Grosser Preis für einen kleinen Zirkus
Der Arlesheimer Zirkus Fahraway erhält den Schweizer Preis für darstellende Künste.

Valentin Steinemann war überrascht, als das Telefon klingelte. Nicht weil der Apparat dies tat, sondern weil die Stimme aus dem Ohrhörer ihm als Mitglied der künstlerischen Leitung des Zirkus Fahraway mitteilte, dass der Arlesheimer Zirkus den Schweizer Preis für darstellende Künste erhalten habe. «Damit haben wir nicht gerechnet», räumt er ein. Vergeben wird der Preis vom Bundesamt für Kultur. Die Auszeichnungen werden von der Eidgenössischen Jury für Darstellende Künste vorgeschlagen, es ist nicht möglich, sich für diese zu bewerben. «Wir wissen nicht, wie sich die Jury informiert hat. Vielleicht kamen sie in eine Vorstellung?», mutmasst Steinemann. Fahraway hat 2019 bereits den Kulturförderpreis des Kantons Basel-Landschaft erhalten. Seit 16 Jahren ist der Zirkus unterwegs und bekommt nun eine noch grössere Anerkennung. «Für uns ist das grossartig!», freut sich Steinemann. Denn aufgenommen zu werden in der Mitte der Kulturwelt, bedeutet dem Zirkus viel. Der kleine Betrieb bewegt sich eher am Rand der kulturellen Szene. Der Preis zeigt: Der Zirkus hat in der Kulturszene seinen Platz. Fahraway spielt auch an Orten, wo das kulturelle Angebot nicht gross ist. Gerade das könnte auch ein Punkt bei der Preisverleihung gewesen sein.
Was der Zirkus mit den 40000 Franken Preisgeld unternehmen wird, wird noch diskutiert. «Wir machen etwas daraus», ist für Steinemann klar. So wird man auf die Suche nach einem neuen Lagerabstellplatz gehen oder mit dem Geld eine neue Produktion anstossen.
Produktionen werden länger gespielt
Die Programme wechselten früher, wie bei den traditionellen Zirkussen, jedes Jahr. Fahraway plant von Produktion zu Produktion, was auch einmal drei Jahre dauern kann. «Es ist zeitgenössischer Zirkus und folgt keiner Nummernchronologie», erklärt Steinemann. Die Gesamtinszenierung geht eher Richtung Theater und ist eine Mischung aus Musik, Clownerie und Bewegung. Gespielt werden die Programme in der Regel mit einem fixen Ensemble. Neben Steinemann teilen sich Solvejg Weyeneth, Nina Wey und Donath Weyeneth die künstlerische Leitung. Je nach Produktion stossen noch weitere Künstlerinnen oder Artisten dazu. «Es kommen Anfragen von Festivals und Veranstaltern für das nächste und das übernächste Jahr herein. Somit kann es lange dauern, bis eine Produktion abgespielt ist», erklärt Steinemann. «Es macht Spass, mit dem Publikum das Stück auszubauen. Das Programm kann reifen.» In der Regel spielt die Truppe eine Tournee in der Schweiz, anschliessend geht es raus – viel nach Deutschland. Aber auch in Salzburg spielte der Zirkus an einem grossen Festival, ebenfalls in Italien oder Polen. In diesem November sind noch Stationen in Litauen und Lettland geplant. In die beiden baltischen Staaten nimmt der Zirkus diesmal das eigene Zelt nicht mit, sondern spielt in Hallen. Denn gerade die Reise mit dem Zelt sei teilweise eine grosse Herausforderung: Die Zollpapiere müssen sauber ausgefüllt werden, zudem benötigt es Genehmigungen und Abnahmen. Auch der Standplatz müsse abgeklärt werden, da eine Besichtigung im Voraus meist nicht möglich ist.
Preisverleihung mit Bundesrätin
Wer den Zirkus mit dem aktuellen Programm «Elefant» noch sehen möchte: Er spielt im Dezember in Delsberg und in Basel bei der Station Circus Dreispitz mit dem Stück «Ballett». Zum Schluss ist Valentin Steinemann etwas noch sehr wichtig: «Es gibt sehr viele Leute, die an uns geglaubt haben.» Über Jahre hinweg habe die Truppe immer wieder grosse Unterstützung erfahren. «Die Anerkennung geht auch an sie!», sagt der künstlerische Leiter des Zirkus. Die Preisübergabe findet am 6. November in der Alten Reithalle der Bühne Aaraus statt. Vor Ort wird auch Kulturministerin Elisabeth Baume-Schneider sein.


