Botschafter der Natur

Seit zehn Jahren fotografiert der Arlesheimer Flurin Leugger Steinböcke in den Schweizer Alpen. Heute Abend präsentiert er in Dornach faszinierende Tieraufnahmen und erzählt, was er dafür alles auf sich nimmt.

Steinbock im Tiefschnee: Jahrelang war Flurin Leugger für dieses Fotomotiv in den Alpen unterwegs. Foto: zvg

Steinbock im Tiefschnee: Jahrelang war Flurin Leugger für dieses Fotomotiv in den Alpen unterwegs. Foto: zvg

Übernachten in der freien Natur: Um bei Sonnenaufgang bereits vor Ort zu sein,übernachtet Leugger regelmässig im Zelt vor Ort in den Bergen. Foto: zvg

Übernachten in der freien Natur: Um bei Sonnenaufgang bereits vor Ort zu sein,übernachtet Leugger regelmässig im Zelt vor Ort in den Bergen. Foto: zvg

Tierfotograf und Trailrunner:Flurin Leugger. Foto: Tobias Gfeller

Tierfotograf und Trailrunner:Flurin Leugger. Foto: Tobias Gfeller

«Die Tiere faszinieren mich mit ihrer Kletterkunst, wie sie in den unwegsamsten Steilwänden auch bei Schnee, Eis und minus 20 Grad bei wenig Futter zurechtkommen.» Spricht Flurin Leugger über Steinböcke, glänzen seine Augen und er kommt ins Schwärmen. Seit zehn Jahren beobachtet der 30‑jährige Arlesheimer Steinböcke in den Schweizer Alpen und hofft auf das «perfekte Foto». Ob der Jöö-Faktor bei Jungtieren mit Steingeiss oder der majestätische Bock mit Hörnern bei Sonnenaufgang, Leugger kann sich für viele Motive begeistern.

Die Leidenschaft des Tierfotografen wird bei seinen Vorträgen augenscheinlich. Heute Abend ab 19.30 Uhr präsentiert er unter dem Titel «Im Reich der Steinböcke» auf Einladung des Natur- und Vogelschutzvereins Dornach in der Aula des Schulhauses Brühl eine Zusammenstellung aus zehn Jahren Steinbockfotografie. Zu den Steinbockbildern zeigt Leugger auch eigene Motive von Bartgeiern und Schneehühnern, die ebenso zu seinen Favoriten der Schweizer Alpen gehören.

Leugger nimmt bei seinen Vorträgen «in der warmen Stube» die Besucherinnen und Besucher symbolisch mit auf seine Touren und beschreibt die Schönheiten und Herausforderungen seiner Abenteuer. Der sportlich trainierte Trailrunner und Velofahrer schleppt auf seinen Touren Material von bis zu 30 Kilogramm den Berg hoch. Während er Elektrolyte zu sich nehmen kann, müssten sich die Tiere im Winter mit einzelnen vertrockneten Grasflächen begnügen.

Erfolgreiche Wiederansiedelung

Die Bewunderung und der Respekt für die der rauen Natur ausgesetzten Tiere schwingen in den Erzählungen von Leugger stets mit. Das Teilen seiner Erlebnisse in Vorträgen und auf seiner Website ist für den promovierten Umwelt- und Naturwissenschaftler zentral. «Ich sehe mich schon auch als Botschafter der Natur, der neben den Schönheiten auch den Wert des Natur- und Artenschutzes zeigen möchte.»

Der Steinbock galt in der Schweiz Anfang des 19. Jahrhunderts als ausgerottet. Die Wiederansiedelung gelang Anfang des 20. Jahrhunderts dank Tieren aus Italien, die in die Schweiz geschmuggelt wurden. «Der Steinbock zeigt eindrücklich, dass Wiederansiedelungsprojekte gelingen können und dass sich allgemein der Einsatz für Natur und Umwelt lohnt», betont Flurin Leugger.

Ein «Gfrörli», der nachts im Freien schläft

Zu seinen bevorzugten Regionen in den Schweizer Alpen gehören das Berner Oberland, das Engadin, die Surselva und das Mattertal im Wallis, um einzelne Beispiele zu nennen. Das gesammelte Wissen über die Umgebung und das Verhalten der Tiere kommt Leugger auf seinen Touren entgegen. Wo befinden sich die Tiere bei Sonnenaufgang, wo verbringen sie die Nacht und wohin bewegen sie sich tagsüber? Es sind Fragen, die für Tierfotografen essenziell sind.

Er sei aber keiner, der stundenlang an Ort und Stelle für das «perfekte Motiv» warte, gibt der 30‑Jährige zu. «Dafür bin ich zu ungeduldig und bewege ich mich viel zu gerne. Lieber gehe ich weiter und verpasse möglicherweise etwas und komme zu einem anderen Zeitpunkt wieder, als einfach nur still zu stehen und zu warten.»

Um bei Sonnenaufgang bereits vor Ort zu sein, übernachtet Leugger regelmässig in den Bergen im Freien. Mit oder ohne Zelt versucht er, sich optisch so gut es geht der Natur anzupassen, um bei den aufmerksamen Tieren nicht aufzufallen. Dass er sich selbst als «Gfrörli» bezeichnet, ist bei den Bedingungen hoch oben fast nicht zu glauben. Die Mühen für das perfekte Morgenmotiv lohnen sich, ist der erfahrene Tierfotograf überzeugt. Leugger ist keiner, der nur bei schönem Wetter unterwegs ist, im Gegenteil. Dem Motiv eines Steinbockmännchens im Tiefschnee sei er während Jahren nachgezogen, um es vor die Linse zu bekommen.

Kein Bild gibt es zweimal

Obwohl er vielfach an den gleichen Orten unterwegs ist, unterscheiden sich die Situationen und damit die Motive von Mal zu Mal. «Zweimal das gleiche Bild gibt es nicht», versichert Leugger. Bis er wirklich zufrieden ist, brauche es manchmal viel. «Mal passt das Licht, aber die Perspektive aufgrund eines Grashalms oder der Blick des Steinbocks nicht, und umgekehrt.» Er könne sich dann schon auch mal ärgern, gibt der Arlesheimer zu. «Tierfotografie braucht auch Glück. Für mich ist aber jedes Mal klar, dass ich einfach wiederkommen werde.»

Leugger geht seine Touren heute systematischer und gezielter an. «War ich zu Beginn meines Hobbys fast täglich an der Grün80 und jedes Wochenende in den Bergen, um möglichst viele Bilder zu machen und um nichts Aussergewöhnliches zu verpassen, fotografiere ich heute weniger, dafür konkreter und mehr projektbezogen.» Dafür setze er sich noch mehr mit den Tieren und der Gegend seiner nächsten Tour auseinander, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Die wunderbaren Aufnahmen geben ihm recht.

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