War es das für Balz Stückelberger?
Balz Stückelberger (FDP) galt während Jahren als potenzieller Nationalrat oder Ständerat. Jetzt ist er erneut intern gescheitert. Wie geht es mit dem Arlesheimer weiter?

Der Vizepräsident der Baselbieter FDP und ehemalige Landrat zog in der Ausmarchung um die Ständeratskandidatur der Baselbieter Bürgerlichen für die eidgenössischen Wahlen im Herbst 2027 gegen den Oberwiler Mitte-Landrat Pascal Ryf den Kürzeren. Ryf habe als «Panaschierkönig» die besseren Chancen, Stimmen über das bürgerliche Lager hinaus zu holen, begründete SVP-Präsident Peter Riebli die Entscheidung seines Parteivorstandes. Nimmt man es genau und gemäss den Sitzen in den Wahlkreisen, war nie Ryf, sondern der Laufentaler Mitte-Landrat Marc Scherrer zuletzt der Panaschierkönig im Kanton.
Viele Politbeobachterinnen und Politbeobachter sahen in Stückelberger den idealen Herausforderer von Ständerätin Maya Graf (Grüne). Klar bürgerliches Profil, liberale Werthaltung, redegewandt und kollegial im Umgang – Stückelberger kann es auf persönlicher Ebene mit jeder und jedem. Dieses Gefühl erhält man, wenn man ihn in Gesprächen beobachtet oder direkt mit ihm zu tun hat. Mit dem Rücktritt aus dem Landrat im Februar 2026 wollte sich Stückelberger komplett auf seine Ständeratskandidatur konzentrieren. Doch der Plan ging nicht auf. Pascal Ryf schien bei der SVP mit seinem konservativeren Profil mehr punkten zu können.
2015 fehlten zwei Stimmen
Für den 54‑jährigen Arlesheimer ist die Nomination von Pascal Ryf zum bürgerlichen Ständeratskandidaten die nächste bittere Niederlage in einer internen Ausmarchung. 2015 unterlag Balz Stückelberger im FDP-internen Duell um die Ständeratskandidatur dem bürgerlichen Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser. Nur gerade zwei Stimmen machten an der Parteiversammlung den Unterschied. Buser unterlag daraufhin Claude Janiak (SP). Die Frage stellt sich, ob Stückelberger als «der Unvollendete» in die Baselbieter Politgeschichte eingeht. Eine letzte Chance bleibt ihm. Zum dritten Mal stellt er sich seiner Partei als Kandidat für den Nationalrat zur Verfügung. Ob er es auf die Liste schafft, wird die FDP-Versammlung entscheiden. 2019 wurde Stückelberger auf der Liste der FDP Dritter hinter der wiedergewählten Daniela Schneeberger und Saskia Schenker. 2011, als er zum ersten Mal für den Nationalrat kandidierte, landete der Arlesheimer ebenfalls auf dem dritten Listenrang, verpasste die Wahl hinter der damals neu gewählten Schneeberger und dem Zweitplatzierten Franz Saladin verhältnismässig knapp um weniger als 1100 Stimmen.
Oberstes Ziel: Bundesbern
Die Ausgangslage im kommenden Herbst ist für sämtliche Kandidierenden der FDP vielversprechend. Die Wiederwahl von Daniela Schneeberger gilt als sicher. Ob sie anschliessend die ganze Legislatur in Bundesbern durchziehen wird, ist offen. Stückelberger mag darüber nicht spekulieren, macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass der Platz als Nachrückender grundsätzlich interessant ist. «Klar hatte bei mir der Ständerat stets Priorität, da ich denke, dass der Stil und die Arbeitsweise in der kleinen Kammer zu mir passen würden.» Die Wahrscheinlichkeit, es in den Ständerat zu schaffen oder überhaupt als Kandidat aufgestellt zu werden, sei aber für jede und jeden klein. «Deshalb kann und darf ich über die Nichtnomination durch die SVP gar nicht allzu enttäuscht sein.» Oberstes Ziel sei stets Bundesbern gewesen, sagt Stückelberger. Als Direktor Arbeitgeber Banken habe er fast ausschliesslich mit Themen zu tun, die in Bundesbern behandelt und entschieden werden. «Deshalb hat für mich am Tag der Nichtnomination für den Ständerat mein persönlicher Wahlkampf für den Nationalrat begonnen.»
In Arlesheim stand Stückelberger während Jahren politisch niemand vor der Sonne. Womöglich hatte er als Präsident der lokalen FDP-Sektion sogar mehr Einfluss als der frühere Gemeindepräsident und heutige Regierungsrat Markus Eigenmann (FDP). Ergreift Stückelberger an einer Gemeindeversammlung das Wort, hören die Leute genau hin. In den Gemeinderat zog es Stückelberger dennoch nie. «Ich bin ein Parlamentspolitiker. Ein Exekutivamt hat mich nie gereizt.» Der Regierungsrat kommt für den 54‑Jährigen auch nicht infrage, weil seine Ehefrau als Erste Staatsanwältin direkt der Kontrolle der Regierung untersteht.
Zu sehr auf das Birstal fokussiert?
Im Birstal mit seinen rund 100000 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört Stückelberger zu den angesehensten Politikerinnen und Politikern. Doch scheint es, dass seine Strahlkraft zu wenig über den Perimeter der Birsstadt zwischen Birsfelden und Grellingen hinausreicht. Auch Pascal Ryf gilt als «Berufs-Oberwiler» oder «Berufs-Leimentaler», der stark in seiner Heimatregion verwurzelt ist. Mit dem Amt als Landratspräsident von 2023 bis 2024 wurde Ryf einem breiteren Publikum im Baselbiet bekannt. Das hat mit Bestimmtheit geholfen. Im weit verzettelten Kanton ist es eine Herausforderung, sich über alle 86 Gemeinden hinweg einen Namen zu machen.
«Vielleicht habe ich es auch zu wenig strikt verfolgt, über die Birsstadt hinaus Bekanntheit zu erlangen», räumt Stückelberger ein. Wenn er als Vorstandsmitglied von Gastro Baselland unterwegs sei, spüre er jeweils Wertschätzung auch in den ländlichen Gefilden des Kantons. Anbiedern wollte er sich nie, stellt der Arlesheimer klar. Ob das Oberbaselbiet und das Laufental zu sehr mit dem Vertreter einer der liberalsten Gemeinden im Kanton fremdeln? Ganz ausschliessen könne er das selber nicht. «Ich bin beruflich in Basel, Zürich und Brüssel unterwegs. Dazu bin ich im Verwaltungsrat des Theaters Basel. Vielleicht ist das für einige etwas gar viel Stadt und Hochkultur. Aber wer mich kennt, weiss, dass ich auch ganz andere Seiten habe.»
Auch wenn es im kommenden Herbst bei den Nationalratswahlen nicht klappen sollte, geht für Stückelberger keine Welt unter, wie er selber klarstellt. «In der Politik darf man sein Glück nie von einem Amt abhängig machen.»
«Mein Wahlkampf für den Nationalrat hat begonnen.»
«In der Politik darf man sein Glück nie von einem Amt abhängig machen.»


