Ein Moralist wird zum Rächer

Jungautor Timothée Wahlen aus Arlesheim hat mit seinem Debütroman «Erntezeit!» einen Krimi zur globalen Umweltproblematik vorgelegt. Dahinter stehen Erfahrungen in Afrika, Herzblut und viel Recherche.

Der Romanautor an einem seiner Schauplätze: Timothée Wahlen auf dem alten Friedhof Arlesheim.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Der Romanautor an einem seiner Schauplätze: Timothée Wahlen auf dem alten Friedhof Arlesheim. Foto: Thomas Brunnschweiler

Darf ein Einzelner sich die Rolle des Weltenrichters anmassen, wenn andere gewissenlos Tausende von Menschen in die Hölle von Armut, Hunger und Krankheit stürzen? Dies die Grundfrage, die hinter Timo-thée Wahlens handwerklich solide gemachtem, spannendem Roman steckt. Als Leserin und Leser wird man schon von Anfang an in den Sog der komplexen Handlung hineingezogen. Alles beginnt im Dschungel Afrikas und man ahnt erst dunkel, wohin die erzählerische Reise geht. Bei einem Planschbecken voller PET-Flaschen finden sich in einer Basler Wohnung eine rituell inszenierte Leiche und ein mit Blut hingeschmierter vermeintlicher Bibelvers. Bei der Aufklärung stösst der depressive Kommissar Kurt Schär auf weitere ungeklärte Morde und auf ein wiederkehrendes Handlungsmuster, das in die Abgründe der weltweiten Ausbeutung von Rohstoffen blicken lässt.


Lehrreiche Unterhaltung

Timothée Wahlen studierte nach der Diplommittelschule Soziale Arbeit und bildete sich in Umwelt- und Erlebnispädagogik weiter. Immer mehr stiess er auf die Problematik der rücksichtslosen Ausbeutung des Planeten durch globalisierte Grosskonzerne. Seine Freundin und er lehrten einige Zeit in Kenia an einer Primarschule, wo es auch um HIV-Prävention ging. Alle Gebiete in Afrika, die in seinem Krimi vorkommen, hat er selbst besucht, ausser der Demokratischen Republik Kongo, die er nicht selbst betreten hat. Mit den im Buch angesprochenen Umweltthemen setzt sich Wahlen seit rund fünf Jahren intensiv auseinander. Viele Erkenntnisse verdankt er Internetrecherchen, aber auch den Büchern von Jean Ziegler, den er schätzt. «Für viele Leute sind die Umweltskandale nichts Neues», sagt Timothée Wahlen, «aber es gibt auch Leser, die bekennen, ihnen sei das alles nicht bewusst gewesen.» Wahlen geht es nicht nur um Unterhaltung, sondern auch um Aufklärung. Er ist davon überzeugt, dass wir eines Tages die Ernte unseres Fehlverhaltens einfahren werden. «Wir wissen zwar viel, aber es geht darum, dass wir uns persönlich im Kleinen engagieren.» Das beginnt damit, den hohen Fleischkonsum zu hinterfragen oder sich über die ökologischen Hintergründe bei Lebensmitteln wie Quinoa oder Avocado zu informieren. «Leider leben oft unsere Vorbilder einen ökologisch und ethisch verträglichen Lebensstil selbst nicht vor.»


Zweiter Roman ist schon geplant


Dem Romandebütanten macht es Spass zu schreiben. Viele Schauplätze kommen einem bekannt vor. «Mit diesem Roman erreiche ich Menschen, die ich mit einem Sachbuch nicht erreichen würde», sagt Wahlen und nennt als eines seiner literarischen Vorbilder Henning Mankell. Rund eineinhalb Jahr hat er, mit Pausen, in sein Projekt investiert. Die Idee zu einem zweiten Roman ist bereits geboren. Dieser soll sich unter anderem um die Jugend und das Cybermobbing drehen. Nach dem flotten literarischen Start darf man gespannt sein.
<link https: www.il-verlag.com autoren external-link-new-window>Timothée Wahlen: Erntezeit, IL-Verlag, Basel 2017, 302 Seiten, Fr. 19.20.

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