Ein Abschied in 83 Minuten

Die Kabarettformation Touche ma Bouche war am Freitag mit ihrem Abschiedsprogramm «Glück 2.0» in Arlesheim zu Gast. Der Abend bot mit Humor gespickte Wehmut.

Abschied: (von links) Roland Suter, Daniel Buser und Michael Wernli thematisieren in ihrer letzten Show Glück und Vergänglichkeit. Foto: Caspar Reimer
Abschied: (von links) Roland Suter, Daniel Buser und Michael Wernli thematisieren in ihrer letzten Show Glück und Vergänglichkeit. Foto: Caspar Reimer

Für Daniel Buser war es eine Art Heimspiel, als er im Rahmen der Abschiedstournee der Kabarettformation Touche ma Bouche am vergangenen Freitag im reformierten Kirchgemeindehaus am Stollenrain zu Arlesheim auftrat. «In diesem Haus wurde ich sozialisiert», witzelte er am Schluss der Vorstellung von «Glück 2.0», seinem letzten Streich im Duo mit Roland Suter. Dieser pflichtete scherzend bei: «Ja, den ganzen Tag schon redet er von nichts anderem als von seiner Kindheit in Arlesheim!»

Buser, der heute wie sein Kollege Suter in Basel wohnt und künstlerisch vielseitig engagiert ist, bezeichnete sich in einem Interview auch schon als «Arlesheimer im Herzen»: Von hier stammen die Grosseltern, die Mutter, und hier verbrachte er die ersten Lebensjahre, bevor die Familie nach Liestal zügelte. Der Bezug zum Landkanton spiegelt sich auch in Busers Schaffen, gibt es von ihm doch etwa «Baselbieter Sagen als Hörerlebnis». Kollege Suter dagegen ist waschechter Basler und leitet gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin das Theater im Teufelhof. «Glück 2.0» ist seit der Gründung im Umfeld des Theaters im Teufelhof Basel im Jahr 1996 das achte Programm von Touche ma Bouche.

Vergänglichkeit und Glück

Suter und Buser verfolgten zusammen immer auch andere Projekte wie Satire auf Telebasel, die Vorfasnachtsproduktion Wirrlete oder das Format «La satire continue». Buser war in erster Linie als Sprecher, unter anderem bei SRF, tätig. Touche ma Bouche entwickelte sich so zur Formation für sporadische Programme und gelegentliche Auftritte, massgeschneidert für Firmenanlässe oder private Festivitäten. Touche ma Bouche feiert in diesem Jahr nicht nur den Abschied, sondern auch sein 30-Jahr-Jubiläum. Seit 2017 werden Buser und Suter vor allem musikalisch durch den Zürcher Musiker Michael Wernli unterstützt. Diesem kam am Freitag auch die Aufgabe zu, die beiden Komiker stets an ihre Vergänglichkeit zu erinnern, indem er in sporadischen Abständen die noch verbliebenen Minuten bis zum endgültigen Ende abzählte. «Ihr habt 83 Minuten, um euch zu verabschieden», startete Wernli den Countdown zu Beginn der Vorstellung.

Das Thema Vergänglichkeit zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Stück. Dazu gab es Humoristisches – «Vergänglichkeit isch, wenn statt Bier nur no Biostrat trinksch» –, aber auch Nachdenkliches: «Der Läbensfade wird dünn. Das isch Vergänglichkeit.» Auch der Titel «Glück 2.0» war gewissermassen ein Rückgriff auf etwas längst Vergangenes: Das Programm, mit dem Touche ma Bouche 1996 erstmals auf der Bühne zu sehen war, hiess schlicht und einfach: «Glück». So war es eine Rückkehr zu den Anfängen, als sich Buser und Suter fragten, was Glück eigentlich sei. Freilich gab es dazu ganz verschiedene Antworten: «Glück isch, wenn me d Wirklichkeit nit muess see» oder – passend zum Ende von Touche ma Bouche – «Glück isch, e guets Endi z finde». Den nachdenklichen Part bildete in «Glück 2.0» eher Buser, der sich als Liedermacher wie Poet versuchte und sagte: «Der Prolog log. Der Epilog auch.»

Für einen grossen Lacher sorgte die selbstironische Performance von Roland Suter, als dieser sich mit einer Katze und einem Teufel unterhielt – beides Handpuppen aus Kindertagen, die sich über seinen Werdegang lustig machten: «Immer giggerig uf Anerkennig. Das passt zu dim Minderwärtigkeitskomplex.» Oder: «Soso, bisch immer no am Theäterle? Für mehr hets halt nit glängt!» Touche ma Bouche sah sich nie als klassisches politisches Kabarett, entsprechend war der Ohrwurm zum Thema Populisten unterhaltsame, aber nicht bissige Satire. Die Stärke von Touche ma Bouche lag eindeutig in den philosophischen Lebensbetrachtungen und den humoristischen Beiträgen zum Alltag.

Weiter mit Wernli?

Dass Wernli mehr als nur musikalische Begleitung von Touche ma Bouche ist, bewies er, als er Christian Gross oder den SRF-Mann Pater Balzli imitierte. Und am Ende der Vorstellung schwebte die Frage im Raum: Wird Wernli das Format «Touche ma Boche» übernehmen und weiterführen? Er meinte dazu: «Ich bin überzeugt, es wird Ihnen gefallen.» Die Abschiedstournee von Touche ma Bouche endet jedenfalls im März – mit einer Derniere im Theater im Teufelhof Basel.

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