«Breaking ist für mich eine Lebenseinstellung»

Mischa Hiltensperger ist Vize-Schweizer-Meister und EM-Teilnehmer im Breakdance. Trotzdem ist Breaking für ihn viel mehr als nur Ranglisten und Platzierungen.

Dynamisch hoch hinaus: Der Arlesheimer BBoy Mischa Hiltensperger möchte an den Olympischen Spielen 2024 teilnehmen. Foto: zVg
Dynamisch hoch hinaus: Der Arlesheimer BBoy Mischa Hiltensperger möchte an den Olympischen Spielen 2024 teilnehmen. Foto: zVg

Wer Vize-Schweizer-Meister und EM-Teilnehmer ist, dem geht es in erster Linie um Resultate. Könnte man meinen, ist aber nicht zutreffend im Fall von Mischa Hiltensperger, dem 23-jährigen BBoy aus Arlesheim. Im Gespräch macht er schnell klar, dass Breakdance für ihn nicht nur aus Training und Wettkampf besteht, sondern auch eine viel tiefere Dimension besitzt. «Breaking ist für mich eine ­Lebenseinstellung, eine Form, mich zu zeigen, auszudrücken und weiterzuentwickeln.» Hiltensperger passt damit perfekt in die Breaking-Kultur, die ihren Ursprung in der künstlerischen Problematisierung von zeitgenössischen Problemen wie Rassismus oder Gewalt hat. Diese Kultur sei auch heute im Breaking noch deutlich spürbar, erzählt der 23-Jährige, der am Breakdance des Weiteren die weltweit sehr offene und herzliche Community von Tänzern schätzt. Sie ­ermöglicht ihm, praktisch überall auf der Welt einfach mit Menschen in Verbindung zu treten.

Breakdance überall

Auch wenn Breakdance für Hiltensperger weit übers Training hinausgeht, ist natürlich klar, dass ohne intensives Training seine Spitzenplatzierungen nicht möglich wären. Seine Woche ist denn auch geprägt vom Breakdance. Abgesehen vom Montag, der seinen Ruhetag darstellt, ist der 23-jährige BBoy jeden Tag am Trainieren oder Unterrichten, oftmals sogar beides.

Aufgrund seines Talents kann Hiltensperger von speziellen Fördertrainings in The Movement Spot in Pratteln profitieren, die für ihn als Wettkampfvorbereitung speziell wichtig sind. Neben all dem Training und seinem Studium an der Hochschule der Künste in Bern bliebe nicht viel Platz, gibt Hiltensperger lachend zu. «Für mich passt das aber so.» Angetrieben wird Hiltensperger von der Motivation, möglichst viele Battles, wie Wettkämpfe im Breakdance genannt werden, zu absolvieren und so Erfahrungen zu sammeln, um es für die Olympischen Spiele 2024 ins Olympia Team Schweiz zu schaffen.

«Breakdance ist 2024 zum ersten Mal olympisch. Es wäre ein Traum, dort teilnehmen zu können.» Genauso wichtig wie seine eigenen sportlichen Ziele ist Bboy Skip, wie Hiltensperger mit Künstlernamen heisst, aber auch das Unterrichten. «Ich möchte meine Freude am Breaking an die nächste Generation weitergeben», erklärt er.

Mit den Wurzeln verbunden

Vielleicht hat für Hiltensperger das Unterrichten auch daher so einen grossen Stellenwert, da er selbst zu Beginn seiner Karriere auf viel Unterstützung zählen konnte. Nachdem der mittlerweile 23-jährige Arlesheimer mit zehn Jahren von einem Kollegen in ein Schnuppertraining des Turnvereins Arlesheim mitgenommen wurde, wurde sein Talent schnell von der ABcrew, der Arlesheimer Brekdance Gruppe, erkannt und gefördert. Vor allem Roman Völlmin habe als Mentor eine wichtige Rolle gespielt, sagt Hiltensperger.

«Er hat mich durch Privatstunden extrem unterstützt.» Bis heute verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft, nur sei die Inspiration mittlerweile gegenseitig, lacht BBoy Skip. Überhaupt sei die ganze ABcrew wie eine grosse Familie, die nicht nur zusammen trainiere, sondern nach dem Training auch regelmässig zusammen essen gehe oder sonst gemeinsam Zeit verbringe.

Achtung Suchtgefahr

Wer jetzt Lust bekommen hat, Breakdance selbst einmal ausprobieren, der könne seinen Einstieg relativ leicht in einem Breakdance-Kurs in der Region machen, sagt Hiltensperger. «Natürlich freue ich mich speziell, wenn ihr zu mir ins Parallel Bewegt in Birsfelden oder nach Frick in den Dance Tower kommt», grinst der Vize-Schweizer-Meister.

Aber Achtung – das Beispiel des BBoys Mischa Hiltensperger zeigt, wie schnell Breaking zu viel mehr als nur einem Sport werden kann.

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Generationenwechsel: Helene und Erich Rediger (links) übergeben das Steuer nach 30 Jahren an Daniel und Géraldine Rediger. Auch der zweijährige Mathou und der drei Monate alte Elio werden den Hof beleben. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim02.09.2026

«Wir begannen mit drei Rebsorten – heute sind es 16»

Seit 30 Jahren bewirtschaftet die Familie Rediger das Hofgut Birseck. Im Januar hat die junge Generation die Betriebsleitung übernommen. Mit einem Fest für die…
Feierte erst kurz vor der EM ihr Comeback: die Basler Hochspringerin Lea Bachmann vom LAS Old Boys Basel/Team Goldwurstpower. Foto: zvg / Alex Grymanis
Arlesheim26.08.2026

«Ich dachte sicher nie ans Aufhören, aber es war eine sehr schwere Zeit»

Am Samstag findet der «Goldwurst-Power Stab Event» statt. Seit 2024 nennt sich der Anlass auch «Anatoli Gordienko Memorial», nach dem verstorbenen Trainer der…
Publikumsmagnet: Das «Open-Air-Kino der besonderen Art» lockt jedes Jahr zahlreiche Menschen ins Wydehöfli. Foto: zvg
Arlesheim19.08.2026

«Wir öffnen unseren Garten, damit Menschen sich treffen und Gemeinsamkeiten finden können»

Zum elften Mal findet das «Open-Air-Kino der besonderen Art» statt. Neben den Filmen gibt es im Garten des Wohnheims Wydehöfli ein kleines Festprogramm.