Mit Stift und Papier statt Tablet und Smartphone

Am letzten Freitag eröffnete die Ausstellung «Abstraktes & Konkretes» mit Bildern, Zeichnungen und Skulpturen von Kurt Aeberli in der Trotte. Auch Truk war dabei.

Auch mit fast 80 Jahren: Kurt Aeberli arbeitet drei bis vier Tage pro Woche im Atelier.  Foto: Axel Mannigel
Auch mit fast 80 Jahren: Kurt Aeberli arbeitet drei bis vier Tage pro Woche im Atelier. Foto: Axel Mannigel

Gemeinsam mit seinem Caterer und Freund André Willi steht Kurt Aeberli auf dem Platz vor der Trotte und begrüsst die ersten Gäste der Vernissage. Er freut sich über jeden Einzelnen: «Es ist immer wichtig, dass eine Ausstellung gut besucht wird, sonst ist es ja nur Selbstbefriedigung.» Aeberli, Jahrgang 1939, locker und leger in Turnschuhen, stonewashed Jeans und einem einfachen Pulli. Für jeden und jede hat er ein freundliches Wort, die meisten Ankömmlinge sind mit ihm per Du, es gibt teils ein grosses Hallo. Drinnen in der Trotte warten rund 40 Kunstwerke Aeberlis auf die Besucher, dazu eine Ansprache und ein Buffet. Der Raum füllt sich langsam, aber kontinuierlich. Auch unter den Gästen entstehen Gespräche, bis der für Kultur zuständige Gemeinderat Lukas Stückelberger um Aufmerksamkeit bittet. Jemand schlägt an ein Glas, Ruhe kehrt ein.


Konstrukteur, Zeichner und Maler

Kurt Aeberli wurde in Basel in bescheidenen Verhältnissen geboren und wuchs mit zwei Geschwistern und den Eltern in einer Zweizimmerwohnung am Dreispitz auf. Erst wollte er Flieger werden, musste aber am Boden bleiben. Er lernte Polymechaniker, bildete sich zum Konstrukteur und Maschinenzeichner weiter und arbeitete lebenslang bei den Industriellen Werken Basel (IWB) als Projektleiter. Das ist Aeberlis lebenspraktische Seite, die künstlerische ergab sich aus Langeweile. Heute, so Stückelberger, gibt man Kindern ein Tablet oder Smartphone, um sie zu beschäftigen, damals bekam Aeberli einen Stift und Papier. Schon jung begann er zu zeichnen, etwa die Gesichter aus der Zeitung auf deren Rand. Seine Begabung, seine Fähigkeiten und sein Interesse vertiefte er später in der Schule und noch später an der Kunstgewerbeschule, vom ersten Sackgeld kaufte er sich Eintritte fürs Kunstmuseum.


Pingeliger Typ

Kurt Aeberli, der seit 43 Jahren in Arlesheim wohnt, sein Atelier aber in Basel hat, ist heute einerseits für seine abstrakte Kunst bekannt, andererseits unter dem Pseudonym Truk für seine Karikaturen, mit denen er in den 60er- und 70 er-Jahren in den Zeitungen auftrat und in der ganzen Schweiz bekannt wurde. Sowohl seine Karikaturen, die er als Auftragsarbeiten streng von seiner Kunst abgrenzt, als auch seine Bilder kommen ohne Worte aus. «Ich setze mich viel mit Kunst auseinander», erzählt Aeberli über den Beginn eines Werks, «und dann denke ich, das könnte ich mal probieren.» Aber nicht als Kopie, sondern als eigene Schöpfung. Der Weg geht über Entwürfe, die er aussondert und liegenlässt, bis er eine Möglichkeit sieht: «Ich bin ein pingeliger Typ, bei mir muss alles stimmen.» Die Ausstellung dauert bis 26. Mai 2019, Donnerstag bis Sonntag, 15 bis 19 Uhr, Eintritt frei.

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