Naturschutz ohne erhobenen Zeigefinger

Der Natur- und Vogelschutzverein Arlesheim lädt zum Filmabend ins Setzwerk ein. Gezeigt wird «Raindrop – Die Reise des Wassers» des Schweizer Naturfilmers Marco Graf.

Wichtiger Lebensraum: Wasser bietet unzähligen Lebewesen die Lebensgrundlage, wie zum Beispiel der Seeforelle.Foto: zvg / Marco Graf
Wichtiger Lebensraum: Wasser bietet unzähligen Lebewesen die Lebensgrundlage, wie zum Beispiel der Seeforelle.Foto: zvg / Marco Graf

Nach einem heissen und trockenen Sommer scheint kaum ein Thema aktueller als das Wasser. Die Folgen der Trockenheit hat auch der Natur- und Vogelschutzverein Arlesheim zu spüren bekommen. Wie Präsidentin Brigitte Honegger-Völlmin berichtet, sind die Spuren des Sommers besonders an der Zahl der Amphibien abzulesen gewesen. Aber auch das geplante Monitoring der Wasserspitzmaus musste abgesagt wegen. Der Grund: Das für die Messung vorgesehene Gewässer war ausgetrocknet. «Es ist leicht, mit dem Finger auf die Probleme zu zeigen und auf das, was alles nicht gut läuft. Aber darum geht es uns nicht», sagt die Vereinspräsidentin. Vielmehr wolle man in den Fokus rücken, was bereits gut gemacht werde, und die Begeisterung für die Natur mit anderen teilen. Genau dort setze auch der Filmabend an.

Einblicke in eine Welt, die sonst oft verborgen bleibt

«Raindrop – Die Reise des Wassers» begleitet das Wasser von den Alpen bis in die Weiten des Ozeans. Im Zentrum stehen dabei weniger die geografischen Stationen als vielmehr die Lebewesen, die in und an den Gewässern ihren Lebensraum haben. Über vier Jahre hinweg hat Marco Graf charakteristische Arten in ihren natürlichen Lebensräumen beobachtet und ihre Geschichten mit der Kamera festgehalten. Entstanden ist ein Dokumentarfilm, der Einblicke in eine Welt gewährt, die dem menschlichen Auge im Alltag oft verborgen bleibt.

Gerade die ruhigen Passagen, in denen die Bilder für sich selbst sprechen, machen für Honegger-Völlmin den besonderen Reiz aus. Die Schönheit der Natur werde sichtbar, ohne dass das Publikum fortwährend mit deren Bedrohung konfrontiert werde. Auch Graf möchte die Menschen nicht über ein schlechtes Gewissen zum Naturschutz bewegen. «Wir wollen die Menschen aus Überzeugung zum Naturschutz bringen und nicht aus schlechtem Gewissen», erklärt der 32‑Jährige.

Seine eigene Begeisterung für die Natur reicht bis in die Kindheit zurück. Schon früh beschäftigte er sich mit Fischen und begann, das Verhalten seiner Aquarienbewohner zu filmen. Aus diesen ersten Aufnahmen entwickelte sich eine Leidenschaft, die schliesslich zum Beruf wurde.

Sein erster Kinofilm erschien 2018. Der damals 24‑Jährige widmete ihn dem Hochrhein und gründete daraufhin seine eigene Produktionsfirma. Seither, so Graf, lebe er seinen Traum. Es folgten der Film «Feld, Acker, Wiese» und schliesslich im Jahr 2025 «Raindrop». Für die Vorführung in Arlesheim reist er am Freitag eigens aus der Ostschweiz an und steht dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Dabei sei er dem Verein sehr entgegengekommen, erzählt Honegger-Völlmin. Lediglich die Gebühr für die öffentliche Vorführung habe der Verein zu entrichten. Die Anreise sowie die Anwesenheit vor Ort übernehme der Regisseur selbst.

Staunen als Zugang zur Natur

Das nächste Filmprojekt ist bereits in Produktion und soll schon im Jahr 2028 erscheinen. Darin will sich Graf mit den unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien von Arten in Mitteleuropa beschäftigen. Ihn interessiert dabei nicht allein die biologische Funktion, sondern auch die erstaunliche Vielfalt der Lösungen, die sich im Laufe der Evolution entwickelt haben. «Es gibt Fische, die bauen Kuppeln aus Luftblasen, um darin ihre Eier abzulegen. Das sind komplexe Bauwerke, ohne dass diese Tiere je eine Anleitung dazu erhalten haben», erklärt Graf mit sichtlicher Begeisterung. «Mir geht es im Kern darum, diese faszinierenden Geschichten, die im Verborgenen stattfinden, in Emotionen zu übersetzen und mit den Menschen zu teilen», erklärt er weiter.

In dieser Faszination liegt für Graf auch eine spirituelle Dimension, ohne dass er sich selbst als religiös bezeichnet. Wer die Vielfalt und zugleich die Verletzlichkeit der Natur betrachte, komme nicht umhin, den Eindruck zu gewinnen, dass hinter dieser Fülle mehr steckt als ein blosses Nebeneinander von Arten. «Und wo ein Plan ist, da ist letztlich doch immer auch ein Autor», gibt er zu bedenken.

«Raindrop – Die Reise des Wassers» wird am Freitag, 6. November, um 19.30 Uhr im Setzwerk in Arlesheim gezeigt. Im Anschluss an die Vorführung steht Marco Graf für Fragen zur Verfügung.

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