Gesichtsbuch wird Geschichtsbuch

Soziale Medien verbinden. Neuerdings auch Dorfgemeinschaften, die kollektiv in der Vergangenheit schwelgen wollen. Facebookseiten wie «Du weisch, dass de vo Arlese bisch, wenn …» boomen auch in der Region.

Damals – heute: Ein Facebook-User vergleicht ein Foto des alten Arlesheimer Tramdepots mit der jetzigen Überbauung. Foto: Thomas Kramer
Damals – heute: Ein Facebook-User vergleicht ein Foto des alten Arlesheimer Tramdepots mit der jetzigen Überbauung. Foto: Thomas Kramer

Lukas Hausendorf

Weisch no?» Die Vergangenheit ist spezieller Gemeinplatz und mitunter einer der populärsten, weil die geteilten Erinnerungen wie kaum etwas anderes einen gemeinsamen Sinnhorizont ermöglichen, womit nichts weniger als die Grundbedingung für erfolgreiche Kommunikation gegeben ist. Und das Internet im Allgemeinen und soziale Medien im Speziellen sind ein populärer Raum für Geschichtsromantik geworden.

Seit kurzem werden ganze Dorfgemeinschaften zur kollektiven Rückbesinnung auf die gute alte Zeit eingeladen. «Du weisch, dass de vor Arlesheim bisch, wenn …» ist der erste Birs- ecker Ableger des neusten Phänomens auf Facebook – aus dem «Gesichtsbuch» wird ein Geschichtsbuch. Der Trend soll seinen Ursprung im nördlichen Nachbarland genommen haben und via Riehen und Muttenz die Schweiz erreicht haben.

«Über diese beiden Gruppen habe ich mich köstlich amüsiert. Über eine Woche habe ich die verschiedenen Beiträge verfolgt und da war mir klar: Arlesheim muss auch so eine Gruppe haben», erklärt Sabrina Meury. Flugs setzte die 30-Jährige das Vorhaben in die Tat um, und so richtete sie für Arlesheim vor drei Wochen den virtuellen Dorfplatz ein, wo seither munter in Erinnerungen geschwelgt wird. Bis Redaktionsschluss zählte die Gruppe bereits 788 Mitglieder.

Als das Tramdepot noch stand
Innert Kürze haben die Nutzer auch ein ansehnliches Archiv historischer Aufnahmen zusammengetragen, auf denen ein Arlesheim zu erkennen ist, das Teenager von heute kaum mehr kennen. Bilder vom alten Tramdepot, das einst dort stand, wo heute die Migros ist. Oder Fotos aus dem Feuerwehrarchiv vom Brand des Andlauerhofs zu Beginn der 90er-Jahre. Oder wer weiss heute noch, dass dort, wo heute das Herrenkonfektionsgeschäft Bogies ist und zuvor einige Teppichhändler und die Drogerie Schneeberger waren, sich einst eine Filiale des Franz Carl Weber befand, in deren Untergeschoss die Jugend von damals Videospiele zockte? «Ich hatte gehofft, dass die Gruppe ganz rege genutzt wird», sagt Meury. In den ersten Tagen habe sie aber noch Anlaufschwierigkeiten gehabt und sie und ihre Co-Administratorin Claudia Suter rechneten schon nicht mehr damit, dass plötzlich die Post abgeht. «Es macht eine Freude, die Beiträge zu lesen.»

Virus in Dornach angekommen
Das Nostalgiefieber breitet sich derweil rasant in der Region aus. Die Dornacher huldigen auch schon ihrer gemeinsamen Herkunft und Vergangenheit. Ihre Gruppe «Du bisch vo Dornach, wenn …» zählt bereits über 300 Mitglieder. Damals, als noch Schlüsselbunde durch die Schulzimmer flogen und der Migros-Bus einmal die Woche in den Öpfelsee kam, weil es noch kein Postauto gab, das den entlegenen Dorfteil bediente. Und die Steiner-Schüler bei den gewöhnlichen Staatsschülern noch als aggressive Provokateure gefürchtet waren. Das waren noch Zeiten …

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Jugendlich frisch: (v. h. l.) Auszubildender Michael Baur, Florian Werder, Zivildienstleistender Patrick Joseph sowie die künftige stellvertretende Leiterin Ivana Cuk (vorne) stehen in den Vorbereitungen für das Geburtstagsfest. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim09.09.2026

«Wir sind heute gesitteter als früher»

Am Samstag feiert das Jugendhaus Arlesheim seinen 40. Geburtstag. Am Fest werden auch Künstler aus der Gründerzeit auftreten.
Generationenwechsel: Helene und Erich Rediger (links) übergeben das Steuer nach 30 Jahren an Daniel und Géraldine Rediger. Auch der zweijährige Mathou und der drei Monate alte Elio werden den Hof beleben. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim02.09.2026

«Wir begannen mit drei Rebsorten – heute sind es 16»

Seit 30 Jahren bewirtschaftet die Familie Rediger das Hofgut Birseck. Im Januar hat die junge Generation die Betriebsleitung übernommen. Mit einem Fest für die…
Feierte erst kurz vor der EM ihr Comeback: die Basler Hochspringerin Lea Bachmann vom LAS Old Boys Basel/Team Goldwurstpower. Foto: zvg / Alex Grymanis
Arlesheim26.08.2026

«Ich dachte sicher nie ans Aufhören, aber es war eine sehr schwere Zeit»

Am Samstag findet der «Goldwurst-Power Stab Event» statt. Seit 2024 nennt sich der Anlass auch «Anatoli Gordienko Memorial», nach dem verstorbenen Trainer der…