Arlesheim
26.05.2022

Eine Hommage an die Vergangenheit und die Zukunft

Versenken die Zeitkapsel: (v.l.h.) Gemeinderat Jürg Seiberth, die Architekten Oliver Märki und Marco Sahli, Gemeindepräsident Markus Eigenmann; (v.l.v.) Gemeinderätin Monika Strobel und Projektleiterin Daniela Baum. Foto: Fabia Maieroni

Versenken die Zeitkapsel: (v.l.h.) Gemeinderat Jürg Seiberth, die Architekten Oliver Märki und Marco Sahli, Gemeindepräsident Markus Eigenmann; (v.l.v.) Gemeinderätin Monika Strobel und Projektleiterin Daniela Baum. Foto: Fabia Maieroni

Am Montag wurde der Grundstein für den ­Kultursaal in Arlesheim gelegt. Auch der Name, den der Saal tragen wird, wurde verkündet.

Von: Fabia Maieroni

Der Kultursaal, der nach vielen Jahren des politischen Ringens endlich gebaut wird, bewegt die Arlesheimerinnen und Arlesheimer; das wurde an der Grundsteinlegung am Montag schnell klar. Neben den Vertretern und Vertreterinnen des Gemeinderates, der Verwaltung, der Parteien und der Dorfvereine waren auch die unmittelbaren Nachbarn gekommen, um bei der Versenkung der «Zeitkapsel» dabei zu sein. Selbstredend fiel denn auch die Begrüssung der Gäste durch Gemeindepräsident Markus Eigenmann recht ausführlich aus.

Eigenmann rekapitulierte in seiner Ansprache noch einmal die Geschehnisse seit Januar, als der Spatenstich auf dem Gelände am Stollenrain erfolgt war. «Am Anfang wirkte es ja eher so, als würde hier nur ‹e bitz gsändelet›. Doch dann nahmen die Bauarbeiten rasch Fahrt auf; heute sind die Künstlergarderoben bereits fertiggestellt.»

Die beiden Architekten Marco Sahli und Oliver Märki hoben im Anschluss die architektonischen Besonderheiten des Baus hervor. Die Fassade des Saals, der als Solitärbau wahrgenommen werden soll, ist charakterisiert durch ein gefaltetes, bronzefarbenes Blech, das an einen Bühnenvorhang erinnern soll. Das grosszügige Fenster werde eine Sichtbeziehung zwischen Stollenrain und dem Saal erlauben, so die Architekten. Herzstück des Kulturgebäudes ist die variable Bühne. «Damit ist der Saal für unterschiedlich kulturelle Nutzungen, Feste, und Anlässe ausgelegt und somit multifunktional», hielten die Architekten fest. Das Dach werde ausserdem aus Arlesheimer Buchenholz hergestellt.

«Säle zu betreiben, gehört nicht zu den Kernkompetenzen einer Gemeindeverwaltung», meinte Gemeinderat Jürg Seiberth in seiner Rede. Deshalb habe der Gemeinderat rasch entschlossen, für den Betrieb einen Trägerschaftsverein einzusetzen, der von 14 Arlesheimer Vereinen gegründet wurde.

Setzerei, Sauerei, Setzwerk

Beim Spatenstich im Januar hatte die Gemeinde ihre Einwohnerinnen und Einwohner dazu aufgerufen, Vorschläge für die Benennung des neuen Saals einzureichen. 180 Vorschläge waren daraufhin bei der Gemeinde eingegangen. Die grosse Auswahl habe es der siebenköpfigen Jury nicht einfach gemacht, sich zu entscheiden, sagte Kulturchef Seiberth. «Die Jury tagte sage und schreibe drei Stunden und war sich am Schluss ... nicht einig. Drei Namen waren am Ende noch auf der Liste und alle wurden erbittert verteidigt. Also beschloss die Jury, die Vorschläge dem Trägerschaftsverein vorzulegen.» Dieser habe innert drei Sekunden einen Entscheid gefällt.

Nachdem Seiberth die Anwesenden eine ganze Weile auf die Folter gespannt hatte, verriet er schliesslich, für welchen Namen man sich entschieden hatte: «Setzwerk, Kulturhaus in Arlesheim». Dieser Name sei aus einer Art Teamwork entstanden. «Setzerei» wurde von einem Anonymus als Vorschlag eingegeben, der sich in einem späteren Brief «Eremit vom Gobenbach» nannte.

«Setzerei» ist eine Hommage an die ehemalige Druckerei Arlesheim, die ihren Sitz am Stollenrain hatte und einst auch das Wochenblatt herausgab. Der zweite Teil, also «Kulturhaus Arlesheim», stammt von Veronika Krauer. «Die Jury hat alles zusammengefügt und aus Setzerei Setzwerk gemacht, weil ihr Setzerei irgendwie zu nahe bei Sauerei war», erklärte Seiberth den neuen Namen. Die beiden Namensgebenden erhielten zum Dank einen Blumenstrauss und eine Inschrift auf einem Stuhl im Saal.

Zeitkapsel aus Metall

Am Ende der feierlichen Ansprache wurde schliesslich die Zeitkapsel, eine Art Metallröhre, gefüllt: Nebst Bauplänen, einer Tageszeitung und Gemeinderatsbeschlüssen zum Investitionskredit und zur Namensfindung wurden auch ein Corona-Selbsttest und eine Mundharmonika hineingelegt. Letztere diene als kleiner, aber würdiger Ersatz für das Alphorn, das eigentlich in die Zeitkapsel gehört hätte, weil die beiden Vereine «Alponom» und «Echo vom Birseck» – beide Gründungsmitglieder des Trägerschaftsvereins – 35 Spieler des Alphorns vereinigten, erklärte Seiberth. Die Wappenscheibe des Jodlerclubs hatte indes keinen Platz in der Metallröhre und wurde kurzerhand drangehängt.

Gemeinderätin Monika Strobel und Projektleiterin Daniela Baum versenkten die Zeitkapsel schliesslich in der dafür vorgesehenen Grube. Da es allerdings erst eine kleine Panne gab – insgesamt acht Schrauben sind zur Verschliessung der Kapsel notwendig, einige wollten jedoch nicht direkt halten – wurde die Metallröhre nach dem Foto noch einmal kurz herausgehoben und ordentlich verschlossen.

Jürg Seiberth machte in der Zwischenzeit noch auf eine Beobachtung aufmerksam: «Der Trägerschaftsverein wur­de am 23. März gegründet, die Grund­steinlegung findet heute, am 23. Mai, statt. Als Datum für die Eröffnungsfeier ist der 23. September 2023 vorgesehen. Die Zahl 23 scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Ich überlasse es Ihnen, dies numerologisch zu deuten.»