Ein uraltes Handwerk neu entdecken

Alexander Leder veranstaltet in Arlesheim Kurse im Handweben. Der ehemalige Schauspieler stellt zudem im eigenen Atelier Textilien her.

In der Schappe: Auf dem bekannten Arlesheimer Areal bietet Alexander Leder Webkurse an.

In der Schappe: Auf dem bekannten Arlesheimer Areal bietet Alexander Leder Webkurse an.

Am Webstuhl: Der ehemalige Schauspieler Alexander Leder hat mit dem Weben eine neue Passion entdeckt. Fotos: zvg

Am Webstuhl: Der ehemalige Schauspieler Alexander Leder hat mit dem Weben eine neue Passion entdeckt. Fotos: zvg

«Schals und Decken gibt es in jedem guten Kaufhaus, doch wer einmal etwas Handgewobenes in den Händen gehalten hat, spürt den Unterschied», sagt der Dornacher Alexander Leder, der zusammen mit seinem Ehemann auf der geschichtsträchtigen Arlesheimer Schappe im zentral gelegenen Haus mit der Nummer 16 Abendkurse, Wochenendworkshops und Einzelbegleitung im Handweben anbietet. «Während Wochenendkursen können Interessierte an bereits eingerichteten Webstühlen einen Schal nach eigenem Geschmack weben. Dabei steht unterschiedliches Material in verschiedenen Farben zur Verfügung», erzählt Leder. Wer sich gerne vertieft und über längere Zeit mit der Weberei auseinandersetzen möchte, dem seien die Abendkurse empfohlen, die jeweils viermal monatlich immer dienstags oder donnerstags stattfinden. «An Webstühlen können eigene Projekte verwirklicht werden. Von der Planung über das Einrichten des Webstuhls bis hin zum Weben werden alle Schritte unter fachkundiger Anleitung selbst durchgeführt», heisst es auf Leders Website.

Vom Theater zum Weben

Die Weberei gehört nach der Holz- und Steinbearbeitung zu den ältesten Handwerken der Menschheit überhaupt. Der älteste Nachweis für die Weberei soll 32000 Jahre alt sein und die alten Ägypter bedienten sich der Technik bereits fleissig. Noch heute lassen sich im Fachhandel Webstühle kaufen – die Preisspanne liegt hier von 200 für ganz einfache Modelle bis über 5000 Franken für professionelle Ansprüche. «Neben der uralten Geschichte der Weberei fasziniert es mich, aus dem Chaos der vielen Fäden eine geordnete Fläche herzustellen. Das ist ein Prozess, den man während der Arbeit beobachten kann», sagt der 45‑Jährige. Einst war Leder Schauspieler, bewegte sich «auf den Brettern, die die Welt bedeuten», wie auf seiner Internetseite steht. Eine Lebenskrise brachte ihn vor elf Jahren dazu, einen neuen Weg einzuschlagen. Es reizte ihn, etwas zu tun, das er schon immer gern getan hätte, nämlich: mit den Händen zu arbeiten. «Damals wohnte ich noch in Lörrach. Und wie es der Zufall wollte, ging ich am Fenster einer Webmeisterin, die dort auch Abendkurse anbot, vorbei.» Er besuchte Kurse und realisierte, dass er sich die Handweberei als Beruf aneignen wollte. Im «Haus der Handweberei» in Sindelfingen liess er sich zum Handweber ausbilden. «Es handelt sich dabei um eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung. Diese schliesst mit dem Gesellenbrief ab, welcher vergleichbar mit dem Schweizer EFZ-Diplom ist», so Leder.

«Mir ist es wichtig, dass das, was ich webe, auch benutzt wird»

Neben Kursen in der Schappe gibt Leder als Lehrperson am Sonnenhof, der anthroposophischen Institution für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, vereinzelt Webunterricht. «Mein Augenmerk liegt dabei vor allem auf der therapeutischen Wirkung des Webens. So entstehen Gebrauchstextilien, die später in der Schule Verwendung finden.»

Und in seinem Atelier im Dachstock des Hauses in Dornach nahe beim Goetheanum, welches er mit seinem Mann bewohnt, stehen zwei grosse und ein kleiner Webstuhl. Dort führt Leder ein eigenes Atelier, in welchem er Textilien zum Tragen und für den Heimgebrauch herstellt, seien dies Schals oder Geschirrtücher. «Mir ist es wichtig, dass das, was ich webe, auch benutzt wird», erzählt er. Leder ist zudem als Störweber unterwegs. Als solcher besucht er Weberinnen und Weber in ihren Ateliers, um sie fachlich zu unterstützen. Damit nicht genug: Leder wohnt als Prüfungsexperte den eidgenössischen Abschlussarbeiten der Gewebegestalterinnen und Gewebegestalter bei und ist zudem seit kurzem Co-Präsident des Dachverbands der Webenden in der Schweiz (IGW/UTA).

alexander-leder.ch

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