Jedes Loch ein Hotelzimmer

Eine Schulklasse der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein baute mit- hilfe der Gemeinde Arlesheim im Widenacker am Dorfbach einen Lebensturm für Wildbienen, Fledermäuse, Vögel und Igel.

Abschlussarbeiten am «Projekt Lebensturm»: «Mir ist es wichtig, dass ich mit den Schülern neben dem Unterricht im Schulzimmer auch draussen praktische Erfahrungen sammeln kann», sagt Lehrer Stephan Siegfried.  Foto: Tobias Gfeller
Abschlussarbeiten am «Projekt Lebensturm»: «Mir ist es wichtig, dass ich mit den Schülern neben dem Unterricht im Schulzimmer auch draussen praktische Erfahrungen sammeln kann», sagt Lehrer Stephan Siegfried. Foto: Tobias Gfeller

Tobias Gfeller

Es wird gehämmert, gebohrt und die noch vorhandenen offenen Räume mit Holzwolle gestopft. Die Schulklasse von Stephan Siegfried der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein ist voll in ihrem Element, als sie vergangene Woche den Lebensturm am Dorfbach im Widenacker instand setzte. Den Robinienstamm, der als sehr robust gilt, und mit ihm das Holzgerüst und einige wenige Bienenlöcher hat der Werkhof Arlesheim bereits im Januar aufgestellt. Und der Erfolg hat sich seitdem schon eingestellt, wie die vollen Löcher im Holz beweisen. «Es ist toll zu sehen, wie der Lebensturm funktioniert und die Wildbienen das Angebot annehmen und ihre Eier in den von uns gebohrten Löchern ablegen», so Siegfried.

Nistkästen selber gebaut
Angefangen hat das «Projekt Lebensturm» bereits vor einem Jahr, als die Klasse im Werkunterricht bei Stephan Siegfried Nistkästen für Fledermäuse bauten, weil sie gleichzeitig in Biologie das Thema Fledermäuse behandelten. «Es ist stets ein Credo von mir, dass das Gebastelte auch verwendet werden kann», betont Siegfried. Weil im Gebiet Widenacker zwischen Wald und Birs regelmässig Fledermäuse unterwegs sind, bot sich die Gegend neben der Sportanlage Widen geradezu an. Auch, weil diese 2009 renaturiert wurde. Siegfried, selbst ein engagierter Naturschützer, stiess im Internet auf die das Projekt Lebensturm und wandelte dieses auf seine ganz eigene Art und Weise an.

Kernelement des Lebensturms sind die Bienenlöcher, die sich in ihrer Grösse, Material und Ausrichtung unterscheiden. Auch diese Bienenhotels baute Stephan Siegfried mit seiner Klasse im Werkunterricht. Vor Ort war es an den Schülern, mit Bohrmaschinen Löcher in die Holzbalken zu bohren. «Mit unterschiedlich grossen Bohrern werden die Löcher unterschiedlich gross, damit alle Bienen das passende Loch finden», erläutert der 13-jährige Domenik. Auch die Schüler wissen dank dem Gelernten, dass die rund 600 Wildbienenarten in der Schweiz unterschiedliche Verhältnisse brauchen.

Praktische Erfahrung in der Natur
Im unteren Bereich des Lebensturms befinden sich die Kisten für Kleinsäuger, wie Igel, damit diese darin ihren Winterschlaf oder auch nur eine Ruhephase verbringen können. Der Lebensturm hat gleich mehrere Funktionen: Er dient fertiggestellt dem Naturschutz und der Biodiversität, und in seiner Entstehung war er eine wichtige Erfahrung und Lehre für die Schulkinder. «Mir ist es wichtig, dass ich mit den Schülern neben dem Unterricht im Schulzimmer auch draussen praktische Erfahrungen sammeln kann», findet Stephan Siegfried. Und dies nahmen die Schüler begeistert an. «Es war enorm spannend, das vor Ort zu bauen, was wir im Unterricht gelernt haben», so die zwölfjährige Fatima. Für Aurora (12) ist vor allem toll, wie mit relativ wenig Aufwand viel für die Tiere erreicht werden kann.

Sensibilisierung der Passanten
Eine wichtige Rolle im Projekt Lebensturm spielte die Gemeinde Arlesheim, welche das Projekt wohlwollend aufnahm, erklärt Marcel Leutwyler, Leiter Umwelt und Naturschutz. Er lobt vor allem die Arbeit mit der Schulklasse, die für die Kinder eine starke Sensibilisierungswirkung habe. Der Gemeinderat hofft, dass sich die Passanten den Lebensturm auch persönlich zu Herzen nehmen, um etwas Ähnliches im Kleinformat im eigenen Garten aufzustellen. Anleitung und Beratung erhalten sie bei der Gemeinde. Der Lebensturm, der nachhaltig in den Köpfen der Menschen wirken soll, wird diesen Freitag, 29. Mai, 16 Uhr vor Ort feierlich eröffnet. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.

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