«Stärne»: Jetzt ist auch der Laden passé
Nach der Schliessung des Restaurants vor zwei Jahren zieht sich der Verein für Sozialpsychiatrie Baselland (VSP) mitsamt dem Verkaufsladen ganz aus dem «Stärne» zurück. Der eigentlich bis 2028 geltende Mietvertrag wurde vorzeitig beendet.

Im September 2024 begründete Ursula Baumhoer, Co-Geschäftsleiterin des Vereins für Sozialpsychiatrie Baselland (VSP), die Schliessung des Restaurantbetriebs des Gasthaus zum Stärne gegenüber dem Wochenblatt mit wirtschaftlichen Gründen. Der an das Restaurant angeschlossene Verkaufsladen «fairgissmeinnicht» sollte weitergeführt werden, versicherte Baumhoer.
Gut zwei Jahre nach der Restaurantschliessung zieht der VSP ganz aus dem «Stärne» an der Ermitagestrasse 1 aus und schliesst in Verbindung damit auch den Verkaufsladen. Das Mietverhältnis zwischen Liegenschaftseigentümer Thomas Bircher und dem VSP wurde auf Ende Oktober beendet. Ursula Baumhoer, die mittlerweile als alleinige Geschäftsleiterin beim VSP wirkt, möchte die frühzeitige Auflösung des Mietverhältnisses öffentlich nicht weiter kommentieren. «Wir konzentrieren unsere Tätigkeit schon länger auf das Walzwerkareal in Münchenstein, wo wir unter anderem eine öffentliche Kantine mit Catering betreiben.» Für die Beschäftigten des Verkaufsladens wurden intern Anschlusslösungen gesucht. «Es werden vonseiten VSP keine Kündigungen ausgesprochen», betont Baumhoer.
Standorte werden näher zusammengeführt
Wie schon die Stiftung Werkstar, die bis Ende 2021 den «Stärne» während über 20 Jahren betrieben hatte, bot auch der VSP in Arlesheim begleitete Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen an. Der mehrheitlich vom Kanton Baselland über eine Leistungsvereinbarung finanziell getragene Verein ist gemäss der Geschäftsleiterin personell und finanziell weiterhin gut aufgestellt. «Aber natürlich tragen wir Verantwortung für einen haushälterischen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln.» Auch deshalb sei der VSP daran, die Standorte näher zusammenzuführen, um Synergien besser nutzen zu können. Der VSP ist unter anderem auch in Reinach, Frenkendorf und Liestal mit Wohn- und Tagesstrukturangeboten aktiv.
Gehörte über 70 Jahre zum Gastro-Inventar von Arlesheim
Als der VSP den «Stärne» übernommen habe, sei noch sehr viel Herzblut und Motivation zu spüren gewesen, erinnert sich Liegenschaftseigentümer Bircher. Der traditionelle Saal im Obergeschoss wurde als «Stärne-Saal» wieder für Anlässe geöffnet und das Restaurant und die Gästezimmer sollten für eine weitere Attraktivitätssteigerung sanft erneuert werden. Mitten in diesem Prozess sei es Mitte 2024 zu einem Strategiewechsel im VSP mit der darauffolgenden Restaurantschliessung gekommen, erklärt Bircher. Mit einem Bistro sei zwar weiterhin ein kleines gastronomisches Angebot zur Verfügung gestellt worden, der «Stärne» habe in den vergangenen beiden Jahren aber nur noch wenig mit den ursprünglichen Plänen von 2022 zu tun gehabt, sagt der Eigentümer. Da der VSP keinen Nachmieter finden konnte, einigten sich die Parteien auf eine vorzeitige Vertragsauflösung auf Ende Oktober 2026.
Das Gasthaus zum Stärne gehört seit über 70 Jahren zum Gastro-Inventar von Arlesheim. Mitte der 1950er-Jahre kaufte Birchers Grossvater die Liegenschaft und baute sie zu einem Gasthaus mit Metzgerei um.
Annarös und Ueli Bircher-Vögtli wirteten 34 Jahre im «Pöschtli» und führten den gutbürgerlichen Betrieb zur Hochblüte. 2003 wurde auf Wunsch der Stiftung Werkstar als neue Mieterin aus dem «Pöschtli» der «Stärne».
In den oberen Stockwerken befinden sich zwei Mietwohnungen, fünf Gästezimmer und ein grosser Saal. Das Gebäude ist als Ensemble mit dem Nachbarhaus seit der Ortskernrevision unter kommunalen Schutz gestellt. Im Aussenbereich darf baulich nichts verändert werden. Im Innern seien Anpassungen an die Bedürfnisse neuer Mieter möglich, betont Bircher.
Für den Liegenschaftseigentümer des «Stärne» ist es im Sinne des Dorflebens essenziell, dass der Standort als Gastronomiebetrieb weitergeführt wird. Seit August sucht Bircher eine Nachfolgelösung. Priorität habe wieder eine soziale Institution, welche die ganze Liegenschaft nutzen könne.
Es gebe Interessenten, aber bisher sei es noch mit keiner Organisation zu einer Einigung gekommen. «Ich bin offen für alle Arten an Angeboten. Wenn es nicht gelingt, das ganze Haus mit den Wohnungen und den Gästezimmern zu vermieten, müssen wir uns überlegen, die unterschiedlichen Bereiche aufzuteilen.»
Bircher sieht den Wechsel auch als Chance, das Traditionshaus und damit auch die Umgebung neu zu beleben. Ihm liege ein lebendiger Arlesheimer Ortskern weiterhin am Herzen. Der «Stärne» soll dazu in Zukunft wieder einen Beitrag leisten können.


