Mit Würde bis zum letzten Atemzug leben
Vor 30 Jahren gründete Vreni Grether das Hospiz im Park. Die Institution hat sich zur Palliativklinik und zur unersetzlichen Grösse im Gesundheitswesen entwickelt.

Aus einer persönlichen, traurigen Erfahrung fasste Vreni Grether den Entschluss, dem Sterben mehr Würde zu verleihen. Sie folgte dem Gedanken, dass es in der Medizin nicht nur darum gehen sollte, das Leben um Tage zu verlängern, sondern den Tagen mehr Leben zu geben. Mit diesen Worten würdigte Jan Gärtner, Chefarzt Palliativmedizin des Bethesda-Spitals, im Rahmen eines Festakts Vreni Grethers Lebenswerk am vergangenen Freitag im Lärchenhaus der Palliativklinik im Park in Arlesheim.
Mit der Eintragung der Stiftung im Mai 1995 wurde der Grundstein für eine Institution gelegt, die die Palliative Care in der Schweiz nachhaltig prägen sollte. «In einer Zeit, in der die spezialisierte Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen noch wenig etabliert war, entstand durch die Vision von Vreni Grether in Arlesheim eine Leuchtturm-Institution mit klarem Anspruch: Lebensqualität bis zuletzt in einem familiären Umfeld zu ermöglichen.» So schreibt es Stiftungsratspräsident Walter Brunner in der Jubiläumsschrift. Im Juni 1996 nahm das damalige Hospiz im Park seinen Betrieb auf und gehörte zu den ersten Einrichtungen dieser Art in der Schweiz. Das Hospiz im Park habe früh Massstäbe gesetzt für «eine ganzheitliche Betreuung, die medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Aspekte miteinander verband», so Brunner.
Ruhe, Stille und Natur
Seit 2023 heisst das Hospiz im Park Palliativklinik im Park. Mit dem Namenswechsel wurde der gewachsenen medizinischen Spezialisierung der Palliative Care und dem erweiterten Leistungsauftrag Rechnung getragen. Zwar sterbe noch immer eine überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten in der Klinik, selbstverständlich sei dies aber nicht mehr, erklärte Chefärztin Marta Mazzoli. Im Jahr 2020 verstarben noch 90 Prozent der Patientinnen und Patienten in der Klinik. Im vergangenen Jahr waren es noch 63 Prozent. Anhand eines realen Beispiels einer Seniorin mit dem festen Willen zu sterben, und einem Ehemann, der sie nicht mehr zu Hause pflegen konnte, beschrieb Mazzoli beim Festakt das interdisziplinäre Wirken der Palliativklinik.
Zuerst sei es darum gegangen, die Beschwerden der Patientin zu lindern. Der Ehemann wurde in Gesprächen eng in die Behandlung miteinbezogen. Als die Beschwerden abnahmen, wurden gemeinsam mit der Patientin und dem Ehemann neue Ziele definiert. Für die Seniorin konnte eine Anschlusslösung in einem Pflegeheim gefunden werden. Es gäbe auch Personen, die mehrfach in die Palliativklinik kommen, erklärte Chefärztin Mazzoli. Die Ruhe, Stille und die Umgebung mit der wunderbaren Natur werden bei Patientinnen und Patienten und Angehörigen geschätzt. «Hier können die Patienten auch nur mal sein und sich auf sich konzentrieren», betonte Mazzoli.
«Pionierhafte Vision»
Viel Lob überbrachte Jan Gärtner. «Hier wurde in den letzten dreissig Jahren Wegweisendes und Grosses erreicht», sagte der Chefarzt der Palliativmedizin des Bethesda-Spitals mit Blick zu Gründerin und Stifterin Vreni Grether. «Hier wurde akademische Vorarbeit geleistet.» Vor dreissig Jahren seien Tod und Sterben noch ein Tabu gewesen, erinnerte Gärtner. «Für manche ist das noch immer so.»
Grether blickte mit einer Bildergalerie auf die Geschichte der Klinik zurück. Darauf war auf einem Foto von 1996 zu erkennen, dass sie die öffentliche Aufmerksamkeit schon früh lieber anderen überlassen hatte. Dazu passte, dass beim Festakt andere die grossen Worte fanden. «Vreni hatte geprägt von Humanität eine grosse pionierhafte Vision», würdigte Stiftungsratspräsident Brunner. Grether habe mit ihrer philanthropischen Haltung einen Raum geschaffen, in dem mit Würde bis zum letzten Atemzug gelebt werden kann. Mit dem Hospiz beziehungsweise der Palliativklinik habe Grether «ein Dach der Geborgenheit» erschaffen. «Wir verwalten kein Leid, wir versuchen es in eine bestmögliche Lebensqualität zu transformieren – bis zuletzt», beschrieb Brunner treffend.
Grether musste für ihre Vision immer wieder kämpfen, erinnerte Regierungsrat Thomi Jourdan (EVP). Sein Besuch unterstrich die Bedeutung der Palliativklinik im Park in der Gesundheitsversorgung im Baselbiet. «Die Geschichte dieses Ortes, der Ort selber und das Lebenswerk von Vreni Grether bewegen mich wirklich», sagte Jourdan und ergänzte: «Das hier ist etwas vom Beeindruckendsten, das ich als Regierungsrat besuchen durfte.» Die Klinik stehe für etwas vom Wesentlichsten, was die Gesellschaft ausmacht.
Gesundheitsdirektor Jourdan wurde in seiner Ansprache emotional. «Das, was hier stattfindet, ist einzigartig. Ihre Vision ist aus tiefster menschlicher Überzeugung gewachsen.» Jourdan lobte das ganze Team des Hospiz’ und der Palliativklinik im Park. «Das Angebot ist ein wesentlicher Teil von einer menschlich orientierten Gesundheitsversorgung», schloss Jourdan seine bewegende Rede ab.


