Arlesheim/Gempen
01.07.2020

Helm auf und ab aufs Bike!

Liegt im Trend: In der Schweiz ist Mountainbiken mittlerweile beliebter als Fussballspielen - auf professionellen Trails in der Region können Bikerinnen und Biker ihrer Leidenschaft freien Lauf lasssen.  Foto: ZVG

Liegt im Trend: In der Schweiz ist Mountainbiken mittlerweile beliebter als Fussballspielen - auf professionellen Trails in der Region können Bikerinnen und Biker ihrer Leidenschaft freien Lauf lasssen. Foto: ZVG

Mountainbiken erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die MTB Trails in Arlesheim und Gempen ermöglichen Fahrspass und Erholung in der Natur.

Von: Fabia Maieroni

Helm, Handschuhe, Sonnenbrille und Knieschoner sitzen – nun kann es mit der Abfahrt losgehen. Kevin Suhr steht mit seinem Bike auf dem ausgebauten Mountainbike Trail in Arlesheim und steigt in die Pedale. Los geht die Fahrt über Steine, kleine Stöcke, hinein in die Kurve. Zum Schluss springt er über einen Absatz – die Landung gelingt ihm souverän.
Kevin Suhr arbeitet ehrenamtlich bei Trailnet, ein Bikenetzwerk, das die Interessen der Bikerinnen und Biker in verschiedenen Regionen vertritt. Trailnet legt auch die sogenannten Trails, also spezielle Mountainbikewege, an. Einen davon findet man in Arlesheim. «Dieser Trail ist gut geeignet für Biker, die schon etwas Übung haben und sich auf Ihrem Fahrrad sicher fühlen. Er wurde im Mai 2018 angelegt», sagt Suhr. Seither werde er von den Bikern der Region rege genutzt. Im Schnitt verzeichnet das Messgerät 40 bis 70 Abfahrten pro Tag. Und auch an unserem Interviewtag bleiben wir hier trotz des unsicheren Wetters nicht die einzigen. Wir hören schon bald, dass ein weiterer Biker unterwegs ist – er hat eine sogenannte Trailbell am Lenker, also eine kleine Glocke, die ihn ankündigt. Wir machen Platz und grüssen den Bikekollegen. Kevin Suhr erklärt: «Es ist wichtig, dass wir respektvoll und aufmerksam mit anderen Waldnutzern und Tieren umgehen. Dafür setzen wir uns bei Trailnet ebenfalls ein.» Plötzlich ziehen dunkle Wolken über Arlesheim auf. Was mit einem leichten Sommerregen beginnt, endet innert Kürze mit starkem Hagel. Das Bike wird schnell ins Auto geladen und wir fahren zurück auf die Redaktion. Für heute ist der Bikespass zu Ende.


Bewilligungsverfahren ist langwierig
Gebaut sei ein solcher Trail, wie er im Arlesheimer Wald zu finden ist, recht schnell. «Die Arbeiten dauern etwa zwei Wochen», sagt Suhr. Man habe gemerkt, dass es zumeist sinnvoll sei, den Bau einer professionellen Firma zu übergeben. «Unser Ziel ist es, den Wald so wenig wie möglich zu verändern. Die Arbeiten gehen schneller voran, wenn Profis am Werk sind.» Um eine Bikeabfahrt zu bauen, braucht es Bewilligungen. Diese zu erhalten, sei nicht immer einfach, erklärt Suhr. Bis eine geeignete Route definiert worden sei, dauere es zum Teil Monate bis Jahre. Grundsätzlich würden Expertisen von Botanikern und Förstern miteinbezogen, um die optimale Route zu finden. «Gibt es an einem Ort zum Beispiel geschützte Pflanzen, so bauen wir dort natürlich keinen Trail.»


Den Wald schonen
Mountainbikerinnen und -biker haben bei einigen Waldnutzern nicht den besten Ruf. Wanderer können sich erschrecken, wenn Biker von hinten anfahren. Dem sei man sich bewusst, sagt Suhr. Es sei deshalb enorm wichtig, dass man sich als Fahrradfahrer frühzeitig ankündige und das Tempo drossle. Er ist aber auch überzeugt: «Der grösste Teil kommt problemlos miteinander klar.» Es sei ein kleiner Prozentsatz, der sich nicht an die Regeln halte. Die Trails in Gempen und Arlesheim seien auch entstanden, um Konflikte zu minimieren. Das bestätigt auch Fredi Hügi, Förster in der Forstbetriebsgemeinschaft Arlesheim/Münchenstein. «Die Idee des Trails ist es, dass die Biker dort ihrem Sport nachgehen können und dadurch die anderen Waldgebiete entlastet werden. Diese Entflechtung soll dazu beitragen, dass Konflikte seltener werden.» Das funktioniere in Arlesheim «bedingt gut», sagt Hügi. Während des Lockdowns sei der Wald regelrecht von Besucherinnen und Besuchern geflutet worden. So sei es immer wieder zu Konflikten gekommen: Aber nicht wegen der Biker, sondern weil ganz allgemein mehr Menschen im Wald unterwegs waren. Es brauche gegenseitige Rücksichtnahme, sagt Hügi. «Durch das Fahren abseits der befestigten Wege kann man viel im Wald kaputt machen. Auch das Wild braucht seine Ruhezonen», erklärt Hügi weiter. Deshalb komme es allen Waldnutzern und -bewohnern zu gute, wenn Biker die professionell angelegten Trails nutzten.

Auch Kevin Suhr bestätigt, dass sich diesen Frühling mehr Biker im Wald aufhielten: «Im April wurden auf dem Arlesheimer Trail im Schnitt 120 Fahrten pro Tag verzeichnet. Normalerweise sind es etwa halb so viele.»


Mountainbiken ist beliebter als Fussball
Rund acht Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fahren regelmässig Mountainbike. Damit hat der Bikesport mittlerweile sogar den Hobbyliebling Fussball überholt, wie eine Studie des Bundesamtes für Sport zeigt. Die meisten Biker sind in ihrer Region unterwegs und nicht an Tourismus-Destinationen. «Im Birseck und Dorneck gibt es zwei ausgebaute Mountainbike-Trails, den Trail im Arlesheimer Wald und den Gempen Nord Trail.» Letzterer sei auch für Anfänger gut geeignet. Dennoch empfiehlt Suhr Fahranfängern, einen Kurs zu besuchen. «Dabei lernt man, wie man das Bike unter Kontrolle behält, aber auch, wie man die Umwelt und besonders den Waldboden schützt», erklärt der leidenschaftliche Biker, der drei bis fünf Mal die Woche trainiert.
Wer nun Lust verspürt, sich in den Sommerferien selbst auf’s Bike zu schwingen, findet alle wichtigen Informationen auf trailnet.ch oder unter bikebaselland.ch. Dort erhält man auch eine Mountainbike-Karte mit den besten Routen.