Arlesheim
08.07.2020

Im Bann des Bösen: Cybermobbing und dämonische Rituale

Mystisch, gruselig, infernalisch: Timothée Wahlen mit seinem neuen Krimi.  Foto: Thomas Brunnschweiler

Mystisch, gruselig, infernalisch: Timothée Wahlen mit seinem neuen Krimi. Foto: Thomas Brunnschweiler

Der Arlesheimer Timothée Wahlen hat mit dem Roman «Rauhnächte» seinen zweiten Krimi publiziert. Dieses Mal geht es um Cybermobbing. Das Wochenblatt hat mit dem Autor gesprochen.

Von: Thomas Brunnschweiler

Wochenblatt: Nach Ihrem Debütroman «Erntezeit», in dem es um umweltethische Fragen geht, stehen in «Rauhnächte» Cybermobbing und dämonische Rituale im Zentrum. Wie kamen Sie auf dieses Thema?
Timothée Wahlen: Cybermobbing war das Thema meiner Bachelorarbeit im Studium der Sozialpädagogik. In der Jugendarbeit ist es ein Dauerthema, das mich sehr beschäftigt. Das zweite Thema der rituellen Gewalt und des Satanismus wurde von anderen Leuten an mich herangetragen. Tatsächlich ist die Beweislage in diesem Bereich sehr dünn. Als Aufhänger diente mir das Rauhnächte-Ritual im Dezember, das gerne in esoterischen Kreisen genutzt wird. Ich hatte die Idee, die beiden Themen zu verbinden. In der Geschichte ergibt das Sinn.


Der Untertitel des Buches lautet «Im Bann des Bösen». Was ist für Sie das Böse?
Das Böse ist für mich das, was anderen Lebewesen, Menschen oder Tieren, schadet. Indem ich anderen Leid zufüge, schade ich auch meiner Psyche. In meinem Krimi wird der Täter immer stärker in den Bann des Bösen gezogen, obwohl er sich dagegen wehrt. Das Böse ist auch in der Schulklasse präsent, und zwar in einer alltäglicheren und akzeptierteren Form. In Hinsicht auf meine moralischen Grundsätze gibt es Böses. Wer einen Resten Empathie besitzt, weiss, wenn er etwas tut, das falsch ist.


Vom Genre her ist der Krimi eine Mischung eines Ritualmord-Thrillers und einer Art Liebesgeschichte. Im Gegensatz etwa zu «Das Foucaultsche Pendel» von Umberto Eco fehlt aber die Ironie. Ist mit dem Bösen nicht zu spassen? Oder wie erklärt sich das Fehlen einer ironischen Brechung?
Ja, die Geschichte ist ohne Ironie erzählt. Die beiden Themen sind für mich zu ernst, als dass ich sie ironisieren könnte. Zwei der Protagonisten agieren übrigens schon im ersten Roman: Kommissar Schär und Isabelle Koch.


Der Ausgang des Romans stimmt hinsichtlich der Kraft der Vernunft eher pessimistisch. Ist das eine Warnung des Autors an die Leser?
Ich bin nicht der Happy-End-Schreiber. Tatsächlich stimmt das Weltgeschehen pessimistisch. Man könnte beim Lesen das Gefühl bekommen, dass man nichts gegen das Irrationale und Böse machen kann. Aber ich persönlich bin der Meinung: Jeder kann etwas dagegen tun. Aufklärung und Bildung sind wichtig, das Böse im Unbewussten zu bekämpfen.
Es fällt auf, dass Sie die Schauplätze sehr gut kennen. Waren Sie auch schon im Nidlenloch auf dem Weissenstein?
Sogar mehrmals. Im Buch fliessen eigene Erfahrungen ein. Ohne die eigene Erfahrung hätte ich das Beklemmende der Höhle nicht schildern können. Auch den Chienbäse, die Schauenburger Fluh oder das geschilderte Rheinufer kenne ich gut.


Ist es schwierig, einen Verlag für das zweite Buch zu finden?
In meinem Fall nicht, weil ich in beiden Fällen denselben Verlag gewinnen konnte. Gewisse Passagen habe ich entschärft. Es war zwar eine Art von Selbstzensur, aber am Schluss stimmte es für mich.

Haben Sie bereits ein Thema für ein nächstes Buch?
Ja, es geht darum um den Raubbau im Meer, insbesondere um Rohstoffe in der Tiefsee.

 

Timothée Wahlen: Rauhnächte. Im Banne des Bösen, IL-Verlag, Basel 2020, 286 S., Fr. 21.50.