Überfällige Weichenstellung in der Kulturraumfrage

Mit der Abkehr vom Mehrzweckgebäude am Domplatz zugunsten eines Veranstaltungssaals im Dorf beendet der Gemeinderat das jahrelange Ringen um einen Arlesheimer Kulturraum.

«Unser Saal»: Am Stollenrain 17, wo noch vor wenigen Jahren das «Wochenblatt» produziert worden war, könnte dereinst ein Veranstaltungssaal für Arlesheim errichtet werden.
«Unser Saal»: Am Stollenrain 17, wo noch vor wenigen Jahren das «Wochenblatt» produziert worden war, könnte dereinst ein Veranstaltungssaal für Arlesheim errichtet werden.

Der Gemeinderat stand im Zugzwang das Projekt Kulturzentrum endlich zu konkretisieren, nachdem die Interessensgemeinschaft der Arlesheimer Vereine (IGVA) vergangenen Sommer ein Positionspapier vorlegte. Darin wurden umfassende Forderungen an die Funktionalität eines solchen Komplexes definiert, verbunden mit der Aufforderung den Standort Domplatz nochmals zu überdenken und Alternativen zu prüfen. Die IGVA äusserte erhebliche Zweifel, ob in der Mehrzweckhalle des Domplatzschulhauses in der zurzeit auch noch das Feuerwehrmagazin untergebracht ist, die gewünschte Entflechtung der verschiedenen Raumbedürfnisse der Vereine möglich sei. Ein überladenes Projekt wurde befürchtet, dem Gemeinderat drohte ein zweites kulturpolitisches Waterloo nach der verlorenen Badhofab-stimmung 2003. Nun wurde der Domplatz fallen gelassen.

Vor einer Woche präsentierte der Gemeinderat seine neue Strategie, die den Bau eines grossen, zentral gelegenen Veranstaltungsraumes ins Auge fasst – «Unser Saal» heisst das Projekt vorderhand. Darin sollen bei Konzertbestuhlung maximal 600 Personen Platz finden können, Zusatznutzungen durch Dritte in Form von Wohnungen und Gewerbe sind ebenfalls vorgesehen. Das Kostendach liegt bei sechs Millionen Franken. Damit erfüllt der Gemeinderat jetzt die zentrale Forderung der Vereine nach einem Saal für ihre kulturellen Aktivitäten. Für die anderweitigen Raumbedürfnisse von Schule, Verwaltung und Vereinen soll eine Arbeitsgruppe Lösungen erarbeiten. Die IGVA zeigte sich in einer ersten Reaktion hoch erfreut über den Kurswechsel der Gemeinde. Über den politischen Durchbruch in der Kulturraumfrage freut sich mit leisen Nebentönen auch die CVP, die sich ebenfalls mehrfach dafür Aussprache vom Domplatzprojekt abzusehen.

Zwei mögliche Standorte
Den Gang an die Öffentlichkeit mit dem Projekt «Unser Saal» unternahm der Gemeinderat erst, nachdem er zwei passende Standortoptionen präsentieren konnte. Die Liegenschaft Ermitagestrasse 2, in der heute die Gemeindebibliothek untergebracht ist, und die ehemalige Buchdruckerei Arlesheim am Stollenrain 17, wo einst das «Wochenblatt» zu Hause war und derzeit das Neue Theater am Bahnhof seine Zelte aufgeschlagen hat. «Wir wollten unbedingt im Ortskern bleiben, die Kultur gehört ins Zentrum», so Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller. Beide Standorte seien ideal. Mit den Eigentümern beider Liegenschaften, ist er bereits in Verhandlungen. Der Zeitpunkt ist ideal, denn sowohl die alte Post, die der Baselbieter Pensionskasse gehört, wie auch die ehemalige Druckerei, die von der Stiftung Edith Maryon übernommen wurde, würden bald Neubauten weichen.

Entscheid im April
Der endgültige Standortentscheid soll bis im April gefallen sein. Wer das Rennen macht ist noch nicht klar. Die Liegenschaftsbesitzer beider Standorte zeigen sich für die Pläne der Gemeinde empfänglich. «Wir waren von Anfang an bereit, einen Beitrag an so ein Projekt zu leisten», sagt der Projektleiter der Stiftung Edith Maryon Cyrill Häring. Das Wohnprojekt mit generationenübergreifendem Ansatz am Stollenrain würde man stattdessen auf einem anderen Grundstück in der Umgebung realisieren. Ein Landtausch mit der Gemeinde könnte hierzu eine Option sein, so Häring. Wie auch immer es kommen wird, der Kultursaal, mit dem das Dorf schon so lange hadert, ist in greifbarer Nähe – diesmal wirklich.

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