Am dritten Dorfplatz scheiden sich die Geister

An einem Dialoganlass zur Neugestaltung ­Postplatz konnten ­Interessierte ihre ­Wünsche, Ideen und Bedenken einbringen.

Umstritten: Über die Zukunft des Postplatzes wird hitzig diskutiert. Foto: Jeannette Weingartner
Umstritten: Über die Zukunft des Postplatzes wird hitzig diskutiert. Foto: Jeannette Weingartner

Knapp 30 Personen hatten sich am ­vergangenen Samstagmorgen vor der Arlesheimer Trotte versammelt, um als Auftakt des Dialoganlasses zur Neugestaltung Postplatz an einem Rundgang durch das Dorfzentrum teilzunehmen. Bei strahlendem Sonnenschein lobte die Architektin Regine Nyfeler-Flubacher den historischen Ortskern über den grünen Klee – dieser sei schlicht einzigartig in der ganzen Region. Der Postplatz bei der Tramhaltestelle dagegen gleiche ­einem «luftleeren Raum, den man einfach durchquert, um zum eigentlichen Zentrum zu gelangen.» Ebendies wollen die Gemeinde, die Stiftung Landruhe und der BLT, die all drei auf dem Planungsperimeter Land besitzen, ändern.

Das Planungsbüro «Flubacher Nyfeler Partner» aus Basel hatte den Zuschlag im Rahmen des von der Gemeinde lancierten Studienwettbewerbs vor vier Jahren für sich entschieden: Der Vorschlag ­umfasst einen in Richtung Postplatz liegenden Erweiterungsbau der Stiftung Landruhe mit Gemeindebibliothek im Erdgeschoss und ein zweites Gebäude entlang der Tramgeleise. Dadurch entstehen ­einerseits am Postplatz zusätz­liche Nutzungsmöglichkeiten und andererseits eine Art Gasse, welche den ­Postplatz mit der Ermitagestrasse verbindet – so die Idee der Architekten. Beide Gebäude seien so konzipiert, dass sie in «Erscheinung und Massstab Bezug auf gewachsene Strukturen im Ortskern ­nehmen». In beiden Gebäuden sollen Dienstleistungsflächen im Erdgeschoss den Aussenraum bespielen –neben dem Domplatz und dem historischen Ortskern entstehe ein «dritter Dorfplatz» für Arlesheim.

Zu gross, zu wuchtig

Das Projekt «Postplatz» beschäftigt Gemeinde und Bevölkerung seit Jahren: Schon im Juni 2018 wurde eine Testplanung vorgestellt und im Februar hatten die Verantwortlichen zu einer weiteren Informationsveranstaltung eingeladen. «Wir wissen, dass es ein grosser Wurf an einem heiklen Ort ist», sagte Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP) nun am Samstag nach dem Dorfrundgang. In Gruppen wurden die Themen Architektur, zukünftige Nutzung, Verkehr sowie Umwelt und Ökologie diskutiert sowie Gedanken, Wünsche und Bedenken festgehalten. Wie bei solchen Bauvorhaben üblich, gab es Grundsatzkritik am Projekt: zu gross, zu städtisch, zu wuchtig.

Dabei wurde der Platz vor dem Gemeindehaus in Reinach immer wieder als schlechtes Beispiel vorgeführt – dieser sei leblos und steril; Arlesheim sollte seinen verspielten, dörflichen Charakter beibehalten. Da half auch der von der Architektin immer wieder vorgebrachte Hinweis nichts, dass sich die Bauweise an ebendiesem dörflichen Charakter orientiere. Weiter wurde über Flachdächer diskutiert, denn die neuen Gebäude zeichnen sich unter anderem dadurch aus.

In der Gruppe Ökologie wurden ebendiese Flachdächer breit diskutiert, denn: Weil es nicht «ganz einfach ist, auf dem Postplatz über einer Tiefgarage neue Bäume zu pflanzen, dienen die Flachdächer zur Begrünung und damit als ökologischer Ausgleich», so ein Vertreter der Gemeinde.

Streitpunkt Gebäude Zehntner

Für hitzige Diskussionen sorgte der Umstand, dass die alte Schreinerei Zehntner und der Pavillon der Stiftung Landruhe dem Neubau weichen müssen. Es sei gerade «dieser öffentliche Garten», der die Lebendigkeit des Ortes ausmache. Der Gemeindepräsident wies seinerseits darauf hin, dass das aktuelle Gebäude der Landruhe baufällig sei: «Es muss etwas gemacht werden.» Der Erweiterungsbau Landruhe sei zentraler Pfeiler des Projekts: «Das wäre ein Richtungsentscheid, denn soll das Zehntnerhaus bestehen bleiben, muss umgeplant oder sogar ganz neu begonnen werden.»

Das obligatorische öffentliche Mitwirkungsverfahren findet erst im kommenden Jahr und zu einem Zeitpunkt, an dem die Quartierplanung schon weiter fortgeschritten sein wird, statt. Danach kommt das Geschäft vor die Gemeindeversammlung.

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