Stangenstreit: «Reale Dimensionen» sollen besser sichtbar sein

Die Bürgergruppe Pro-4144 fordert, Bauprojekte früher auszustecken. Für den Gemeinderat ist das nicht umsetzbar.

Anliegen kommt vor die Gemeindeversammlung: Bauprojekte müssen in Arlesheim in Zukunft vielleicht ausgesteckt werden – hier die Überbauung La Colline. Foto: Benjamin Wieland/Archiv
Anliegen kommt vor die Gemeindeversammlung: Bauprojekte müssen in Arlesheim in Zukunft vielleicht ausgesteckt werden – hier die Überbauung La Colline. Foto: Benjamin Wieland/Archiv

Die Interessengemeinschaft Pro-4144 möchte, dass in Arlesheim auch bei Quartierplänen Bauprofil-Stangen aufgestellt werden. Damit sollen die «realen Dimensionen» sichtbar gemacht werden, fordert die IG in einem offenen Brief, der nun an der nächsten Gemeindeversammlung Punkt für Punkt durchgegangen wird.

Der Antrag mit den Bauprofilen ist der einzige umstrittene, der auch in die Kompetenz der Versammlung fallen würde. Bei einem Quartierplan werden die Eckpunkte einer möglichen Überbauung definiert, wie beispielsweise die maximalen Höhen und Breiten einer Baute. Doch ein Investor kann auch kleiner bauen und ein Gebäude vielleicht in ­einem anderen Winkel aufstellen lassen.

Dann haben die Profile der Bevölkerung eine falsche Vorstellung gegeben. Der Gemeinderat schreibt: «Die Planung einzelner Gebäude ist zum Zeitpunkt der Quartierplanung noch nicht abgeschlossen.» Deshalb wird er mit der Idee nicht warm.

Modelle aus Karton, Holz und Gips

Baupläne können sich von der Quartierplanung unterscheiden. Die Arlesheimer Gemeindeverwalterin Katrin Bartels bringt auch das 3D-Geo-Portal ins Spiel. «Dort kann man das Projekt von allen Seiten sehen», erläutert sie den Vorteil der modernen Methode, ein geplantes Vorhaben zu erfassen. Auch weitere 3D-Visualisierungen ermöglichen es, zu sehen, wie die Zukunft aussehen könnte.

Bartels ist überzeugt: «Mit den modernen Mitteln eröffnen sich interessante Möglichkeiten.» Aber auch an eine eher ältere Vorgehensweise erinnert sie: das Modell. Aus Karton, Holz oder sogar Gips gestaltete Bauten in einem kleinen Massstab ermöglichen es, sich zukünftige Gebäude vorzustellen.

Christian Schüpbach von der IG Pro-4144 findet, dass es für viele Menschen schwierig sei, sich die Dimensionen vorzustellen. Er erinnert an die Diskussion über den Quartierplan «Untere Weiden», wo eine Gebäudehöhe von 60 Metern vorgesehen war. Und er erinnert daran: «Die Bauhöhe ist definiert, wenn der Quartierplan angenommen wurde.» Dann komme später bei einem mit Profilen ausgesteckten Vorhaben ein Rekurs zu spät. Worauf es heissen würde, der Quartierplan mit der entsprechenden Höhe sei genehmigt worden. Sprich, es wird im Quartierplan bereits ein Faktor fixiert, den sich die Bevölkerung erst mit den genauen Bauprofilen vorstellen könne. «Quartierpläne sind immer ganz konkrete Projekte», sagt Schüpbach.

Offen ist, wer die Profile zahlen soll

Ein weiterer Punkt sind die Kosten. Bei einem konkreten Bauvorhaben zahlt der Bauherr die ausgesteckten Profile. Bar­tels sagt deshalb: «Bei einem Quartierplan muss man sich einigen, wer was bezahlt.» Muss die Gemeinde diese Kosten übernehmen? Für Schüpbach ist hingegen klar: «Bei den vergangenen Quartierplänen in Arlesheim steckte jeweils bereits ein Investor mit klarem Vorhaben dahinter.» Daher solle dieser die Kosten tragen. Weiter geht er von einem allgemeinen Interesse aus, was für eine (Vor-)Finanzierung durch die Gemeinde sprechen würde.

Schüpbach und die IG Pro-4144 wollen vor der Gemeindeversammlung am 24.  November die Bevölkerung über ihre Argumente breit informieren und versuchen, für ihre Sicht zu sensibilisieren. Für Diskussionen an der nächsten Gemeindeversammlung ist sicher gesorgt.

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