Der Froschkönigbrunnen

Aus den 1940er-Jahren: Der Brunnen an der Ermitagestrasse wurde von Adele Schallenmüller geschaffen. Fotos: Angelica Dietler

Aus den 1940er-Jahren: Der Brunnen an der Ermitagestrasse wurde von Adele Schallenmüller geschaffen. Fotos: Angelica Dietler

Bronzeskulptur: Der Froschkönig.

Bronzeskulptur: Der Froschkönig.

Es war einmal ... eine Zeit, als ich noch an den Osterhasen glaubte. Damals war ich überzeugt, in diesen Arleser Froschkönigbrunnen sei die goldene Kugel gefallen, hier hätten sich die Prinzessin und der Frosch kennengelernt. Meine Grossmutter dementierte das nie. Heute bin ich mir leider selbst nicht mehr ganz ­sicher.

Sicher ist, dass die märchenhafte ­Brunnenskulptur an der Ermitagestrasse, gegenüber dem Restaurant Rössli, von Adele Schallenmüller geschaffen wurde. Die angesehene Künstlerin wurde 1887 in Luzern geboren. Sie stellte unter anderem an der Landesausstellung 1939 aus, war Künstlerin am Goetheanum und vermachte die Rechte an ihren Werken dem Arlesheimer Sonnenhof.

Das Objekt Nummer 1 im Kunstarchiv der Gemeinde Arlesheim ist eine Urkunde, geschmückt mit einem idyllischen Froschkönig-Bild und mit folgender Inschrift: «Für die freundliche Mithilfe beim Zustandekommen der Plastik für das Froschkönig-Brünnlein auf dem Rössliplatz in Arlesheim sagen herzlichen Dank Adolf Hänggi, der Gemeindeprä­sident, Adele Schallenmüller, die Bildhauerin, Werner Paches, für die Ini­tianten, Arlesheim, April 1946.» Werner Paches war Heilpädagoge am Sonnenhof und Initiant des Projektes, Gemeindepräsident Adolf Hänggi hat das Projekt tatkräftig unterstützt. Dieses gemein­same Projekt von Sonnenhof und Gemeinde hatte damals auch einen sym­bolischen Wert und eine versöhnliche Wirkung, denn der Sonnenhof und die Spaziergänger aus dem Heim waren zu dieser Zeit im Dorf nicht nur wohlge­litten.

Der halbrunde Brunnentrog war das «Schaubtröglein» des alten Dorfbrunnens von 1791, der 1944 durch den neu-en heutigen Brunnen ersetzt wurde. «Schaub» nannte man früher das Stroh, das zum Aufbinden der Reben verwendet wurde. Es wurde zum Aufquellen ins Schaubtröglein gelegt, damit es beim Tränken des Viehs nicht im Weg war.

Eine liebliche Prinzessin hat Platz genommen

Annelies Pfenninger-Keller war bei der Einweihung des Brünnleins dabei. Sie berichtet: «1946 besuchte ich in Arlesheim beim jungen Lehrer Hans-Peter Schmid die 5. Primarschulklasse. Herr Schmid legte Wert darauf, dass wir (ca. 50 Schüler!) viel von Arlesheim wussten. Deshalb wollte er uns auch begeistern für das in Arbeit befindliche Frosch­königsbrünneli. Frau Adele Schallenmüller schuf in ihrem Atelier (am Finkelerweg) die Form dazu. Natürlich war ihr Atelier zu klein für die ganze Klasse, so durften drei Auserwählte mit Herrn Schmid hingehen, um die Arbeit zu ­bestaunen. Die Form wurde dann mit Bronze ausgegossen. Das fertige Brünneli wurde in der neu erstellten Anlage an der Ermitagestrasse aufgestellt – dort, wo vorher noch der offene Dorfbach durchgeflossen war und wo es auch heute noch steht. Unsere Schulklasse durfte dann das Brünneli mit ­Gesang einweihen.»

Am 18. April 1946 schrieb das Wochenblatt: «Auf dem neuen Brünnlein beim Rössliplatz hat eine liebliche Prinzessin Platz genommen, eine Bronzeplastik der in Arlesheim lebenden Bildhauerin Adele Schallenmüller.»

Es gibt Leute, die seit Jahrzehnten in Arlesheim leben und nicht wissen, wo der Froschkönigbrunnen ist, und es gibt Leute, die von weit her extra nach Arlesheim kommen, um den Brunnen zu besichtigen, vor allem Familien mit Kindern. Zur Arlesheimer Kinderexkursion gehören noch viele weitere attraktive Stationen und mindestens zwei weitere Brunnen: der Frau Holle-Brunnen am Hollenweg und der Dreiröhrenbrunnen in der Ermitage.

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