«Anspruchsvolle Phase» im Sonnenhof

Mitarbeitende berichten über «Arbeitsbedingungen, die kaum auszuhalten sind». Die soziale Institution verweist auf den Fachkräftemangel.

Unzufriedene Mitarbeitende: Der Sonnenhof durchlebt turbulente Zeiten. Aber es gibt auch Stimmen aus dem Umfeld, die relativieren. Foto: Kenneth Nars
Unzufriedene Mitarbeitende: Der Sonnenhof durchlebt turbulente Zeiten. Aber es gibt auch Stimmen aus dem Umfeld, die relativieren. Foto: Kenneth Nars

«Zu viel auf einmal umkrempeln schadet auf Dauer mehr, als dass es hilft.» So umschreibt eine angestellte Person die derzeitige Situation beim Sonnenhof auf einer Onlineplattform für Arbeitgeberbewertungen. Die soziale Institution betreibt unter anderem eine Heilpädagogische Schule und bietet betreutes Wohnen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung.

Bereits im Spätherbst gab es erste kritische Stimmen aus dem Umfeld der Arlesheimer Einrichtung. Mehrere Personen aus der Führungsetage des Sonnenhofs kündigten – unter anderem auch die Doppelspitze. Die «Basler Zeitung» berichtete im November und schrieb, dass beim Kanton eine Beschwerde eingegangen war. «Zu spät wurde die Führung zur Rechenschaft gezogen – ab 2026 wird’s hoffentlich besser!» schrieb eine andere Person im vergangenen Dezember, die bis 2022 beim Sonnenhof arbeitete. Der Sonnenhof stellt auf Anfrage jedoch klar, dass der Co-Gesamtleiter Frieder Recht nach dreissigjähriger Tätigkeit freiwillig entschieden habe, die Institution zu verlassen und sich neuen Aufgaben zu widmen.

Hilfskräfte mit Bewohnenden alleine gelassen?

Die zahlreichen Abgänge haben allerdings in den letzten Monaten offenbar in gewissen Bereichen der Institution, die insgesamt rund 500 Mitarbeitende beschäftigt, für grosse Verunsicherung und ein schwieriges Arbeitsklima gesorgt. Dies zeigt unter anderem ein anonymes Schreiben, das sowohl an die bz Basel als auch an kantonale Behörden gerichtet war. Auch der Sonnenhof hat Kenntnis von diesem Schreiben. Man nehme es sehr ernst, dass sich Mitarbeitende an Behörden und Medien wenden würden, schreibt Kommunikationschefin Silvie Schmid.

In diesem Brief werden von einer beim Sonnenhof angestellten Person happige Vorwürfe geäussert. Zum Beispiel steht darin: «Es herrscht akuter Personalmangel. Qualifizierte und engagierte Mitarbeitende verlassen den Betrieb, da die Arbeitsbedingungen kaum mehr auszuhalten sind.» Der Sonnenhof erwidert darauf, dass der Fachkräftemangel im Sozial- und Pflegebereich die gesamte Branche treffe. Die Arlesheimer Einrichtung könne jedoch die vakanten Stellen mit Personen besetzen, welche die notwendige fachliche Qualifikation mitbringen würden. Auch Führungspositionen würden sorgsam vergeben.

Ein weiterer Vorwurf lautet dahingehend, dass in einzelnen Häusern Hilfskräfte oder unerfahrene Mitarbeiterinnen über mehrere Stunden allein mit Bewohnenden arbeiten würden, die einen komplexen Betreuungsbedarf haben. Es bestehe aus ihrer Sicht ein erhebliches Risiko für die Sicherheit und das Wohl der Bewohnenden, schreibt die Absenderin oder der Absender des Briefes. Der Sonnenhof antwortet: «Diesen Vorwurf weisen wir entschieden zurück.»

Nach Abgängen setzte der Sonnenhof eine Taskforce ein

Über Einsatzpläne werde sichergestellt, dass die Bewohnenden ihrem Bedarf entsprechend begleitet sind und das notwendige Fachpersonal vor Ort sei. «Die Mitarbeitenden, ob erfahren oder unerfahren, haben die Möglichkeit, sich an die benachbarten Wohnhäuser des Sonnenhofs zu wenden, wenn punktuell Unterstützung nötig ist», schreibt Schmid. «Die hausübergreifende Zusammenarbeit funktioniert unseres Erachtens sehr gut.» Entsprechend will die soziale Institution auch nichts von einer Krise wissen, in der sie sich befinde. Der Sonnenhof befinde sich vielmehr in einer «anspruchsvollen Phase», so Schmid.

Nachdem im Herbst die Abgänge der Co-Gesamtleitung bekannt geworden waren, setzte die Einrichtung eine Taskforce ein. Diese ernannte Franz Grandits zum neuen Gesamtleiter ad interim ab Anfang Februar. In einer zweiten Phase besteht die Taskforce aus Grandits und dem Co-Präsidium des Verwaltungsrates. Voraussichtlich bis im Herbst soll die endgültige Gesamtleitung bestimmt sein.

Grosse Mehrheit der Angestellten sei zufrieden

Im August des vergangenen Jahres habe man ein neues Lohnsystem in Kraft gesetzt, um die Zufriedenheit der Belegschaft zu verbessern. Damit seien die Löhne auf ein branchenübliches Niveau angehoben worden. «Zufriedenes Personal ist unser grösstes Kapital», so Schmid. Dass es vereinzelt unzufriedene Mitarbeitende gibt, sei bei einer Organisation dieser Grösse nicht unüblich. «Unsere Einschätzung ist, dass die grosse Mehrheit der über 500 Angestellten zufrieden ist.»

Es brauche seine Zeit, damit die eingeleiteten Massnahmen die erwünschte Wirkung erzielen würden. Sowohl der Kanton Baselland als auch der Sonnenhof bestätigen, dass sie sich in engem Austausch befinden. Eine angestellte Person schreibt auf dem eingangs erwähnten Onlineportal: «Das Image ist leider stark geschädigt und entspricht nicht der Realität.» In vielen Teilbereichen herrsche eine gute Arbeitsatmosphäre, in einzelnen sei sie eher bescheiden. Es sind gemischte Töne, die aus dem Sonnenhof an die Öffentlichkeit dringen.

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