Fotografische Timeouts

Die bisher grösste Einzelausstellung des Foto-Künstlers Martin Staub aus Kleinlützel ist in der Trotte zu sehen. Der Titel «schicht-wechsel» bezieht sich sowohl auf ein Sujet wie auf die Technik.

Vielschichtige Technik: Martin Staub vor seinem Werk «seltsame blüte» (180 x 40 cm, 2017).  Foto: Thomas Brunnschweiler
Vielschichtige Technik: Martin Staub vor seinem Werk «seltsame blüte» (180 x 40 cm, 2017). Foto: Thomas Brunnschweiler

Mit stimmungsvollen Geigen- und Pianoklängen von Iris Ewald und Jonathan Stich wurde die Schau durch David Borter eröffnet. Im ersten Stock entdeckte man die Trilogie «time-out», die das Gedicht «Über allen Gipfeln ist Ruh’» von Goethe thematisiert. Auch für den ehemaligen Lehrer Martin Staub, der als Redaktionsleiter des Wochenblattes in Laufen vor der Pensionierung steht, bedeutet das Fotografieren jeweils eine Auszeit. Es ist die Möglichkeit, die Welt unter neuen Gesichtspunkten zu erkunden, fotografisch zu zerlegen und in eine neue Realität zu verwandeln. Der Künstler Andreas Malzach, der die Einführungsworte sprach, zeigte, dass die Fotografie dort angekommen ist, wo die Maler im Impressionismus, im Expressionismus und in der Abstraktion die reale Darstellung der Welt verliessen. Tatsächlich hat sich Martin Staub, der früher eine eigene Dunkelkammer hatte, immer stärker der experimentellen Fotografie gewidmet. Seit 2005 begann er auf der Grundlage der digitalen Technik mit seinem Bildmaterial zu «spielen». Um sich von üblichen Präsentationen abzuheben, druckte er die Fotos zweischichtig auf Plexiglas. Durch vorgehängte Plexiglasschieber ergeben sich gar dreischichtige Bilder, wobei die Schatten, die an die Wand fallen, eine vierte Dimension eröffnen.
Staub hat die Technik von Inkjet und Airbrush in den rund 12 Jahren seines künstlerischen Wirkens weiterentwickelt. Mit den vier halbtransparenten Jahreszeiten-Stelen begibt er sich neuerdings auch auf das skulpturale Feld.


Differenzierte Bildsprache

Die fotografische Kollage unterliegt oft dem Verdacht der Beliebigkeit. Martin Staub achtet jedoch darauf, unter vielen Varianten jene auszuwählen, die ästhetisch, inhaltlich und von der Spannung her am meisten überzeugt. Mit seinen Bildtiteln macht er Deutungsangebote. Die erkennbaren Sujets der Bilder sind Menschen, Natur, Umweltausschnitte und die Zeit. Es fällt auf, dass der Künstler sowohl handwerklich wie auch künstlerisch gereift ist. Die Präzision und Akkuratesse der Verarbeitung stechen ebenso ins Auge wie die Liebe zum fotografischen Detail.

Die Bandbreite des Ausdrucks reicht von meditativer Ruhe bis zu ekstatischer Wildheit. Das Werk «regen» erinnert an Monets Wasserbilder, «welt-theater» hingegen könnte als Vorlage für ein Bühnenbild der Bregenzer Festspiele dienen. Emotional stark ist auch das Bild «schrei». In den vier Bildern «kautokeino» (Name einer Samischen Gemeinde in Norwegen) verarbeitet der Künstler Fotos von Nordlichtern, die man auf der Wochenblatt-Reise nach Skandinavien sehen konnte. Die zweite Ausstellung von Martin Staub in der Trotte Arlesheim lohnt einen längeren Besuch.

Martin Staub: schicht-wechsel, Trotte Arlesheim, Ermitagestrasse 19. Fr 8.9., 16–19 Uhr; Sa 9.9., 11–17 Uhr, So 10.9., 11–16 Uhr; Martin Staub ist während der Öffnungszeiten anwesend.

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