Ortskern auf dem Prüfstand

Am Samstag trafen sich rund 30 Interessierte für einen Rundgang durch den Arleser Ortskern. Anlass war die anstehende Revision des Quartierplans.

Erläuterungen während des Rundgangs: Bauverwalter René Häner erklärt, welche unterschiedlichsten Aspekte es bei der Weiterentwicklung des Arlesheimer Ortskerns zu berücksichtigen gilt.  Foto: Axel Mannigel
Erläuterungen während des Rundgangs: Bauverwalter René Häner erklärt, welche unterschiedlichsten Aspekte es bei der Weiterentwicklung des Arlesheimer Ortskerns zu berücksichtigen gilt. Foto: Axel Mannigel

Bei strahlendem Spätsommerwetter fand sich morgens um 10 Uhr eine interessierte Schar beim Dorfbrunnen zum zweiten Ortskern-Rundgang ein. Zu diesem Zeitpunkt war der Flohmarkt bereits in vollem Gange und bildete eine herrlich lebendige Kulisse zum Thema. Ein erster Rundgang mit rund 40 interessierten Personen fand zwei Tage zuvor am Donnerstagabend statt. Nach einer kurzen Begrüssung von René Häner, Leiter Raumplanung, Bau und Umwelt, und Jürg Andrea Bossardt, Kunsthistoriker und externer Ortsbildpfleger, verschob sich die Gruppe auf den Platz vor der Trotte, wo die beiden fachkundig und engagiert ins Thema einführten. Hintergrund ist die Revision des bestehenden Quartierplans für den Ortskern, der noch aus dem Jahr 1987 datiert. Nach 30 Jahren entspricht dieser nicht mehr den heutigen Anforderungen und muss überarbeitet werden. Häner und Bos-sardt machten auf dem knapp zweistündigen Rundgang deutlich, welche Aspekte, Argumente und Sichtweisen dabei hineinspielen.


Qualität statt Wachstum

Wohin entwickelt sich die Gemeinde? Diese Frage ist für die Revision des Quartierplans Ortskern zentral. In den 1970er-Jahren galt die Devise: «Arlesheim muss wachsen!» Inzwischen ist daraus geworden: «Wie soll sich Arlesheim entwickeln?» Ging man damals noch davon aus, dass Arlesheim heute auf etwa 19 000 Einwohner anwachsen würde, sind es 2017 doch nur etwas über 9300. Dementsprechend muss sich zum Beispiel die Bauweise der Gebäude nicht mehr an den damaligen Prognosen orientieren.
Wesentlich wichtiger, so wurde aus den leidenschaftlichen Ausführungen Bossardts deutlich, ist die Lebendigkeit eines Ortskerns («Da geht die Post ab!»). Diese ergibt sich aus seiner Identität, Nutzung und Aufgabe, für die es wiederum topografische, kulturhistorische und geschichtliche Gründe gibt. Klar ist, dass Arlesheim mit der Burg Reichenstein, der Ermitage (dem bedeutendsten Landschaftspark der Schweiz), dem Dom und anderen Baudenkmälern sowie der Struktur kleinerer Geschäfte eine einzigartige Identität besitzt und überzeugt – sowohl Einheimische, Zuzüger und nicht zuletzt zahlreiche «Hochzeitstouristen».


Einladung zur Beteiligung


Im Jahr 2016 verbuchte Arlesheim rund 1200 Trauungen – dieser Wert ist 2017 inzwischen schon erreicht mit gravierenden Folgen für den Marktplatz, der regelmässig überfüllt ist, nicht selten auch mit einer imposanten Stretch-Limousine. Apropos Autos: Etwa 15 000 Automobile sind innerhalb von 24 Stunden im Arlesheimer Ortskern unterwegs, so eine Untersuchung der Gemeinde. Obwohl das im Vergleich mit anderen Gemeinden wie Reinach ein eher niedriger Wert ist, muss der Verkehr gelenkt und untergebracht werden. Entsprechende Fragen stellten sich auf dem Parkplatz an der Ecke Hauptstrasse/Andlauerweg: Sollen dort mehr Parkplätze gebaut werden? In die Höhe oder in die Tiefe? Wie ist das mit den Kosten, der Atmosphäre und der Sicherheit?

Verschiedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer äusserten sich und René Häner erklärte (wie auch an den anderen Hotspots des Rundgangs: Arkaden Kantonalbank, Parkplatz gegenüber von Burri+Burri und hinter der Jenzerschen Fleischwerkstatt), es gehe bei dieser Auftaktveranstaltung um Denkanstösse und um eine Einladung zur Beteiligung. Weiter Möglichkeiten, sich einzubringen, gibt es an der «Usestuehle» am 8. und 9. September oder an einer der beiden Ortskernkonferenzen vom 18. November 2017 sowie im Frühling 2018.

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