Banntag mit Wetterglück

Bei Wetter, das besser war als die Prognosen, fand am Auffahrtstag der Bannumgang statt. Seit 64 Jahren lebt die Tradition im pittoresken Dorf und ist von hier nicht mehr wegzudenken.

Tradition: Angeführt von den Bannerträgern, bewegt sich die Banntagsrotte vom Dorf in Richtung Finsterboden.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Tradition: Angeführt von den Bannerträgern, bewegt sich die Banntagsrotte vom Dorf in Richtung Finsterboden. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Vorwiegend Arleserinnen und Arleser ab dem mittleren Altersbereich fanden sich um 9 Uhr auf dem Dorfplatz ein, um sich auf den kleinen Bannumgang zu begeben. «Die ganze Grenze abzulaufen wäre fast eine kleine Hochgebirgstour», erklärte Bürgerratspräsident Stephan Kink, «früher gab es noch eine Nachmittagsrotte, aber wegen mangelnder Beteiligung haben wir den Umgang verkürzt.» Angeführt von den Bannerträgern Willi Dudler und Fredy Schärmeli machte sich die Rotte von über 100 Teilnehmenden bei Sonnenschein in gemächlichem Tempo auf den Weg Richtung Finsterboden. Dort fand um 10.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst statt und es wurde ein Apéro gereicht.

Beim Pulverhüsli in der hinteren Ermitage erwartete der Musikverein Arlesheim die müden Wanderer um die Mittagszeit zur Essensausgabe und zu einem Konzert der Banntagsgruppe des Musikvereins. Viele Familien mit Kindern und Kinderwagen gesellten sich zu den Teilnehmern des Umgangs, die für ihren körperlichen Einsatz mit einem Rabatt auf das Mittagessen belohnt wurden, das aus Steinpilzrisotto mit Plätzchen vom Grill bestand. Für ältere Bewohnerinnen und Bewohner organisierte der Bürgerrat einen Fahrdienst mit einem Kleinbus. Für alle gab es natürlich unentgeltlich wie immer Wurst und Brot.

Erfolg mit Wermutstropfen
Stephan Kink wertet den diesjährigen Banntag als Erfolg. «Es waren immer 200 bis 300 Leute vor Ort, und es fanden rege Wechsel statt.» Für den Bürgergemeindepräsidenten gab es auch einen Wermutstropfen. «Die ganze Politprominenz glänzte durch Abwesenheit», sagt Kink und fügt schmunzelnd hinzu: «Im Wahljahr wird das wohl wieder anders sein.» Bannumgänge gab es in Arlesheim bis ins 19. Jahrhundert. Dann schlief die Tradition ein, um erst 1950 wieder neu belebt zu werden. «Der älteste Grenzstein trägt das Wappen des Bischofs Johann Konrad von Roggenburg aus dem 18. Jahrhundert», erklärt Stephan Kink, «dasselbe Wappen, das sich auf einem der Banner befindet.»

Auf der anderen Fahne prangt das Symbol des Waldes, auf den Arlesheim so stolz ist, und der für die 1881 gegründete Bürgergemeinde eine wichtige Rolle spielt. Der Banntag wird aus finanziellen Erwägungen nur alle zwei Jahre durchgeführt. In den Zwischenjahren findet beim Pulverhüsli ein Fest statt, dessen Erlös in die Organisation des nächsten Banntags fliesst.

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Flinke Hände: Vornehmlich Frauen bauten die Motoren und Apparate. Foto: zVg/Fankhauser Architekt
Arlesheim11.02.2026

Arlesheim, das Osmanische Reich und die Lehren aus der Geschichte

Was die Schappefabrik und die Elektrizitätsgesellschaft Alioth AG mit dem Osmanischen Reich zu tun haben, zeigten Historiker bei Uptown Basel auf. Das…
Arlesheim04.02.2026

Ersatzwahlen: Die fünf Kandidierenden stellen sich den Fragen des Wochenblattes

Klicken Sie auf das Bild, um die Antworten der Kandidierenden zu lesen.
Startschuss: Andrea Pfaehler und Patrick Tschan entwickeln ein Projekt, das Arlesheim für die Zukunft kulturell bereichern soll. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim28.01.2026

Eine Volksbühne im Setzwerk

Die Theater Company Arlesheim erarbeitet ein Stück, das während der Zeit des Frauenstreiks in der Spinnerei Schappe anno 1945 spielt. Doch soll das erst der…