Eine präzise Kugel schieben

Der Bocciaclub Arlesheim stösst seit 70 Jahren ­Kugeln über die Bahn. Damit das Hobby neue Lieb­haber findet, lanciert der Club eine Aktion.

Ruhige Leidenschaft: Boccia ist eine stille Sportart, doch für Toni Lerch gerade deswegen interessant. Foto: Caspar Reimer
Ruhige Leidenschaft: Boccia ist eine stille Sportart, doch für Toni Lerch gerade deswegen interessant. Foto: Caspar Reimer

Toni Lerch ist ein freundlicher, ruhiger Mann. Man kann sich gut vorstellen, dass er gerne einer konzentrierten, taktischen Sportart nachgeht. Als Präsident des Bocciaclubs Arlesheim ist der 73-Jährige in der warmen Jahreszeit oft bei den Bocciabahnen hinter dem Sportzentrum Hagenbuchen anzutreffen: «Wenn man von Boccia spricht, denken viele Leute an Ferien oder an Städtchen in Frankreich, wo Männer an öffentlichen Plätzen ihre Kugeln schieben. Dabei handelt es sich aber nicht um Boccia, sondern um Pétanque», erzählt Lerch dem Wochenblatt.

Der pensionierte Typograf ist Experte auf diesem Gebiet und will zuerst die Begrifflichkeiten klären: Mit dem Übernamen Boule würden allgemein Kugelsportarten wie Bowls, Pétanque oder eben Boccia bezeichnet. «Bei dieser italienischen Boule-Variante spielt man auf genau definierten Bahnen», sagt er, während seine Kolleginnen und Kollegen auf der Bocciaanlage in hoher Konzentration ihre Kugeln anstossen. «Ziel des Spiels ist es, seine eigenen Kugeln möglichst nahe an die kleinere Zielkugel, den Pallino, zu setzen oder gegnerische Kugeln wegzuschiessen.»

Vom Tennisplatz auf die Bocciabahn

Der Bocciaclub Arlesheim besteht aktuell aus jeweils 35 aktiven und passiven Mitgliedern und ist rund 70 Jahre alt: «Über das genaue Gründungsdatum des Vereins gibt es unterschiedliche Ansichten», schmunzelt der Präsident. Eine erste orientierende Versammlung fand im Mai 1953 im Hotel Ochsen statt, die eigent­liche Gründungsversammlung wurde jedoch erst ein Jahr später abgehalten. Dabei beschränkt sich der Verein nicht darauf, seine Mitglieder etwas Boccia spielen zu lassen – der Arlesheimer Club organisiert Vereinsmeisterschaften und Turniere, bei welchen die Sieger ausgezeichnet werden.

Doch auch am Bocciaclub Arlesheim geht der Geist der Zeit nicht spurlos vorbei: «Wie so mancher Verein sind auch wir überaltert und nehmen dankbar neue Mitglieder auf.» Der älteste aktive Bocciaspieler zählt aktuell 87 Jahre, vor einigen Jahren war ein Mitglied dabei, das im Alter von über 90 Jahren noch Boccia spielte. Nicht selten seien es etwa ehemalige Tennisspieler, die Interesse an Boccia entwickeln: «Diese Leute wollen sich noch sportlich betätigen, aber auf eine Art, bei welcher der Körper mitmacht.» Wie Tennis erfordert auch Boccia taktisches Gespür.

Ein Lokal für alle

Um Boccia bekannter zu machen, bietet der Bocciaclub Arlesheim einen Kurs für Interessierte an – das erste Mal am kommenden Donnerstag um 19 Uhr auf den Bocciabahnen Hagenbuchen. Geleitet wird der Kurs von Paul Kälin, dem Technischen Leiter des Vereins. Gegen einen Unkostenbeitrag von 50 Franken kommen Neugierige in den Genuss von zehn Kurseinheiten, um das Spiel kennen zu lernen. «Wir haben bereits einige Anmeldungen erhalten», freut sich der Vereinspräsident. Wer den Kurs besucht hat, darf eine ganze Saison auf den Bocciabahnen in Arlesheim spielen. Das Bocciaspiel wird von festen Regeln bestimmt: «Manche Leute denken, Boccia sei eine einfache Sache, und sind dann abgeschreckt, wenn sie mit den Regeln konfrontiert werden», sagt Lerch.

Die Bocciabahnen Hagenbuchen sind der Standplatz des Vereins, das dazugehörende Lokal dient zugleich als Clubhaus, in dem die Versammlungen abgehalten werden. Lerch dazu: «Wir stellen unser Lokal auch anderen Vereinen aus Arlesheim zur Verfügung, wenn sie etwa eine Vorstandssitzung abhalten möchten.» Die Dorfbeizen, in denen sich Vereine für ihre Sitzungen treffen können, seien schliesslich rar geworden. boccia-arlesheim.ch

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