Misstöne rund ums Bundes- asylzentrum in der ALST

Nach Lärmbelästigungen, Littering, Wildpinkeln und vermeintlichem Drogenkonsum und -handel ergreifen die Gemeinde Arlesheim und das Staatssekretariat für Migration Massnahmen.

Beschwerden der Anwohner: Die Situation habe sich seit der ersten Inbetriebnahme 2015 deutlich verschlechtert, heisst es. 
         
         
            Foto: Kenneth Nars
Beschwerden der Anwohner: Die Situation habe sich seit der ersten Inbetriebnahme 2015 deutlich verschlechtert, heisst es. Foto: Kenneth Nars

Während der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016 bot die Gemeinde Arlesheim mit der unterirdischen Anlage für Luftschutztruppen (ALST) beim Feuerwehrmagazin an der General-Guisan-Strasse dem Bund Hand, um frisch in der Schweiz angekommene Flüchtlinge unterzubringen. Die positiven Erfahrungen animierten die Gemeinde vor einem Jahr, die ALST aufgrund der hohen Asylzahlen dem Staatssekretariat für Migration (SEM) erneut zur Verfügung zu stellen. Doch dieses Mal lief es nicht problemlos. Von Beginn an gab es Beschwerden aus der Nachbarschaft. «In den vergangenen Sommermonaten haben sich diese gehäuft. Wir haben in diesem Sommer Zustände angetroffen, die wir uns so nicht vorgestellt haben», erklärte Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP) an einer kurzfristig einberufenen Informationsver­anstaltung am Mittwoch vergangener Woche.

Die Lärmbelästigungen hätten markant zugenommen – oft während 24 Stunden. Littering und Wildpinkeln seien ein Problem, und es finde vermeintlich Drogenkonsum und -handel statt, listete der fürs Asylwesen zuständige Gemeinderat Jürg Seiberth (SP) auf. Es sei eine Art Hotspot entstanden, an dem sich auch Personen treffen würden, die nicht in der ALST untergebracht seien. Im Quartier habe dies zu einem Unsicherheitsgefühl, ja sogar zu Angst geführt. Ver­einzelt werde sogar draussen in Autos geschlafen.

Gestörte Nachtruhe

Die Gemeinde und das SEM luden die Quartierbevölkerung mit Flyern und den Rest von Arlesheim auf elektronischem Weg zur Informationsveranstaltung ein. Mit knapp 30 Personen war die Veranstaltung in der Aula der Gerenmattschulen aufgrund der Kurzfristigkeit verständlicherweise eher dürftig besucht. Für die betroffenen Anwohnenden der ALST war der Abend aber wichtig. Mehrere Votantinnen und Votanten machten ihrem Ärger Luft und beschrieben die ihrer Meinung nach unhaltbaren Zustände vor Ort. Es sei eine Gruppe von rund 20 Personen, die permanent für Ärger sorge, berichtete ein Anwohner. Von den restlichen 60 Personen höre man nie etwas. «Wir können nicht mehr bei offenem Fenster schlafen und am Sonntag nicht mehr auf den Balkon gehen, weil es draussen zu laut ist.» Insgesamt sind rund hundert Personen in der ALST untergebracht.

Vor allem die Verantwortlichen des SEM mussten sich einiges anhören. Ein Anwohner schimpfte: «Es sind immer die Gleichen: Sie klauen Velos. Sie rauchen und saufen. Denen ist alles egal. Wofür haben wir denn Securitas? Irgendwann explodiert mal irgendetwas, dann muss keiner sagen, er habe nichts gewusst.»

Nicht nur direkt bei der ALST gibt es Probleme, sondern auch beim Café Ma­laika, das ein privater Verein zur Begleitung der Flüchtlinge ins Leben gerufen hat. Das Café soll den Flüchtlingen eine Möglichkeit zum Austausch bieten. Die Gemeinde unterstützt das Projekt seit Januar finanziell. Als eine der Mass­nahmen wurde die Parzelle des Cafés an der General-Guisan-Strasse 5 nun ans SEM vermietet. Das Café ist aktuell geschlossen. Man wolle es wieder öffnen, aber die Betreuung intensivieren und so den Treffpunkt wirkungsvoller machen, betonte Beatrice Schiffer Bah, Leiterin der Asylregion Nordwestschweiz. Zu-dem lancierte das SEM mit Flüchtlingen eine Anti-Littering-Kampagne und wolle grundsätzlich vor Ort präsenter sein. Der engagierte Sicherheitsdienst patrouilliere im Quartier grossflächiger und länger. Zusätzlich wurde eine Hotline eingerichtet, die bei Anliegen 24 Stunden Erreichbarkeit garantiert. Die Gemeinde Arlesheim hat ihrerseits einen runden Tisch mit Verantwortlichen des SEM, der Gemeinde, den Anwohnenden und der freiwilligen Begleitgruppe des Cafés Malaika einberufen. Der runde Tisch soll einmal im Monat stattfinden.

Gemeinderat Jürg Seibert appellierte in der vereinzelt emotionalen Debatte an die Geduld der Anwohnenden. Es brauche Zeit, bis die Massnahmen Wirkung zeigten. Wie viel Geduld im Quartier noch vorhanden ist, scheint aber ungewiss.

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