Frühromantik bis Jazz

Eine Solistenparade präsentierte der Musikverein Arlesheim unter dem Taktstock von Jonathan Graf am vergangenen Wochenende in der reformierten Kirche. Die solistischen Beiträge waren bemerkenswert.

Taktfest und rhythmussicher: Jonathan Graf dirigiert den Musikverein Arlesheim. Foto: Thomas Brunnschweiler
Taktfest und rhythmussicher: Jonathan Graf dirigiert den Musikverein Arlesheim. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Die Kirche war am Samstagnachmittag voll, als der Musikverein Arlesheim zur «Unchained Melody» anhob, jener Melodie, die aus dem Film «Ghost – Nachricht von Sam» bekannt ist. Die gefühlige Melodie wurde von Fritz Strahm am Flügelhorn intoniert, um dann von den Holzbläsern aufgenommen zu werden und zum Tutti anzuschwellen. Das frühromantische Concertino für Klarinette und Orchester Es-Dur schrieb Carl Maria von Weber im Jahre 1811. Eveline Meier interpretierte den Solopart des an Klangreichtum und Stimmungen reichen Stückes, das einige Anforderungen stellt, mit beachtlicher Qualität.

Es folgte ein Medley aus dem Musical «The Phantom of the Opera» von Andrew Lloyd Webber. Für die zarten Melodien war Viviane Nüscheler an der Harfe zuständig, für wuchtigen Orgelklang sorgte Cornelia Jäschke. Beide Nachwuchstalente sind Schülerinnen der Musikschule. Das Ensemble spielte das Stück schmissig und elegant und fühlte sich sichtlich in seinem Element. Mit dem abrupten Einsatz der voll registrierten Orgel bewegte man sich einem ersten Höhepunkt zu.

Viel klangliche Abwechslung

Einen Gegensatz bildete Samuel Barbers legendäres «Adagio for Strings» in der Bearbeitung für Blasorchester. Barbers 1938 komponiertes Stück wurde von der BBC einst zum «traurigsten klassischen Stück» gewählt und an Beerdigungen von Persönlichkeiten immer wieder gespielt. Obwohl die Bläserversion nicht den zerbrechlichen und ätherischen Klang des Originals bieten kann, hat doch auch die Transposition ihren Reiz, wie die einfühlsame Interpretation durch Jonathan Graf zeigte. Das anschliessende «Reunion and Finale», Titelmelodie des Hollywood-Films «Gettysburg», beginnt mit einem Idyll, geht in eine Art Choral über, um sich dann in patriotischer Emphase zu ergehen – ein typisch US-amerikanisches Stück, über das man geteilter Meinung sein kann. «Highland Cathedral», eine von zwei Deutschen im Jahre 1982 komponierte Dudelsackmelodie, ist ein wirkungsvolles Werk.

Eine grosse Überraschung war es, als Stephanie Santschi und ihre Lehrerin einmarschierten und mit ihren Dudelsackklängen den Raum fast allein füllten. Im Stück «A Tribute to Lionel» brillierte Reto Krummenacher am Vibrafon mit jazzigen Klängen. Heiter-leicht und mit viel Glockenspiel endete das Konzert mit dem Weihnachtsschlager «I Saw Mommy Kissing Santa Clause» von Tommie Connor. Ausser einigen wackeligen Stellen bei der Intonation zeigte der MV Arlesheim insgesamt eine reife Leistung, nicht zuletzt dank des vorzüglichen Dirigats von Jonathan Graf, der bei der Wahl der Stücke ein gutes Händchen hatte. Das Konzert ist erstmals auch auf CD zu haben, wie Vereinspräsident Beat Marti mitteilte.

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