volles Haus. Der Aargauer bot leichte Kost mit viel Humor.

«Wiederholungstäter»: Der Krimi-Autor Marcel Huwyler in der Gemeindebibliothek Arlesheim. Foto: Caspar Reimer
«Wiederholungstäter»: Der Krimi-Autor Marcel Huwyler in der Gemeindebibliothek Arlesheim. Foto: Caspar Reimer

Die Gemeindebibliothek Arlesheim war am letzten Freitagabend bis auf den letzten Stuhl besetzt, als der Schweizer Krimiautor Marcel Huwyler ein «Lesehappening» zum Besten gab. «Er ist ein Wiederholungstäter. Kaum ist ein Buch von ihm erschienen, ist es schon in den Bestsellerlisten. Er veröffentlicht durchschnittlich zwei Bücher im Jahr», sagte die Leiterin der Bibliothek, Monika Gschwind, zu Beginn der Veranstaltung.

Der gebürtige Aargauer, der heute in der Innerschweiz lebt, gehört zu den erfolgreichsten Zeitgenossen seines Genres, was zu einem Teil den hohen Publikumsandrang am Freitag erklärte. Allerdings: Manche Gäste hatten sich eingefunden, ohne den Autor zu kennen. «Ich lasse mich überraschen. Die Veranstaltungen der Gemeindebibliothek Arlesheim sind immer gut», sagte etwa eine ältere Dame in der vordersten Reihe. Freilich war das, was Huwyler hier darbot, keine klassisch feingeistige oder gar poetische Lesung, dafür aber eine tempo- und anekdotenreiche Show mit Wortspass.

Das klang dann so: «Ist ein Raumschiff voller Frauen immer noch bemannt?», «Kann ein Hund auch einen Kater bekommen?», «Können Feuerwehrleute auch ein Burnout bekommen?» oder «Gelten Engel eigentlich als Geflügel?». Huwyler gewährte auch Einblicke in sein Schriftstellerleben, wobei seine Darbietungen klarmachten, dass hier ein gewiefter Geschichtenerzähler am Werk ist: Er verweilte in den Ferien auf einer Insel, etwa 9000 Kilometer von der Schweiz entfernt, und ihn traf der Schlag, als er am Strand eine Frau auf einem Liegestuhl sah, die eines seiner Bücher dabeihatte. Allerdings stellte sich heraus: Die Dame war des Deutschen gar nicht mächtig, sondern benutzte Huwylers Buch nur, um ihren Liegestuhl als besetzt zu kennzeichnen.

Erst Kriegsreporter – seit 2019 Schriftsteller

1968 im aargauischen Merenschwand geboren und aufgewachsen, arbeitete Huwyler zunächst als Primarlehrer, bevor er in den Journalismus wechselte. In dieser Funktion berichtete er teilweise aus Kriegsgebieten. Dazu sagte er am Freitag: «Ich war wirklich in schlimmen Ländern unterwegs. Bei all dem ist es wichtig, den Humor nicht zu verlieren. Sonst hält man das nicht durch.» Erst 2019 veröffentliche Huwyler seinen ersten Kriminalroman unter dem Titel «Frau Morgenstern und das Böse». In der Reihe um die pensionierte Lehrerin Violetta Morgenstern, die zur Serienmörderin, ja Auftragskillerin wird, und dies übrigens auf eine sehr kreative Weise tut, hat Huwyler bereits das siebte Band veröffentlicht. Die neuste Geschichte um die sympathische Mörderin trägt den Titel «Frau Morgenstern und die Offenbarung».

Eine weitere Huwyler-Reihe dreht sich um den Taxifahrer und Hobbydetektiv «Herrn Wälti». In dieser Reihe ist eben im April der zweite Band erschienen. Huwyler las am Freitag aus seinen Krimiromanen vor, doch wirklich Spannung kam auf, als der Autor eine kriminalistische Weihnachtsgeschichte vorlas, die er im Buch «Das letzte Fondue» zusammen mit anderen Schweizer Autoren veröffentlicht hatte. Dabei ging es um einen Banküberfall, drei Fremde aus dem Morgenland – die mutmasslichen Bankräuber? – und ein Käsefondue.

Helvetismen nutzen

Den Erfolg seiner Bücher habe er einem Verlag in Deutschland zu verdanken, erzählte der Schriftsteller. «Als ich das Manuskript damals einschickte, rechnete ich nicht damit, dass es Erfolg haben würde. Ich dachte, es wäre wohl zu schweizerisch.» Umso grösser die Freude, als der Verlag sein Buch annahm und er heute vom Schreiben leben könne. Huwyler ermunterte Schweizer Autoren dazu, in ihren Texten Helvetismen zu verwenden. «Schweizerdeutsch hat einen grossen Reichtum an Worten zu bieten. Das sollten wir nutzen.»

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