«Jetzt oder nie»: Jungwinzer übernimmt Reben im Steinbruch

Als Nachfolger von ­Thomas Löliger bewirtschaftet seit diesem Jahr der Jungwinzer Benjamin Neuhaus den Rebberg im Steinbruch Arlesheim. Am ersten Mai wird die Übergabe gefeiert.

Hoch hinaus: Benjamin Neuhaus hat als Winzer in der Region einen steilen Start hingelegt. Foto: Caspar Reimer

Benjamin Neuhaus gehört zu der Art von Menschen, die äusserlich kaum zu altern scheinen. Zwar zählt er doch schon 42 Lenze, doch wäre wohl niemand überrascht, gäbe er sich als 25‑Jährigen aus. Der Schwarzbube hat aber schon einen beachtlichen beruflichen Weg und eine einschneidende Wende durchlebt: Noch vor wenigen Jahren arbeitete er als Chemiker in einem Pharmaunternehmen – erst in der Produktion, später in der Qualitätssicherung –, doch die viele Zeit am Bildschirm behagte ihm nicht mehr. Deshalb krempelte er sein Leben um, kündigte den Job und begann eine Lehre als Winzer, die er im vergangenen Jahr abschloss. Die Wahl war dabei nicht einfach aus der Luft gegriffen, hat Benjamin Neuhaus doch mit seiner Lebensgefährtin vor zehn Jahren einen Rebberg in Ziefen gekauft. «Ich habe diesen als Hobby neben meinem Job betrieben. Doch plötzlich dachte ich: Jetzt oder nie», erzählt er. Das Interesse am Wein habe ihn immer begleitet, er stellte sich Fragen, wie genau Wein entsteht oder warum der Tropfen von da anders schmeckt als jener von dort. Da seine Ehefrau Betriebswirtschaftlerin ist, konnte er nun auf dem Weg in die Selbstständigkeit von ihrem Wissen profitieren: Im vergangenen Jahr hat er die Weinmanufaktur Neuhaus GmbH in Himmelried gegründet und bewirtschaftet Reblagen in Biel-Benken und Ziefen. Seit Januar ist er als Nachfolger von Thomas Löliger zudem für den Rebberg im Steinbruch oberhalb von Arlesheim verantwortlich. «Ab Jahrgang 2025 wird der Wein von diesem Rebberg durch meine Manufaktur gekeltert und vertrieben», erzählt er, und man spürt, dass er sich einerseits auf die Aufgabe freut, es ihm andererseits auch ein Anliegen ist, sich als Jungwinzer bekannt zu machen.

«Benjamin ist im richtigen Moment vom Himmel gefallen»

Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) in Frick, wo Benjamin Neuhaus einen Teil seiner Lehre ab­solvierte und Thomas Löliger arbeitet, haben sich die beiden Winzer ken­nengelernt. «Thomas hat mich darauf angesprochen, ob ich diesen Rebberg übernehmen möchte», erzählt Neuhaus. Löliger hatte den Rebberg im Steinbruch, welcher der Gemeinde Arlesheim gehört und nicht mit dem benachbarten Schlossberg zu verwechseln ist, 2014 übernommen. Gemeinsam mit Kollegen vom Schlossberg vertrieb er – und vertreibt er noch – den Wein unter dem Namen «Quergut».

«Es ist aber schwierig, nur von diesem Rebberg zu leben. Ich hatte deshalb immer einen Nebenjob», erzählt Thomas Löliger. Anfang dieses Jahres bekam er die Gelegenheit, am FIBL als stellvertretender Leiter des Weinguts zu arbeiten. «Beides zusammen geht nicht. Da ist Benjamin im richtigen Moment vom Himmel gefallen», sagt Löliger lachend. Ihm ist es aber ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass noch Wein aus seinem Bestand zu verkaufen ist. «Wir füllen jetzt im April noch den letzten Jahrgang ab», sagt er.

Rebberg wird neu nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet

Der Rebberg im Steinbruch hat seine Tücken, da es sich um einen ehemaligen Steinbruch handelt: «Nachdem der Steinbruch stillgelegt wurde, kam an diese Stelle eine Deponie. Vor rund 100 Jahren wurde der Rebberg angelegt», erzählt Neuhaus. Diese Vergangenheit hat Einfluss auf die topografische Struktur des Rebbergs: Einige Stellen sind instabil – ein Problem, mit dem schon Thomas Löliger zu kämpfen hatte. «Das ist auch der Grund, weshalb der mittlere, besonders steile Teil nicht mehr bewirtschaftet wird. Er wäre den Aufwand nicht wert.» Hat Thomas Löliger bisher nach biologischen Richtlinien gearbeitet, geht Neuhaus noch einen Schritt weiter: «Ich werde den Rebberg nach Demeter-Richtlinien bewirtschaften.» Was für ihn Demeter auszeichne? «Man beschäftigt sich noch mehr mit der Pflanze. Man gibt dem Wein nichts von aussen hinzu und nimmt nichts weg.» Am 1. Mai, im Rahmen des in der ganzen Deutschschweiz stattfindenden Anlasses «Tag der offenen Weinkeller», laden die Winzer Interessierte in den Rebberg beim Steinbruch ein. Dort wird der Wein als solcher, aber auch die Übergabe des Rebbergs an Benjamin Neuhaus offiziell gefeiert.

Tag der offenen Weinkeller: «Offener Weinberg»; 1. Mai, 11 bis 16 Uhr, Steinbruch, Waldstrasse 63, Arlesheim

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