«Ich bin ein Logonaut, Worte sind mein Himmel»

Buchstabendompteur: Thomas Brunnschweiler am letzten Freitag im NTaB.  Foto: L. Hausendorf
Buchstabendompteur: Thomas Brunnschweiler am letzten Freitag im NTaB. Foto: L. Hausendorf

Am Klavier mag er vielleicht ein Dilettant sein, zumindest behauptet das Thomas Brunnschweiler von sich selbst, aber als Buchstabenjongleur ist er ein Virtuose. Die Buchstaben haben den promovierten Germanisten, Philosophen, Schriftsteller und Journalisten denn auch in ihren Bann gezogen.

Am vergangenen Freitag bot er im Zwischenhalt des Neuen Theater am Bahnhof eine Kostprobe aus seinem Schaffen, das sich von Anagrammgedichten über Buchstaben-Sonette bis hin zu monolettristischen Erzählungen erstreckt. Die Zuhörer dieser als Lesung getarnten Trapeznummer des Wortakrobaten bekamen wahrhaft Erstaunliches zu hören. Brunnschweiler ist ein Meister der Permutation von Lettern. Es offenbaren sich Parallelen zum Komponisten. Dabei sind Musik und Sprache durchaus vergleichbare Systeme, die sich durch ihre Abgeschlossenheit und syntaktischen Regeln auszeichnen. Der Schüttelreim ist wie die Krebsumkehrung ein syntaktisches Stilmittel. Und wenn unsereins beim Reimen schon das Versmass zur Verzweiflung treibt, ist Brunnschweiler derweil ein linguistischer Grenzgänger, der in Bereiche der Sprache vordringt, die sein Publikum staunend zurücklassen. Die Dornacher Dichterdämmerung, darin der Dichter Deodato Damiani dank des Dideldaikus die Dichterlings-Disputanten drinnen des Damastsaals danieder dividierte. Oder so ähnlich. Die monolettristische Erzählung umfasst mehr als 86 000 Wörter, die allesamt mit dem Buchstaben «D» beginnen. Ein äusserst praktischer Buchstabe, erklärte Brunnschweiler. «Das kann aber auch aggressiv machen», warnte er, bevor die schier nicht enden wollende Kostprobe dieses sprachlichen Wahnsinns begann. Eine Obsession, die Brunnschweiler auch in seinen Buchstabensonetten auslebte, die 1998 nach Weihnachten entstanden, als er gerade «nix Gescheites im Kopf» hatte. Er sei eben ein Logonaut und Worte sein Himmel, erklärt er. Und im Kosmos der Sprache findet sich selbst für Banausen Unterhaltsames. Wie folgendes Anagramm beweist: Pamela Anderson – das paar Melonen.

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