Widerstand gegen Ortskernplanung formiert sich

Die Interessensgemeinschaft «Fruschd» wehrt sich gegen die Teilzonenreform Ortskern und hat eine Petition lanciert.

Historischer Dorfkern: 60 private Liegenschaften sollen unter Schutz gestellt werden. Foto: Marianne Keba
Historischer Dorfkern: 60 private Liegenschaften sollen unter Schutz gestellt werden. Foto: Marianne Keba

In den vergangenen Tagen hat sich in Arlesheim die IG Freiheit und Schutz fürs Dorf – kurz Fruschd – formiert und ihre Kritik am Gemeinderat auf einer extra dafür aufgeschalteten Website festgehalten. Die Wortwahl darauf und in der ­Medienmitteilung von vergangenem Freitag ist heftig. Die IG spricht von einer «aktivistischen Planwirtschaft» und «Willkür». Die Teilzonenreform Ortskern, die der Gemeinderat Anfang Februar der Bevölkerung vorstellte, sei «­unredlich, ziellos, intransparent, unfair «und «Ausdruck einer ­Bananenrepublik».

Um ihre Kritik zu erhärten, hat die IG eine Petition zuhanden des Baselbieter Landrats lanciert. Bis am vergangenen Freitag hätten diese bereits über 400Personen unterschrieben. Wie viele Unterschriften bis Anfang dieser Woche zusammengekommen sind, wollte IG-Co-Präsident Hugo Erbacher nicht ­vermelden. Es bringe nichts, Wasserstandsmeldungen abzugeben. Generell gibt sich das IG-Präsidium wortkarg. Es verweist auf die eigene Website und die darauf formulierte Kritik.

Unredlich sei der Zonenplan, weil damit künftig «alles» im Ortskern reglementiert werde – bis zum Erhalt privater Blumenbeete und Spritzkannen. Die vom Gemeinderat formulierten Ziele bezeichnet die IG als «heisse Luft». Es sei willkürlich, dass 60 private Liegenschaften unter Schutz gestellt werden, andere aber nicht. «Will der Gemeinderat bestimmte Arlesheimer Bürger bevorzugen?», fragt die IG provokativ, um wenig später gleich selber zu antworten, indem einzelne Objekte aufgezählt werden, die gemäss IG – wie das Restaurant Rössli – unter Schutz gestellt werden sollen. Andere wie das Gasthaus zum Ochsen könnten jedoch vollständig abgerissen werden.

Die IG kritisiert mehrfach, dass der Badhof und der Sonnenhof nicht Teil der Teilzonenrevision sind und baulich stark entwickelt werden sollen. Sie attackiert dabei Architekt Philipp Wälle, der als Mitglied der Ortskernkommission die Vorlage mit ausarbeiten konnte, für «sein» Baufeld Sonnenhof die Regeln aber selber bestimmen könne.

Auch Kunsthistorikerin Doris Huggel, die für den Gemeinderat die Liegen­schaften im Ortskern analysiert hat, wird von der IG wie schon an der Informationsveranstaltung heftig kritisiert. Sie habe im Alleingang und ohne Offen­legung ihrer Kriterien 60 Liegenschaften teilweise fehlerhaft inventarisiert und dabei auch ohne Zustimmung von den Eigentümerinnen und Eigentümer deren Grundstücke betreten.

«Entmündigung der Liegenschaftsbesitzer»

Die Interessensgemeinschaft Fruschd ­kritisiert aber nicht nur den Inhalt des Teilzonenplans, sondern auch die «­Unvollständigkeit» und die «schwammige, nicht erfüllte Ziel­setzung», erklärt Hugo Erbacher. 300 Seiten an Berichten, Studien und ­Plänen sind auf der Website der Gemeinde Arlesheim zur Mitwirkung aufgeschaltet.

Erbacher kritisiert: «Wie kann ein ­Bürger in diesem Berg an Information herausfinden, was Sache ist?» Der vorliegende Quartierplan komme einer «­Entmündigung der Liegenschafts­besitzer» gleich, schimpft Erbacher. Bis gestern konnte sich die Öffentlichkeit im Rahmen der Mitwirkung zur Teilzonenrevision Ortskern äussern. Im September soll die Vorlage vor die Gemeinde­versammlung kommen.

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