Abschluss der Domkonzerte mit Bach:«Es muss ein stressiger Job gewesen sein»

Mit der Aufführung des gesamten Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach beendeten die Domkonzerte ihre 50. Saison. Weiter geht die Reihe im Mai mit einem Frühlingskonzert.

Gut besucht: Auch nach fast 300 Jahren vermag das Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs fast einen Dom zu füllen. Foto: Caspar Reimer
Gut besucht: Auch nach fast 300 Jahren vermag das Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs fast einen Dom zu füllen. Foto: Caspar Reimer

«Ein Tag ohne Bach ist ein verlorener Tag», sagte Peter Koller, Mitbegründer der Domkonzerte Arlesheim, am vergangenen Sonntag, nachdem drei der sechs Kantaten von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium abgespielt waren. Der zweite Teil des insgesamt rund zweieinhalb Stunden dauernden Werkes folgte am Dienstag. Mit der Aufführung von Bachs vielleicht bekanntestem Werk beendeten die 1974 gegründeten Domkonzerte ihre 50. Saison und feierten zugleich die Durchführung ihres 200. Konzertes. Für die Aufführung zeichneten die Basler Vokalsolisten und das Capricornus Consort Basel unter der Gesamtleitung von Sebastian Goll verantwortlich. Am Cembalo begleitete Domorganist David Blunden und an der Truhenorgel sein Amtskollege Markus Schwenkreis, der zugleich Präsident des Trägervereins Domkonzerte Arlesheim ist.

Dass die Domkonzerte hochstehende klassische Musik mit einer fast familiären Hingabe zum Publikum verbinden, bewies Schwenkreis, als er sagte: «Zwischen den Kantaten gibt es jeweils eine kurze Pause. In dieser können Sie aufstehen und sich mit Ihrer teilweise unbequemen Sitzgelegenheit neu arrangieren.» Doch weder sperrige Kirchenbänke noch die frostigen Temperaturen vermochten die Menschen abzuhalten – beide Konzertteile waren fast restlos ausverkauft.

«Das 1734 entstandene Weihnachts-oratorium hat volkstümliche Bekanntheit. Steht es auf dem Programm, ist das fast eine Garantie für einen glänzenden Konzertabend», sagte die Musikwissenschafterin Berit Drechsel an einem Einführungsvortrag. Dabei sei das Weihnachtsoratorium mit Blick auf Bachs Gesamtwerk keineswegs besonders hervorstechend, vieles sei sogar «künstlerischer Zweitaufguss» – Bach hatte das Oratorium aus Elementen bereits von ihm komponierter Werke zusammengesetzt.

Historische Belegbarkeit

Erstmals wurde es in sechs Teilen vom Thomanerchor zu Leipzig zwischen dem ersten Weihnachtstag 1734 und dem 6. Januar 1735, dem Epiphaniasfest, in der Nikolaikirche und in der Thomaskirche aufgeführt. «Es liegen gedruckte Texte aus dieser Zeit vor, aus denen sich nachlesen lässt, zu welchem Zeitpunkt welcher Teil des Weihnachtsoratoriums aufgeführt wurde.» Zudem habe Bach am Ende jeder Kantate das Abschlussdatum vermerkt.

«Vielleicht ist es die historische Belegbarkeit, die dazu geführt hat, dass das Werk heute noch gerne gehört und in Musikerkreisen ausführlich besprochen wird.» Auch interessant: Bach war in Leipzig – er war dort neben vielem anderem städtischer Musikdirektor – keineswegs glücklich, sondern kämpfte mit organisatorischen Problemen und schwierigen Vorgesetzten. «Man weiss, dass er immer wieder daran gedacht hat, die Stelle zu wechseln. Es muss ein stressiger Job gewesen sein.»

Renommierte Organisten und Vokalensembles

Seit 1974 erklingen auf der 1761 erbauten Johann-Andreas-Silbermann-Orgel des Doms mehrere Orgelkonzerte mit Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Europa. Ergänzt wurde die Konzertreihe von Beginn weg mit geistlicher Vokalmusik. Das erste Konzert der Saison 2026 wird am 3. Mai unter dem Titel «Da wurde mein Herz wieder leichter» zu hören sein. An der Orgel spielt der Niederländer Erwin Wiersinga.

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