Mit bunter Kreide gegen das Gasterminal

Mit wehenden Fahnen und prägnanten Parolen bewaffnet demonstrier­ten am Samstag rund 100 Aktivistinnen und ­Aktivisten des Klimastreiks in ­Arlesheim vor den Toren des Gasverbunds Mittelland.

Protestieren: Die Demonstrierenden vor dem Hauptsitz des Gasverbunds Mittelland. Fotos: Florin Bürgler

Protestieren: Die Demonstrierenden vor dem Hauptsitz des Gasverbunds Mittelland. Fotos: Florin Bürgler

«Ziviler Ungehorsam ist nicht auszuschliessen»: Hannah Peters, Mediensprecherin Klimastreik Basel.

«Ziviler Ungehorsam ist nicht auszuschliessen»: Hannah Peters, Mediensprecherin Klimastreik Basel.

Um 13.46 Uhr rollt die S3, von Basel kommend, am Bahnhof Dornach-Arlesheim ein. Darin befinden sich etwa 60 Aktivistinnen und Aktivisten des Klimastreik-Bewegung, die sich mit Transparenten, Fahnen und Megafon gemeinsam auf den Weg machen. Ihr Ziel: der Sitz des Gasverbunds Mittelland (GVM) am Untertalweg im Arlesheimer Industriegebiet. Nach dem 15-minütigen Marsch, der vom Ordnungsdienst begleitet wird, trifft der Demonstrationszug gegen 14 Uhr beim GVM ein, wo er von weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits erwartet wird – diese sind als gemeinsame Velo­fraktion vom Basler De-Wette-Park angereist.  


«Es ist unhaltbar, weiterhin fossile Infrastruktur auszubauen»

Doch wieso versammelt sich die Klimastreik-Bewegung ausgerechnet im Arlesheimer Industriegebiet? Der Grund für die Kundgebung ist der geplante Bau eines Flüssiggas-Terminals sowie eines Gasspeichers in Muttenz am Rheinhafen – dafür zuständig ist der GVM mit Sitz in Arlesheim. Darüber, wie konkret die Planung dafür schon ist, gibt es widersprüchliche Meldungen. In einem Bericht der «Sonntagszeitung» vom 25. Dezember 2022 erzählte der CEO des GVM, Rolf ­Samer, bereits ziemlich konkret über den Bau eines Flüssiggas-Terminals in Muttenz. Nachdem das Thema von vielen Medien aufgegriffen worden war, ruderte man in einer Pressemitteilung am 24. Februar zurück und erklärte, dass man sich lediglich in der Prüfphase befinde. So weit, so unklar. Doch unabhängig vom aktuellen Planungsstand: Die Klimastreik-Bewegung möchte den Bau eben dieses Flüssiggas-Terminals verhindern. «Wir protestieren dagegen, weil es unhaltbar ist, in der bestehenden Klimakrise weiterhin fossile Infrastruktur auszubauen», meint Hannah Peters, die Mediensprecherin vom Klimastreik Basel.


Offener Brief an den Gasverbund Mittelland

Dazu verfassten sie einen offenen Brief, den sie durch das verschlossene Tor gleich persönlich an ein Mitglied der ­Geschäftsleitung des GVM übergeben konnten. Peters meint: «Unser Brief enthält die Aufforderungen, das Terminal nicht zu bauen. Zusätzlich haben wir eine Petition gestartet und sammeln Unterschriften.» Man gebe dem GVM nun eine Frist von acht Wochen für eine Antwort. Je nach Resultat seien auch weitere Aktionen geplant: «Wir werden weiterprotestieren und uns dagegenstellen.» Auf die Nachfrage, was das konkret bedeuten würde, meint Peters: «Das kann alles sein, was mit unserem Ak­tionskodex vereinbar ist. Es muss also immer gewaltfrei sein. Auch ziviler Ungehorsam ist nicht auszuschliessen.»

Davon scheint man an der friedlichen Demo in Arlesheim aber weit entfernt. Nach einführenden Reden und dem gemeinsamen Skandieren von Parolen wie «System Change not Climate Change» folgt der gross angekündigte interaktive Teil der Demo: «Wir teilen dem Gasverbund unsere Meinung gleich selbst mit und schreiben sie alle mit Kreide hier auf den Boden», erklärt ein Redner durchs Mikrofon. Gesagt, getan. Wenige Minuten später sind unzählige bunte Kritzeleien zu lesen, die in ihrer Komplexität von «Fertig luschtig» bis «Klimakampf ist Klassenkampf» reichen.

Mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Demo zwar gut besucht – kein Vergleich jedoch zu den Tausenden Menschen auf Basels Strassen im Jahr 2019. Darauf angesprochen, meint Peters: «Viele Leute sind auch frustriert und glauben nicht mehr daran, etwas ändern zu können. Auch ich habe Momente, in denen ich zweifle, doch wenn man dann hier vor Ort ist, gibt einem das wieder viel Energie.»

Energie ist in vielerlei Hinsicht ein gutes Stichwort, denn der Tag ist für die Aktivistinnen und Aktivisten noch längst nicht vorbei. Für sie geht es anschliessend weiter nach Muttenz, wo sie der Bevölkerung ihren Standpunkt durch Haustürgespräche näherbringen wollen. Pünktlich zum Demo-Ende setzt dann auch der Regen ein, der die Kreide bereits ein wenig verschwimmen lässt. Ein schlechtes Omen für ihr Anliegen? Die Zeit wird es zeigen.

 

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