Mit Brel ins neue Jahr

Theater auf dem Lande (TadL) hatte zum Abschluss der Saison am letzten Freitag den Schauspieler und Chansonier Jaap Achterberg mit drei Musikern in die Trotte eingeladen.

Jaap Achterberg: Interpretiert die Chansons von Jacques Brel mit Charme und Witz.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Jaap Achterberg: Interpretiert die Chansons von Jacques Brel mit Charme und Witz. Foto: Thomas Brunnschweiler

Der 1929 in Belgien geborene Jacques Brel war eine komplexe Persönlichkeit. Ständig kämpfte er gegen seine Minderwertigkeitsgefühle, seine Angst und mit seiner Ambivalenz gegenüber Frauen, denen er misstraute. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere zog sich Brel zurück, wurde Pilot und Hochseesegler, um sich für einige Zeit in der Südsee anzusiedeln. Mit nicht einmal 50 Jahren starb er in Frankreich an Lungenkrebs.

Brel zu singen ist eine Gratwanderung; leicht kann es ins Populärnostalgische oder ins Allzu-Imitierende abgleiten. Schauspieler und Chansonier Jaap Achterberg entgeht dieser Absturzgefahr, weil er die Chansons Brels mit Charme, Witz und dem eigenen Timbre des leicht rauen Baritons in die Jetztzeit transportiert. Er interpretiert Brel auf seine Weise: authentisch eigenwillig und mit guter Ausdrucksweise.


Erstklassige Musiker

Das erste Stück, «La Valse à millle temps», erklang instrumental. Der famose Marco Schädler am Klavier und der stoische Daniel Sailer am Kontrabass gaben den Puls vor. Das musikalische Multitalent Franco Mettler (Klarinette, Saxofon, Akkordeon) umspielte die immer schneller werdende Melodie. Achterberg gab zu, dass er dieses Lied nicht zu singen vermöge, weil er mit dem sagenhaften Schnellsprecher Brel nicht mithalten könne. Das erste Lied war die holländische Fassung von «Le plat pays» — «Mijn vlakke land».

Achterberg verstand es auf humorvolle Art, seine Kenntnisse über das Leben Brels zwischen den einzelnen Chansons einzuflechten. Mit «Sur la place» sang er eines der frühen Lieder, das traurig endet, wie überhaupt Brels Lieder stets eine ganz eigene Melancholie in sich tragen. 1960 lernte Brel ein junges Mädchen kennen: Marie-Louise, die er Marieke nannte. Sie verewigte er im gleichnamigen Chanson. «La Chanson des vieux amants» handelt von einem alten Ehepaar, das sich trotz Ehegewittern und früheren Trennungswünschen immer noch liebt; ein ungewohnt versöhnliches Lied. In «Il neige sur Liège» wird die Schönheit in der Tristesse eines Kohleabbaugebiets besungen. «Madeleine» ist dagegen ein Chanson im flotten Charleston-Rhythmus.

Im Chanson «Ces gens-là», einer wahren Kleinbürgerbeschimpfung, konnte Achterberg seine mimischen und lautmalerischen Fähigkeiten voll ausspielen. «Jojo» ist ein berührender Abgesang auf Brels Busenfreund Jean «Jojo» Pasquier. Das berühmte «Ne me quitte pas» sang Achterbusch in der niederländischen Übersetzung «Laat me niet alleen». Daniel Sailer begann das pessimistische im Polkarhythmus geschriebene «ça va» («Le Diable») mit einem wilden Bass-Riff. Als Zugabe gaben die vier Musiker «Le Port d’Amsterdam» zum Besten, jenes Kultchanson im schnellen Walzertakt. Ein wahrhaft bezaubernder Abend.

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