Mehr als ein «grünes Mäntelchen»

Nur eine nachhaltige Wirtschaft sei überlebensfähig, sagen Experten. Ein Arlesheimer Unternehmen spielt dabei eine Vorreiterrolle.

«Wir haben einen gewissen Vorsprung»: Stefan Siemer, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei Weleda. Foto: zVg
«Wir haben einen gewissen Vorsprung»: Stefan Siemer, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei Weleda. Foto: zVg

Um das Thema Nachhaltigkeit ist in der Wirtschaftswelt ein regelrechter Boom entstanden. Ausgehend von politischem und gesellschaftlichem Druck hängen sich grosse Konzerne gerne mittels aufwendiger Werbekampagnen ein grünes Mäntelchen um, ja sehen sich sogar in der Vorreiterrolle für nachhaltiges Wirtschaften, das Natur und Mensch Sorge trägt. Berichte über menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen insbesondere im globalen Süden, weitere Abholzung des Regenwaldes oder die Verdrängung von Kleinbauern durch Monokulturen lassen berechtigte Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Versprechen bestehen.

Etwas anders sieht es beim Arlesheimer Unternehmen Weleda aus: «Wir kennen Nachhaltigkeit bereits seit mehr als 100 Jahren, seit unserer Firmengründung», sagt Stefan Siemer, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement. Neu ist, dass Nachhaltigkeit in den Unternehmensstatuten festgeschrieben ist: Im Herbst hatte Weleda die B-Corp-Zertifizierung erhalten. Diese bescheinigt, nicht in erster ­Linie für die Gewinnmaximierung zu wirtschaften, sondern im Sinne von Umweltschutz, Biodiversität, Klimaschutz und Menschenrechte zu handeln. Doch dies war erst der Anfang: Im Verbund mit BKB, BLKB, IWB und dem Universitätsspital Basel hat Weleda gerade das Nachhaltigkeitsprogramm «Swiss Triple Impact» lanciert. Wie schon bei der Zertifizierung steht dahinter B Lab Schweiz, eine in den USA gegründete und weltweit tätige NGO, die nichts weniger will, als das «Geschäft als Kraft für das Gute zu nutzen», wie auf der Website zu lesen ist. Die teilnehmenden Unternehmen erhalten Unterstützung durch Coachings oder Workshops.

Die Basis bilden die 17 im Jahr 2012 von der UNO definierten Ziele für nachhaltige Entwicklung – auf Deutsch Agenda 2030 genannt. Angesichts der dramatischen Veränderungen wie der Anstieg des Meeresspiegels, Dürreperioden oder der massive Rückgang an Biodiversität sei ein wirtschaftlicher Systemwandel dringendst angezeigt. «Entweder wir wirtschaften nachhaltig oder bald nicht mehr», sagt Josephine Herzig, Co-Director Engagement Programms bei B Lab Schweiz. «Wir stehen in den nächsten Jahren vor enormen Herausforderungen, sei es die Dekarbonisierung oder die Chancengleichheit. Die Wirtschaft hat das Potenzial, Teil der Lösung zu sein.» Das Programm helfe Schweizer Unternehmen, konkrete eigene Massnahmen für die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele in ihrem Geschäftsmodell zu verankern.

«Entfalten von Gesundheit und Schönheit von Mensch und Natur», lautet der Grundsatz von Weleda. «Wir haben aufgrund unserer Firmenphilosophie einen gewissen Vorsprung», sagt Stefan Siemer. Der Schutz der «Mutter Erde» sei schon immer vor Gewinnstreben gestanden. «Ein Grossteil unserer Rohstoffe ist biozertifiziert, zudem unterstützen wir die Umstellung auf biodynamischen Anbau, der die Bodengesundheit noch stärker fördert. Somit passt die Traditionsmarke mehr denn je zum Zeitgeist.»

Für den Frieden

Eines von der UNO definierten Ziele ist schlicht der Friede auf Erden. Und dass die Wirtschaft dazu sehr wohl etwas beitragen kann, beweist Weleda nun mit Spenden im Wert von 100000 Euro an die Bevölkerung in der Ukraine. «Eine nachhaltige Wirtschaft ist auch Friedensarbeit», sagt Siemer. Recht geben ihm die Expertinnen und Experten des Welt­klimarats, die regelmässig darauf hinweisen, dass eine weiterhin ausbeuterische Art des Wirtschaftens nicht nur zu klimatischen Veränderungen, sondern auch zu sozialen Spannungen führt.

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