Arlesheims bewegte Geschichte

Mehr als nur alte Häuser: Auf einem Dorfspaziergang erzählte Sibyllevon Heydebrand dieHintergründe hinter den historischen Bauten im Dorfzentrum.

Andlauer Hofgut: der grösste bestehende und einer der ältesten landwirtschaftlichen Höfe in Arlesheim.Früher gehörte er zum Flachsländischen Schlösslein, dem heutigen Andlauerhof.

Andlauer Hofgut: der grösste bestehende und einer der ältesten landwirtschaftlichen Höfe in Arlesheim.Früher gehörte er zum Flachsländischen Schlösslein, dem heutigen Andlauerhof.

Taglöhnerhaus: ein typischer Riegelbau, wie man ihn aus dem Elsass kennt. In Basel wurden diese Häuserwegen Feuergefahr verboten.

Taglöhnerhaus: ein typischer Riegelbau, wie man ihn aus dem Elsass kennt. In Basel wurden diese Häuserwegen Feuergefahr verboten.

Grosser Andrang: Über 60 Personen nahmen vergangenen Freitag am Dorfspaziergang über «Arlesheims bewegte Geschichte» teil.

Grosser Andrang: Über 60 Personen nahmen vergangenen Freitag am Dorfspaziergang über «Arlesheims bewegte Geschichte» teil.

Dorfkern mit Tradition: Viele Gebäude rund um den Bauerngarten in Arlesheim stehen schon seit Jahrhunderten. Fotos: Nicolas Blust

Dorfkern mit Tradition: Viele Gebäude rund um den Bauerngarten in Arlesheim stehen schon seit Jahrhunderten. Fotos: Nicolas Blust

Die ersten Spuren von Menschen in Arlesheim sind über 16 000 Jahre alt. In der Halbhöhle beim Karussellplatz in der Ermitage bezeugen urzeitliche Funde – Steinwerkzeug und Speerspitzen – die Existenz von menschlichem Leben. Die Menschen folgten den Rentierherden. Vor 7000 Jahren wurden die Menschen allmählich sesshaft. Wieder in der Halbhöhle wurde die älteste Bestattung auf dem Gebiet der heutigen Schweiz gefunden. Erstmals schriftlich erwähnt wird «Arlisheim» im 13. Jahrhundert, als Arlesheim ans Fürstbistum Basel überging. Grundlage für den Verkauf lieferte ein gefälschtes Testament. Seit dem 8. Jahrhundert gehörte Arlesheim dem Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg im Elsass, daher endet der Name der Gemeinde wohl auch auf «heim» – eine Seltenheit in der Schweiz, im Elsass jedoch üblich.

Mit diesem kurzen historischen Rückblick begrüsste Sibylle von Heydebrand mehr als 60 Personen, die sich am vergangenen Freitag pünktlich um 12 Uhr auf dem Domplatz versammelten. Sie alle waren gekommen für den Dorfspaziergang über «Arlesheims bewegte Geschichte».

Vom Dom zum Andlauerhof

Der Dom ist neben der Ermitage die bekannteste Sehenswürdigkeit der Gemeinde im Birstal. Er wurde zwischen 1679 und 1681 erbaut, nachdem das Basler Domkapitel infolge der Reformation zunächst nach Freiburg im Breisgau ausgewichen war und später in Arlesheim einen neuen Sitz errichtete. Als Stiftskirche des Basler Domkapitels trat der Dom an die Stelle des Basler Münsters. Von Heydebrand erläuterte vor dessen Toren, was in den Gebäuden rund um den Dom früher ansässig war. Die Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung beispielsweise waren ursprünglich ein Schulhaus.

Der nächste Halt war in der Nähe des Sonnenhofs, knapp 200 Meter hinter dem Dom. Dort erzählte von Heydebrand die Geschichte des Taglöhnerhauses, das vermutlich im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Die promovierte Juristin erklärte, dass solche Riegelbauten – die typisch für das Elsass gewesen waren – aufgrund der Feuergefahr in Basel schon bald verboten wurden. Mit ihrer unterhaltsamen, zugleich aber geschichtsbewussten Art erzählte sie Geschichten der früheren Bewohnenden und die speziellen Erbregelungen. Damals konnten Boden und Haus getrennt vererbt werden; das modular aufgebaute Haus hätte bei Bedarf einfach abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden können. Bis heute steht das Haus jedoch an der Oberen Gasse.

Nächster Halt war das Andlauer Hofgut, das zum Andlauerhof gehörte, dem ehemaligen Flachsländischen Schlösslein. Das Schlösslein war schon auf dem Birseckplan vom 17. Jahrhundert eingezeichnet. Im 18. Jahrhundert erwarb der damalige Landvogt Franz Carl von Andlau das Schlösslein, nun Andlauerhof genannt. Seine Frau Balbina war es denn auch, die zusammen mit ihrem Cousin Heinrich von Ligertz den Englischen Landschaftsgarten angelegt hat. Von Heydebrand, Co-Autorin des Buches «Die Ermitage in Arlesheim – ein Paradies im Grünen», erläuterte, wie und nach welch strengen Regeln der Garten errichtet wurde.

Die Kirche, die vom Erdboden verschwand

Weiter ging es zum alten Arlesheimer Friedhof. Dort stand bis 1815 die Odilienkirche, die erstmals bereits 1341 erwähnt wird. Als die Kirchgemeinde Arlesheim den Dom 1815 gekauft hat und dieser zur Pfarrkirche wurde, wurde die Odilienkirche auf Abbruch verkauft – und einzelne Elemente wiederverwendet. «Die Bänke wurden nach Aesch verkauft und die Beichtstühle nach Ettingen», sagt von Heydebrand. Die Steine dienten als Baumaterial für den Weiherhof in Oberwil. Nachhaltigkeit im Sinne des 19. Jahrhunderts.

Noch nachhaltiger war der Bau der beiden ersten Gasthöfe Ochsen und Rössli, die heute noch stehen. Gebaut wurden sie 1692 beziehungsweise 1691 gegenüber der Trotte, wo früher Wein gepresst wurde. Ende des Rundgangs war beim Dorfbrunnen, hinter dem ein weiteres ehemaliges Schulhaus steht – heute das Traulokal, mitten im historischen Dorfkern.

Von Heydebrand erzählte noch vom Fallerhof und dem Sundgauerhof, ehe sie den Dorfrundgang beendete. «Ich hoffe, Sie haben alle etwas erfahren, das Sie noch nicht gewusst haben», endete die Arlesheimerin ihre Ausführungen. Sie hätte wohl noch stundenlang Anekdoten aus dem alten Arlesheim erzählen können, langweilig wäre es nicht geworden.

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