Blick auf das Unsichtbare

Von diesem Freitag bis zum 5. November ist auf dem Alten Friedhof und in der Trotte Arlesheim die Ausstellung «Sichtbares – Unsichtbares» zu sehen. Es ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit Leben und Tod.

Bei Gregori Bezzolas «Stammbaum»: Johannes Sloendregt, Barbara Groher und Gregori Bezzola (v. l.).  Foto: Thomas Brunnschweiler
Bei Gregori Bezzolas «Stammbaum»: Johannes Sloendregt, Barbara Groher und Gregori Bezzola (v. l.). Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Über den Tod gibt es so viele Meinungen, wie es Menschen gibt. Er sei Teil des Lebens, wird gesagt, und doch scheint er immer seltsam entrückt. Im Gegensatz zu früheren Zeiten haben wir den Tod aus der Öffentlichkeit verbannt. «Der Tod ist gross, wir sind die Seinen», schrieb einst Rilke, wogegen Elias Canetti den Tod stets für einen nicht zu überbietenden Skandal hielt. Wer glaubt, eine Ausstellung über Tod und Leben komme einem zu nahe, sei beruhigt. Die vier Kunstschaffenden Barbara Groher, Johannes Sloendregt, Gregori Bezzola und der erst vor kurzem verstorbene Ernst Schneider haben das Thema auf eine subtile Weise transformiert. Sie laden ein zu einer künstlerisch-poetischen Reflexion.

Dominique Ammann-Schaufelberger, Mitglied der Trotte-/Kulturkommission Arlesheim, ist Projektleiterin. Sie betont, dass es in der Ausstellung, deren Vorbereitung im November 2015 begann, auch um das Leben gehe. In der Pressemitteilung heisst es: «Tiefsinnige Kunst bringt die Dinge zum Sprechen. Sie erschafft etwas, das es zuvor so nicht gegeben hat. Damit bietet sie neue Perspektiven und inspiriert zu neuen Gedanken.»

Durchdringung von Welten

Bespielt werden drei Etagen der Trotte und der Alte Friedhof. Johannes Sloendregt, der etwa die Lichtskulptur «Licht und Schatten» im ersten Stock realisierte, sagt: «Es soll die ganze Diversität der Vorstellungen zur Geltung kommen. Die Kunst schafft einen neuen Zugang zum Thema.» Gregori Bezzola, der unter anderem «Schwellen» im Aussenbereich geschaffen hat, weist darauf hin, dass auch jedes Werk, das nicht entsteht, ein kleines Sterben sei. «Leben und Tod ist ein kompromissloses Thema, aber es gibt keine finale Definition davon, sondern nur ein Öffnen.» Die Künstlerin Barbara Groher spricht von einem gegenseitigen Durchdringen von Welten: «Die Betrachtenden sollen innehalten.» Sie bezieht auch das christliche Kreuz auf dem Friedhof in die Installation «Ohne Worte» ein. Obgleich der Ort der ehemaligen Ottilienkirche in einer christlichen Tradition steht, bewegt sich die Ausstellung jenseits weltanschaulicher Positionen.

Vielseitiges Rahmenprogramm

Die Präsenz des nunmehr abwesenden Ernst Schneider, ehemaliger Bildhauer und Werklehrer an der Rudolf Steiner Schule Birseck, verleiht der Ausstellung zusätzliche existenzielle Tiefe. Bei der Vernissage wird Jeremy Nedd eine Tanzperformance durchführen. Hinzuweisen ist auch auf das vielseitige Rahmenprogramm mit dem Lautenspieler Anthony Bailes, lyrischen Kurzlesungen mit Barbara Groher, einer weiteren Tanzperformance von Jeremy Nedd sowie einer Aufführung der Rhythmus/Marimba-Gruppe der Musikschule Arlesheim unter Leitung von Daniel Steiner. Im sorgfältig gestalteten Handbüchlein zur Ausstellung kommen die Künstler auch in poetischen Statements zu Worte.

«Sichtbares – Unsichtbares», Alter Friedhof und Trotte, Arlesheim. Vernissage: Freitag, 28. Oktober, 19 Uhr. Dauer: 28. 10.–5. 11. 2017; Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 16 bis 22 Uhr, Eintritt frei. Weitere Informationen auch unter www.arlesheim.ch unter Kultur/Trotte Arlesheim.

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