Arlesheim
06.10.2021

Feldschützen wollen in Arlesheim bleiben

Schiessanlage Gobenmatt: Das Domizil des Traditionsvereins liegt im Naturschutz- und Erholungsgebiet. Foto: Bea Asper

Schiessanlage Gobenmatt: Das Domizil des Traditionsvereins liegt im Naturschutz- und Erholungsgebiet. Foto: Bea Asper

Der Gemeinderat Arlesheim prüft Alternativen zur Schiessanlage Gobenmatt. Laut Feldschützenverein käme die Schliessung die Gemeinde teuer zu stehen.

Von: Bea Asper

«Unser Traditionsverein ist nicht mehr erwünscht», lautet das Fazit von Christian Schüpbach, Präsident der Feldschützen Arlesheim. Dem Gemeinderat von Arlesheim ist die Schiessanlage Gobenmatt, auf welche die Feldschützen für ihren Trainingsbetrieb und für ihr Kursangebot angewiesen sind, ein Dorn im Auge. Die Anlage liegt im Naturschutz- und Erholungsgebiet für Tier und Mensch – nach heutiger Gesetzgebung wäre eine solche Baute an diesem Ort nicht mehr denkbar.

Nach Ansicht einiger Arlesheimer Behördenmitglieder gäbe es in nächster Nachbarschaft gute Alternativen für die Feldschützen. Der Arlesheimer Verein könnte seine Tätigkeit ganz normal weiterführen. Die Feldschützen hingegen sind der Meinung, es wäre falsch die Schiessanlage Gobenmatt zu schliessen. Man würde den drittältesten Verein, der für die Gemeinde mit dem Angebot der obligatorischen Schiessen eine Pflicht erfüllt, vertreiben und dadurch Mehrausgaben verursachen, welche das Defizit der Gemeinde erhöhen würden, resümiert Schüpbach. Die Feldschützen führen kantonale und nationale Anlässe durch und engagieren sich im Schweizer Kurswesen für die Jungschützen. «Nach zwei Gesprächen mit Vertreten aus dem Gemeinderat hat sich gezeigt, dass die Angelegenheit seitens der Gemeinde nicht ausreichend abgeklärt wurde», hält Schüpbach fest und führt aus: «Der 147-jährige Arlesheimer Traditionsverein der Feldschützen erbringt seit Jahren die vom Bund und Kanton vorgeschriebene Dienstleistung für die Gemeinde. Bei ­einer Schliessung der Schiessanlage Gobenmatt muss sich die Gemeinde bei ­einer anderen Gemeinde in den Schiessstand einkaufen. Die Kosten wären um ein Vielfaches höher, als dies jetzt der Fall ist mit einem kleinen jährlichen Unterhaltsbeitrag.»

Stilllegung bedeutet Rückbau und Beseitigung der Altlasten

Vor allem aber käme die Stilllegung die Steuerzahlenden teuer zu stehen. Schüpbach geht davon aus, dass die Folgekosten 700000 Franken übersteigen würden. Die Gesetzgebung durch den Bund verlange nämlich den Rückbau der Anlage und die Beseitigung der Altlasten. Das Amt für Umwelt des Kantons Basel-Landschaft bestätigt dies auf Anfrage dieser Zeitung. Mit dem Ende des Schiessbetriebes verändern sich der Nutzen und die Anforderungen. Entsprechende Massnahmen müssten eingeleitet und finanziert werden. Die Feldschützen zeigen sich überzeugt, dass das Miteinander weiterhin möglich ist. «Nebst den Vereinsveranstaltungen wird die nähere Umgebung in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde, Bürgergemeinde und Landwirtschaftsbetrieben unterhalten. So pflegen wir die Grünanlagen und Baumbestände in Absprache auf Eigenregie und Kosten. Wir lieben unsere Gobenmatt, in welcher wir nicht nur das Schiesswesen im Sinne des Schweizerischen Schiesssport Verbandes (SSV) als Breitensport pflegen, sondern auch der Umgebung und Umwelt Sorge tragen», halten die Feldschützen fest.

Erster Schiessstand wurde 1904 aus Holz gebaut

Die Veranstaltungen würden sich im Jahr auf wenige Tage beschränken – und es gebe ausreichend Platz, um der Schiesstätigkeit aus dem Weg zu gehen. Alternative Routen seien bei den Sperrketten und Wegkreuzungen jeweils vermerkt. So wird auf die lange Tradition dieses Ortes verwiesen: «1904 wurde der erste Schiesstand aus Holz am heutigen Standort gebaut, welcher 1936 mit dem heutigen Gebäude ersetzt wurde.» Seither folgten weitere An- und Umbauten, darunter fallen die Schützenstube und der Munitionskeller. Der Scheibenstand sei gemäss eidgenössischen Vorgaben saniert worden. «Dank moderner Auffangkästen sind Kugelfang und Dorfbach nachweislich frei von Blei und anderen Rückständen.» Patronenhülsen würden eingesammelt und einem zertifizierten Recycling-Unternehmen übergeben, sagen die Feldschützen.

Ob und wann die Schiessanlage Gobenmatt geschlossen werden soll, ist derzeit bei der Gemeinde nicht in Erfahrung zu bringen. Gemeindepräsident Markus Eigenmann sagte auf Anfrage, «dass die Gespräche und Verhandlungen noch am Laufen sind. Sollte der Gemeinderat zu einem definitiven Entscheid kommen, wird er diesen kommunizieren.»