Arlesheim
14.05.2020

Ein junges Start-up gibt Vollgas gegen Coronaviren

Haben den Türboss in nur vier Wochen realisiert (v. l.): Joël Steiner, Simon Bader, Jonas Giger und Michel Lüthi.  Fotos: ZVG
Türen mit dem Unterarm öffnen: Der Türboss macht’s möglich.

Haben den Türboss in nur vier Wochen realisiert (v. l.): Joël Steiner, Simon Bader, Jonas Giger und Michel Lüthi. Fotos: ZVG

Haben den Türboss in nur vier Wochen realisiert (v. l.): Joël Steiner, Simon Bader, Jonas Giger und Michel Lüthi.  Fotos: ZVG
Türen mit dem Unterarm öffnen: Der Türboss macht’s möglich.

Türen mit dem Unterarm öffnen: Der Türboss macht’s möglich.

Seit Montag gibt es diverse Lockerungen in Bezug auf Covid-19. Damit das so bleibt, hat das Start-up inavo GmbH mit dem Türboss ein effektives Produkt lanciert.

Von: Axel Mannigel

Es ist gar nicht so einfach eine Tür zu öffnen oder zu schliessen, ohne dabei die Hände zu Hilfe zu nehmen. Je nach Richtung, Klinke und den Abständen zur Wand ist die Nutzung einer Tür mittels Unterarme ein mühsames und auch zeitintensives Unterfangen. Es ist jedoch so, das Covid-19-Viren besonders an Türklinken haften bleiben. «Die Viren können mehrere Tage auf den Klinken überleben», so inavo-Mitbegründer Joël Steiner. Und Mitstreiter Michel Lüthi ergänzt: «Im Schnitt fasst man sich vier- bis achthundertmal täglich mit der Hand ins Gesicht.» Besonders mit Blick auf die Lockerungen ab dem 11. Mai und der damit verbundenen Öffnung von Schulen hatten Steiner und Lüthi mit ihren beiden Kollegen Jonas Giger und Simon Bader die Idee, einen besonderen Aufsatz für Türklinken zu entwickeln und zu produzieren. Diese Idee ist gerade mal sechs Wochen alt und schon seit zwei Wochen können die vier Jungunternehmer – alle sind Mitte 20 – die Türklinkenaufsätze mit dem Namen Türboss anbieten. «Angefangen haben wir mit zerschnittenen Schwimmnudeln und einem Brettchen», lacht Simon Bader. «Inzwischen besteht das Produkt aus korrosionsbeständigem Edelstahl», fügt Jonas Giger an.


Teil von Uptown Basel
Die vier Start-up-Gründer, alle in der Region aufgewachsen, kennen sich seit Kinder- und Jugendtagen. Ihre Studienfächer waren, beziehungsweise sind, für ihr Produkt relevant: Giger und Lüthi haben Maschinenbau studiert, Steiner Wirtschaftswissenschaften und Bader Betriebsökonomie.

Für das Gespräch mit dem Wochenblatt hatten die innovativen Köpfe in die Räume des Network Labs in Muttenz geladen, wo sie kurzfristig unterkommen konnten. Ihr Ziel ist es jedoch, Teil von Uptown Basel zu werden, dem Mammutprojekt am Schorenweg in der Arlesheimer Industriezone. «Ende April haben wir unser Projekt bei Uptown Basel gepitcht. Die Resonanz war grossartig. Wir werden dort unsere Büros beziehen und unseren Firmensitz haben», erklärt Simon Bader.

Das wird allerdings erst im Lauf von 2021 sein, wenn die ersten Gebäude bezugsbereit sind. Bis dahin haben die vier viel vor. «Der Türboss-Aufsatz ist erst der Anfang», schmunzelt Jonas Giger. «Wir haben viele Ideen, die sich vor allem auf die Bereiche Hygiene und Nachhaltigkeit beziehen», so Michel Lüthi. Jetzt aber liegt der Fokus voll auf den Türklinken und der Verhinderung des Ansteckungsrisikos. Steiner weiss: «In allen Grossbetrieben wie Unternehmen, Schulen, Spitälern und Verwaltungen gibt es unzählige Türen und Klinken und damit etliche Infektionsmöglichkeiten.»


Effizient und Swiss made
Im Besprechungsraum des Network Labs macht sich Michel Lüthi daran, den Aufsatz in der Praxis zu demonstrieren. Alles, was benötigt wird, ist der entsprechende Aufsatz, drei Kabelbinder und eine Zange oder Schere. Damit ist die Montage sehr einfach und schnell zu erledigen. Lüthi legt den Aufsatz auf die Klinke, zieht die drei Kabelbinder durch die entsprechenden Öffnungen und knipst sie ab: Der Tüross sitzt. Beim Selbsttest zeigt sich, dass die Tür angenehm zu öffnen und zu schliessen ist. Nun ist der kostengünstige Swiss-made-Türboss nicht die einzige Umsetzung dieser Idee. «Die meisten Produkte dieser Art kommen aus dem 3D-Drucker und sind aus Plastik», erklärt Joël Steiner. «Zum einen sind sie weniger beständig als solche aus Edelstahl, zum anderen ist nur das letztere Material für die Zertifizierung von Türklinken zugelassen.» Und letztlich würde sich der 3D-Druck nicht für hohe Stückzahlen eignen. Besonders an der Zertifizierung arbeitet das Team momentan mit Hochdruck. «Das Interesse am Produkt ist da und wir sind bereit», sagt Simon Bader.  Infos: www.tuerboss.ch.