Der «Aromat-Retter» aus Arlesheim
Michael Oehl ausArlesheim will mit einer Petition verhindern, dass Aromat in amerikanische Hände fällt. Das sind seine Beweggründe und so könnte es für das Kultgewürz weitergehen.

Ende März hat der US-Konzern McCormick für über 40 Milliarden US-Dollar die Lebensmittelsparte von Unilever gekauft. Damit besitzt der grösste Gewürzhersteller der Welt künftig auch die Marke Knorr, zu der auch das Schweizer Gewürz Aromat gehört. Das ist dem Arlesheimer Unternehmer Michael Oehl ein Dorn im Auge. Er hat vor rund zwei Wochen eine Petition lanciert mit dem Namen «Aromat ghört dr Schwiiz – eine Stimme für unser Nationalgewürz!». Bislang haben knapp 14000 Menschen unterschrieben.
In seinem Petitionstext fordert der 34‑Jährige den Erhalt der Aromat-Produktion in der Schweiz sowie den Schutz von Arbeitsplätzen und Know‑how im Land – aktuell arbeiten noch knapp 100 Personen in der «Knorri» in Thayngen im Kanton Schaffhausen. Ausserdem dürfe die original Schweizer Aromat-Rezeptur nicht verändert werden und die Möglichkeit eines Schweizer Käufers oder einer Schweizer Beteiligung solle aktiv geprüft werden, bevor der Deal final abgeschlossen wird. Die Fusion soll erst Mitte 2027 finalisiert werden.
Oehl ist sich bewusst, dass eine Petition McCormick nicht vorschreiben kann, was sie mit ihren Produkten anstellen. Ihm gehe es aber darum aufzuzeigen, dass Aromat für die Schweizerinnen und Schweizer eine hohe Relevanz besitze. «Ich bin nicht politisch getrieben», unterstreicht Oehl im Gespräch mit dem Wochenblatt. Er sei auch nicht einfach ein Aromat-Fan oder ein Aktivist.
Von einem ausländischen Unternehmen zum nächsten
Als er Ende März von der Übernahme durch McCormick las, dachten Kollegen und Bekannte, es sei ein Aprilscherz. Als sich jedoch zeigte, dass das Ganze wahr ist, handelte er unverzüglich: «Ich habe mir gesagt: Nicht schon wieder soll eine Schweizer Firma ins Ausland abwandern.» Oehl nennt unter anderem Toblerone als Beispiel.
Unilever, die bisherige Besitzerin von Aromat, ist eine britisch-niederländische Firma. Wieso soll nun bei einem amerikanischen Besitzer die Gefahr grösser sein, dass die Produktion ins Ausland verschoben wird? McCormick sei noch einmal deutlich grösser als Unilever und müsse als börsennotiertes Unternehmen jeweils genügend Rendite abwerfen, mahnt Oehl. Darum bestehe in seinen Augen das Risiko, dass ein Grossunternehmen wie McCormick nach einer Übernahme die Produktpalette straffe und auch gewisse Produktionen auslagere. Um das zu verhindern, startete der Arlesheimer die Petition.
Die Unterstützung, die er danach erfahren hat, habe er so nicht erwartet. Bereits nach einer Woche hätten 10000 Personen sein Anliegen unterstützt. Zudem habe er zahlreiche Zusendungen erhalten, in denen die Menschen ihm schrieben, wie wichtig ihnen das Schweizer Kultgewürz sei. Oehl selbst nutzt das «gelbe Gewürzgold» auch regelmässig. Sei es beim Frühstück für das hart gekochte Ei oder beim Grillieren und auf der Wanderung für die Gurken und Tomate – der gelbe Würzstreuer ist stets dabei. Nebst vielen unterstützenden Worten hat der Arlesheimer aber auch konkrete Gespräche mit etablierten Industriepartnern aus der Schweiz geführt. Es wäre jedoch nicht seriös, zum jetzigen Zeitpunkt schon konkrete Namen zu nennen, so Oehl. «Das Interesse ist da, auch Finanzierungen wurden schon angedeutet», verrät der Arlesheimer.
Konkrete Pläne, Aromat künftig im Ausland oder gar nicht mehr zu produzieren, gibt es nicht. McCormicks Mediensprecherin Kyla McLennan schrieb auf Anfrage des «Tages-Anzeigers», dass das Unternehmen die Bedeutung solcher beliebter lokaler Marken verstehe. Konkret zur Schweiz und zu Aromat wollte McLennan jedoch nichts sagen. Ein klares Bekenntnis sieht anders aus.
Ein Gespräch auf Augenhöhe
Oehl habe den Kontakt zum amerikanischen Gewürzhersteller bewusst noch nicht gesucht. «Wenn man dort anklopft, muss man bereit sein», sagt der Head of New Business & Innovation eines Schweizer KMUs und Verwaltungsratspräsident der 3D Druck Tech AG in Dornach. Er möchte ein Gespräch auf Augenhöhe mit McCormick führen und so die Zukunft von Aromat in der Schweiz sichern. Wie die genau aussieht, weiss Oehl noch nicht. Er sagt nur so viel: «Aromat soll weiterhin in der Schweiz produziert werden, in welcher Form das passiert, muss genau und seriös geprüft werden.» Je mehr Unterschriften zusammenkämen, umso höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass McCormick die Relevanz und den Wert von Aromat erkenne, ist sich Oehl sicher.
Die Beliebtheit des Gewürzes, das 1952 in Thayngen erfunden wurde und seither dort produziert wird, ist ungebrochen. Rund 2000 Tonnen Aromat werden in der Schaffhauser Grenzstadt jährlich produziert, wie Knorr-Chefkoch Remo Walder 2013 der «Berner Zeitung» erklärte. Aktuelle Zahlen gibt Unilever nicht bekannt. Der Hype um die im letzten Herbst lancierten Aromat-Chips, die innert kürzester Zeit ausverkauft waren, unterstreicht die Beliebtheit des Kultgewürzes.


