Von unbezahlbarer Liebe

Mit Gaetano Donizettis «Don Pasquale» bringt das Neue Theater am Bahnhof erneut eine Oper als Eigenproduk-tion auf die Bühne. Die Inszenierung durch Georg Darvas ist hervorragend geglückt.

Turbulentes Finale: Michael Nowak (Ernesto), Jardena Flückiger (Norina), Daniel Reumiller (Don Pasquale), Robert Koller (Malatesta) und Peter Koller (Carlotto) (v. l.).  Foto: ZVG
Turbulentes Finale: Michael Nowak (Ernesto), Jardena Flückiger (Norina), Daniel Reumiller (Don Pasquale), Robert Koller (Malatesta) und Peter Koller (Carlotto) (v. l.). Foto: ZVG

Thomas Brunnschweiler

Ältere reiche Männer heiraten junge hübsche Frauen: ein Thema so aktuell wie zeitlos. Das Libretto von «Don Pasquale» geht auf den altbekannten Stoff des ungleichen Paares zurück – seit der Renaissance ein Gemeinplatz in Kunst und Literatur. In der 1843 uraufgeführten Oper Donizettis will der reiche, geizige Junggeselle Don Pasquale sich verheiraten. Den schmarotzenden Neffen Ernesto jedoch, der die mittellose Norina liebt, möchte er loswerden. Der Arzt Malatesta gibt vor, Don Pasquale seine Schwester «Sofronia» – die in Wirklichkeit Norina ist – zur Frau zu geben. Nach einer Scheinheirat soll Norina dem alten Hagestolz das Leben zur Hölle machen.

Don Pasquale fällt auf den Schwindel herein. Der Diener Carlotto gibt sich als Notar aus und vermählt die beiden zum Schein. Gleich danach macht Norina ihren Gemahl zum Affen. Der Diener bringt im dritten Akt Unmengen Luxus- und Modeartikel herein. Don Pasquale sieht sich mit hohen Rechnungen konfrontiert und damit, dass seine «Angetraute» allein ins Theater gehen will. Nachdem Don Pasquale seine «Sofronia» wieder loswerden will, gibt er seinem Neffen grünes Licht zur Heirat mit Norina. Erst jetzt merkt Don Pasquale, dass er geprellt worden ist. Resigniert stellt er fest: «Als alter Mann heirate man junge Frauen nicht.»

Witzig und glaubwürdig
Gaetano Donizettis Musik wird vom Ad-hoc-Orchestra Donizetti unter der kundigen Leitung von Bruno Leuschner in einem schlanken Arrangement zum Klingen gebracht. Die Musiker befinden sich unterhalb der Dachkammer Ernestos wie unter einem Baldachin. Nie trivialisiert Donizettis Musik die Gefühle der Figuren, die im Gegensatz zur Commedia dell’Arte schon stark individualisiert sind. Die Partitur ist voller Überraschungen und oft kippt die Musik plötzlich in eine andere Stimmung.

Daniel Reumiller (Bass, Don Pasquale), Jardena Flückiger (Koloratur-Sopran, Norina), Robert Koller (Bariton, Malatesta) und Michael Nowak (Tenor, Ernesto) singen hervorragend und harmonieren optimal. Besonders Jardena Flückiger vermag mit ihrer geschmeidigen Stimme und ihrem Bühnentalent zu gefallen. Auch Peter Koller als Carlotto und Notar meistert seinen kurzen Part bestens. Wenn Don Pasquale sich im zweiten Akt einen Schnurrbart aufmalt, verwandelt er sich in einen Doppelgänger von Groucho Marx. Jetzt wird die Einspielung eines Marx-Brother-Films am Anfang klar. Solche Kulturzitate und andere Bühneneinfälle beleben die längeren Rezitativpassagen.

Georg Darvas ist eine intime Donizetti-Aufführung gelungen, die glaubwürdig, witzig und musikalisch von hohem Niveau ist und nie ins Klamaukhafte abgleitet.

Premiere: Donnerstag, 1. November, 20 Uhr; anschliessend 2. und 3. November, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen siehe Agenda.

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Jugendlich frisch: (v. h. l.) Auszubildender Michael Baur, Florian Werder, Zivildienstleistender Patrick Joseph sowie die künftige stellvertretende Leiterin Ivana Cuk (vorne) stehen in den Vorbereitungen für das Geburtstagsfest. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim09.09.2026

«Wir sind heute gesitteter als früher»

Am Samstag feiert das Jugendhaus Arlesheim seinen 40. Geburtstag. Am Fest werden auch Künstler aus der Gründerzeit auftreten.
Generationenwechsel: Helene und Erich Rediger (links) übergeben das Steuer nach 30 Jahren an Daniel und Géraldine Rediger. Auch der zweijährige Mathou und der drei Monate alte Elio werden den Hof beleben. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim02.09.2026

«Wir begannen mit drei Rebsorten – heute sind es 16»

Seit 30 Jahren bewirtschaftet die Familie Rediger das Hofgut Birseck. Im Januar hat die junge Generation die Betriebsleitung übernommen. Mit einem Fest für die…
Feierte erst kurz vor der EM ihr Comeback: die Basler Hochspringerin Lea Bachmann vom LAS Old Boys Basel/Team Goldwurstpower. Foto: zvg / Alex Grymanis
Arlesheim26.08.2026

«Ich dachte sicher nie ans Aufhören, aber es war eine sehr schwere Zeit»

Am Samstag findet der «Goldwurst-Power Stab Event» statt. Seit 2024 nennt sich der Anlass auch «Anatoli Gordienko Memorial», nach dem verstorbenen Trainer der…