Eine erstaunliche Bakelit-Sammlung

Das Bakelitemuseum von Jürg Josef Zimmermann am Schorenweg 10 in Arlesheim ist weltweit die umfangreichste Sammlung von Gegenständen aus Bakelit. Sie spiegelt 60 Jahre Kulturgeschichte. Eine echte Entdeckung.

Bakelit wird museal: Jürg Josef Zimmermann präsentiert eine Bakelitdose mit kunstvollem Relief. Im Hintergrund: Vitrine mit Bakelit-Lampen.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Bakelit wird museal: Jürg Josef Zimmermann präsentiert eine Bakelitdose mit kunstvollem Relief. Im Hintergrund: Vitrine mit Bakelit-Lampen. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Letzten Oktober erfuhren die Zuschauer der Sendung «Aeschbacher» wohl zum ersten Mal, dass es in der Region Basel eine riesige Sammlung an Bakelit-Objekten gibt. Dahinter steht der in Riehen wohnhafte, 1947 geborene Dekorateur und Standbauer Jürg Josef Zimmermann. Bevor er sich 1979 selbstständig machte, arbeitete er für verschiedene grosse Läden in Zürich, Liestal und Basel. Ein «Jäger und Sammler» war er schon immer. Mit seinem besonderen Flair für die Gründerzeit und das Art déco richteten sich die Zimmermanns früh mit Möbeln dieser Stilrichtungen ein.

1984 zeigte der deutsche Sammler Hans Ulrich Kölsch Teile seiner Bakelit-Sammlung in Zürich. Zimmermann war begeistert und begann 1985 selbst Bakelitgegenstände zu sammeln. Seine Frau und er planten alle Ferienreisen so, dass sie zu wichtigen Flohmärkten führten – in Europa, in den USA und in Australien. Vor allem die Flohmärkte in Frankreich und Deutschland erwiesen sich bei europäischen Produkten als ergiebig. Heute erwirbt Zimmermann viele Objekte über Ebay.

Bakelit prägte eine Epoche
«Schönheit ist mein Motto», sagt Zimmermann, der seine rund 7500 Bakelit-Gegenstände in 47 Vitrinen à 2,5 Meter präsentiert.
1906 erfand der Belgier Leo Hendrik Baekeland den vollsynthetischen Kunststoff aus Phenol und Aldehyd. Dieses Phenolharz («Bakelite» ist der gängige Markenname) gehört zu den Duroplasten und kann praktisch für alles verwendet werden. «Bakelit ist das Material der 1000 Möglichkeiten», erklärt Zimmermann. Wegen der hervorragenden elektrischen Isolation war es für die Elektroindustrie das ideale Gehäusematerial. Als Pressmaterial ermöglichte es hohe Stückzahlen und tiefe Kosten.

Die Ausgangsmaterialien Phenol und Formaldeyhd waren in grossen Mengen verfügbar. Zwischen 1906 und etwa 1966 war Bakelit das allgegenwärtige Material bei Gebrauchs-, aber auch Kunstgegenständen. Im Bakelitemuseum kann man Uhren, Küchengeräte, Geschirr, Rasierapparate, Radios, Fernsehapparate, Rechenmaschinen, Fotoapparate, Werbeartikel, Spielzeug und vieles mehr in allen möglichen Formen bewundern. Es gibt Bakelitobjekte in den Stilrichtungen Art déco, Bauhaus, Streamlining und 1960er-Jahre-Stil. In den Sechzigerjahren wurde Bakelit durch das bruchsicherere und weniger Giftstoffe enthaltende Ornamin ersetzt.

Zukunft muss gesichert werden
In der Sammlung kann man auch Gegenstände von berühmten Designern bewundern. Edouard Fornell fertigte Bakelitdosen nach Vorlagen der Glaskünstler Gallet und Lalique. Auch Raymond Loewy, der Industriedesigner des Streamlining, ist vertreten. Das Bakelitemuseum ist eine höchst bedeutsame Dokumentation der materiellen Kulturgeschichte einer ganzen Epoche. Die Sammlung müsste eigentlich unter den Schutz einer Stiftung gestellt werden. Jetzt fristet das Museum noch ein Kellerdasein, doch sie gehört definitiv ans Tageslicht und ins öffentliche Bewusstsein.

Bakelitemuseum, Schorenweg 10,
Arlesheim. Samstag/Sonntag 14 bis
17 Uhr. Eintritt Erwachsene: Fr. 5.–, Studenten: Fr. 2.–; Führungen ab 5 Personen: Fr. 150.–.           
Anmeldung: 061 413 00 10       
jjzimmermann@me.com       
www.bakelit.ch

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