Neubauprojekt am Arlesheimer Dorfeingang bereitet Bauchweh

Ein geplanter Neubau an der Hauptstrasse 32 beschädige das Ortsbild, so der Tenor besorgter Einwohner. Auch der Gemeinderat tut sich schwer damit – und beantragte beim Kanton einen Baustopp.

Im Volksmund «Spitzerhaus» genannt: Wo heute ein Architekturbüro seinen Platz hat, verkaufte die Familie Spitzer bis in die 90er-Jahre Schulranzen und andere Lederwaren. Foto: Thomas Kramer
Im Volksmund «Spitzerhaus» genannt: Wo heute ein Architekturbüro seinen Platz hat, verkaufte die Familie Spitzer bis in die 90er-Jahre Schulranzen und andere Lederwaren. Foto: Thomas Kramer

Ortsbilderhaltung vor Ortskernverdichtung: Unter diesem Leitspruch wird in diesen Tagen eine Petition mit über 250 Unterschriften der Gemeinde Arlesheim übergeben. Hinter der Petition steht die IG Dorf Arlese, eine lose Gruppierung um Sylvia und Markus Tschanz-Siegfried, die sich aus Idealismus um den Erhalt des Arlesheimer Dorfkerns einsetzen und sich insbesondere um die freien Sichtachsen aus dem Dorfkern hinaus auf die Landschaft um Burg Reichen-stein und zum Dombezirk hin einsetzt. Dieses Anliegen sieht die IG Dorf Arlese gefährdet – wenn etwa an der Hauptstrasse 32 tatsächlich das im Volksmund genannte «Spitzerhaus» abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.

Überdimensioniert und zerstörerisch

An der Hauptstrasse 32, schräg gegenüber der Basellandschaftlichen Kantonalbank, beabsichtigen die Eigentümer, die Arlesheimer L1 Architekten, ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Architekt Gabriele Libera hatte das «Spitzerhaus» gekauft, um es für das eigene Geschäft auszubauen. Am 28. April 2016 wurde das entsprechende Baugesuch im «Wochenblatt» publiziert. Gegen dieses Gesuch gingen diverse Einsprachen ein – darunter auch eine des Ehepaars Tschanz-Siegfried. In deren Augen ist der Neubau schlicht überdimensioniert und wirke aufgrund des steilen Daches sogar viergeschossig. Dazu würde das Haus näher an die Hauptstrasse rücken. «Die jetzt sehr schön geschlossene Häuserfassade wäre zerstört, der dörfliche Charakter in Gefahr, weil es gerade das erste Haus der Häuserzeile betrifft», begründet Markus Tschanz. Nach diversen Projektänderungen wurde der Neubau im März 2018 vom kantonalen Bauinspektorat bewilligt. Das Ehepaar Tschanz-Siegried legte aber auch gegen diesen Entscheid Beschwerde ein – bei der kantonalen Baurekurskommission.

Denn für Markus Tschanz ist der Neubau für Arlesheim nach wie vor unzumutbar. Kommt hinzu, dass mit einer rechtsgültigen Baubewilligung die laufende Ortskernkonferenz zur reinen Farce verkommen würde. Im kürzlich erneuerten Zonenplan Siedlung wurde der Ortskern extra ausgeklammert, um ihn im Austausch mit der Bevölkerung separat zu revidieren. Der Tenor der bisherigen Diskussion ist klar: Die bauliche Entwicklung im historischen Ortskern soll sich an den bestehenden Volumen orientieren. Ein Grundsatz, den das Projekt an der Hauptstrasse 32 aus Sicht der Kritiker gerade nicht befolgt.

Delikate Situation

Für den Gemeinderat ist die Lage «schwierig», wie Präsident Markus Eigenmann auf Anfrage des «Wochenblatts» sagt. Das besagte Projekt sei schon sehr weit fortgeschritten. Gegen das Bauvorhaben von Libera Architekten war zonenrechtlich nichts zu beanstanden – es gelten im Ortskern nach wie vor die alten Planungsrichtlinien von 1987. Auch sei zum Zeitpunkt der Baueingabe von einer Ortskernkonferenz noch keine Rede gewesen.

Markus Eigenmann stellt aber auch klar: «Für viele Leute wäre es aber stossend, wenn nun ein solches Volumen entsteht, das von der Bevölkerung und von den an der Ortskernentwicklung beteiligten Fachleuten klar abgelehnt wird.» Für das Libera-Projekt hat der Gemeinderat aufgrund der Erkenntnisse aus der Ortskernkonferenz beim kantonalen Bauinspektorat einen Baustopp beantragt. «Der Kanton soll entscheiden, was höher zu gewichten sei: Das öffentliche Interesse – wie es auch die IG Dorf Arlese vertritt – oder das private Interesse des Bauherrn.» Bis dieser Entscheid gefällt ist, soll das parallel laufende Baurekursverfahren sistiert werden. Beide Entscheide sind bis heute noch hängig.

Architekt pocht auf Entschädigung

Wie auch immer diese Geschichte ausgeht: Für den Architekten selber ist die ganze Situation «ein Ärgernis», das ihn nach eigenen Angaben viel Geld kostet. «Ich frage mich schon, auf welcher Basis ein Baustopp erfolgen soll», kritisiert Gabriele Libera die Gemeinde. Denkmalpflege und Ortsplankommission hätten dem Projekt ja zugestimmt. Kann er die «gesetzeskonformen» Pläne nicht umsetzen, werde er Entschädigung einfordern.

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