Arlesheim hat wieder Satire

Zum ersten Mal fand am Wochenende die Flügeli-Stubete statt. Neben konventionellen Schnitzelbängg wurde auch Poetry-Slam geboten.

Foto: Caspar Reimer
Foto: Caspar Reimer

Arlesheim hat wieder eine Vorfasnachtsveranstaltung – noch ist sie ein Geheimtipp, doch das könnte sich in den kommenden Jahren ändern. Die Rede ist von der Flügeli-Stubete, die am Samstag im Restaurant Adler ihre Premiere feierte. Bei Käswaie, Mählsuppe, Läberli, Röschti und Öpfelküechli bekamen die Besucherinnen und Besucher im Restaurant und im Bierkeller ein kleines, aber feines fasnächtliches Satire-Programm geboten. Dabei wurde niemand verschont – auch das Arlesheimer Gewerbe nicht. Beim Heimweh-Arleser Dissy ging es etwa um die Wurst: Er witzelte über Metzger Jenzer, der die eigenen Würste nicht isst, weil er nicht – oder nicht mehr – weiss, was «do alles drinne isch». Schnitzelbängg im klassischen Stil servierten die Schnapsbagge, die Dräggspatze und der Hornichopf. Während die Schnapsbagge sich über Themen aus Basel-Stadt lustig machten, widmeten sich die Dräggspatze vor allem dem Arlesheimer Dorfgeschehen: Der neui Ordnigsdienscht vom Dorf loht sich grad dischpensiere, er miess no vor Amtsatritt dr Schildersalat studiere. Der Hornichopf nahm FDP-Gemeinderat Lukas Stückelbergers Auftritt in «SRF bi de Lüt» auf die Schippe: Und der Stückelberger Lukas, mir höre s nit gärn, sig dr gröschti Fan, vomene Fuessballclub z Bärn.

An der Flügeli-Stubete gab es nicht nur konventionelle Fasnachtseinlagen: Für schallendes Gelächter sorgte der Basler Slam-Poet Maurice Koller, der in spritziger Sprache zwischen Poesie und Klamauk hin und her wechselte. Zu guter Letzt lieferte Trinni, Expat aus Holland, Balsam für die Arlesheimer Dorfseele: Es ging mir zwar gut in Reinach. Aber ich sagte zu meinem Mann: Reinach – das ist Provinz. Komm, wir gehen nach Arlesheim!

Zum Leben erwecken

Initianten der neuen Veranstaltung sind der Texter und Autor Jürg Seiberth sowie Anet Spengler, Fredy Schärmeli und Leslie Wachtler. «Arlesheim braucht wieder Satire», sagt Seiberth im Gespräch mit dem «Wochenblatt». Das Dorf hat eigentlich eine alte Fasnachtstradition: Bälle oder eine Beizenfasnacht waren lange Zeit fester Bestandteil des fasnächtlichen Treibens in Arlesheim. Nur in den letzten Jahren sei einiges eingeschlafen: «Wir sind jetzt etwas unterbelichtet, was Fasnacht anbelangt», berichtet Seiberth. Die neue Vorfasnachtsveranstaltung will dies nun wieder ändern: Seiberth kann sich gut vorstellen, dass sich die Flügeli-Stubete in den kommenden Jahren zu einer Art Beizen-Fasnacht weiterentwickelt.

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Generationenwechsel: Helene und Erich Rediger (links) übergeben das Steuer nach 30 Jahren an Daniel und Géraldine Rediger. Auch der zweijährige Mathou und der drei Monate alte Elio werden den Hof beleben. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim02.09.2026

«Wir begannen mit drei Rebsorten – heute sind es 16»

Seit 30 Jahren bewirtschaftet die Familie Rediger das Hofgut Birseck. Im Januar hat die junge Generation die Betriebsleitung übernommen. Mit einem Fest für die…
Feierte erst kurz vor der EM ihr Comeback: die Basler Hochspringerin Lea Bachmann vom LAS Old Boys Basel/Team Goldwurstpower. Foto: zvg / Alex Grymanis
Arlesheim26.08.2026

«Ich dachte sicher nie ans Aufhören, aber es war eine sehr schwere Zeit»

Am Samstag findet der «Goldwurst-Power Stab Event» statt. Seit 2024 nennt sich der Anlass auch «Anatoli Gordienko Memorial», nach dem verstorbenen Trainer der…
Publikumsmagnet: Das «Open-Air-Kino der besonderen Art» lockt jedes Jahr zahlreiche Menschen ins Wydehöfli. Foto: zvg
Arlesheim19.08.2026

«Wir öffnen unseren Garten, damit Menschen sich treffen und Gemeinsamkeiten finden können»

Zum elften Mal findet das «Open-Air-Kino der besonderen Art» statt. Neben den Filmen gibt es im Garten des Wohnheims Wydehöfli ein kleines Festprogramm.