Im Zirkus steht die Zeit still

Der Jugendzirkus Robiano startete in Arlesheim seine diesjährige Tournee. Die temporeiche Vorstellung begeistert mit Artistik, witzigen Dialogen und auch Stoff zum Nachdenken.

Immer ein Lächeln: Auch schwierige Figuren sehen ganz leicht aus.  Foto: ZVG/Christian Jaeggi
Immer ein Lächeln: Auch schwierige Figuren sehen ganz leicht aus. Foto: ZVG/Christian Jaeggi

Es wird gehämmert, geklopft und kräftig gezogen. In der Manege des Zirkus Robiano herrscht emsiges Schaffen. In Latzhosen, Blaumännern und weissen Overalls und natürlich mit Helmen ausgerüstet gehen die 22 Jugendlichen kräftig zu Werke. Hochkonzentriert schrauben sie an Weckern herum, als ob sie diese wieder zum Laufen bringen möchten. Doch weit gefehlt. Die Zeit soll stillstehen. Am besten für immer.

Unter dem Motto «Kei Zyt?» startete am Wochenende auf der Zirkuswiese in Arlesheim die Tournee des mittlerweile 30 Jahre alten Jugendzirkus Robiano. Das diesjährige Programm strotzt nur so von Fantasie, spektakulärer Artistik und Humor. Und ab und zu laden die Dialoge die Zuschauer zum Nachdenken ein. Die Zeit anhalten und im Moment verharren? Eine spannende Idee, denkt sich der Zirkus Robiano. Doch irgendwie will das Unterfangen nicht klappen. Die Zeitmaschine, die an ein Werk des Künstlers Jean Tinguely erinnert, will einfach nicht stillstehen.


Hohe Zirkusschule

Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Das diesjährige Programm ist dabei alles andere als Stillstand. Rasant wechselt das Zirkusensemble von Nummer zu Nummer. Ob mit dem Diabolo, bei der Sprungakrobatik am Boden oder bei der Jonglage mit den Kegeln – die kompliziertesten Würfe und Sprünge werden zur begeisternden und scheinbar ganz simpel wirkenden Show. Die Kunststücke und Balanceakte auf der Slackline, am Trapez und Vertikaltuch – die Artistinnen und Artisten lassen auch die grössten Anstrengungen einfach und elegant erscheinen. Dass dem keinesfalls so ist, lassen sie nur selten durchblicken. Es wird gelächelt, wann immer es auch nur geht. Hohe Zirkusschule – und dies bereits im jugendlichen Alter.


Permanenter Zeitdruck

«Kei Zyt?» ist ein liebevoll gestaltetes Programm unter der Regie von Ursina Gregori und Markus Wolff, gespickt mit Höchstleistungen. Dass auch mal ein Kunststück nicht perfekt klappt – kein Problem. Es wird einfach nochmals versucht. Der Applaus des Publikums war an der Premiere am Freitagabend beim Gelingen des Kunststücks dafür umso grösser.
In diesem Jahr herrscht permanent Zeitdruck. Während der Umbauten, wenn Matten und Geräte aufgestellt werden, oder auch während der Nummern selber, wenn sich die Artistinnen und Artisten gegenseitig antreiben. Je hektischer die Bemühungen werden, endlich die Zeit anzuhalten, umso mehr geht schief. Schlussendlich ist die Zeitmaschine kaputt. Und zum Entsetzen aller betreten zwei Affen in Hemd, Hosenträger und Krawatte die Manege. «Da ist etwas schiefgelaufen», sagt eine der konsternierten Forscherinnen.


Jugendartisten auf Tournee

Am Ende schaffen sie es trotzdem. Die Zeit steht still. Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. «Stillstand ist doch mega langweilig. Ich will doch nicht stillsitzen. Es muss doch etwas laufen. Ich will neue Leute kennen lernen, neue Bücher lesen und natürlich längere Haare.» Es ist ein lautes Klagen über den Stillstand der Zeit. Anhalten will an diesem Abend niemand. Vor allem nicht der Jugendzirkus Robiano. Denn dieser zieht mit Zirkuszelt, Beizli, Wagen und Traktoren weiter nach Baar, Vordemwald, Sissach und Basel, bis ihn die Tournee nach Reinach bringt, wo er am 9. und 10. Oktober beim Schulhaus Fiechten gastiert.

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