Andere Länder, andere Bilder

Die neuste Ausgabe Kunstdialog bringt Werke aus Armenien, Indien, Deutschland und der Schweiz im Atelierhaus zusammen.

Unter einem Dach: (v. l.) Therese Weber, Viveek Sharma, Shahane Shahbazyan, Rochus Lussi und Sophie Musoyan. Foto: Caspar Reimer
Unter einem Dach: (v. l.) Therese Weber, Viveek Sharma, Shahane Shahbazyan, Rochus Lussi und Sophie Musoyan. Foto: Caspar Reimer

Es ist eine künstlerische Reise, die derzeit im Atelierhaus Arlesheim am Fabrikmattweg 1 zu sehen ist. Sie führt über Armenien und Indien zurück nach Deutschland und in die Schweiz. Die fünfte Ausgabe der Ausstellung Kunstdialog, die am Mittwoch vergangener Woche im Beisein der Künstlerinnen und Künstler eröffnet wurde, erzählt Geschichten und stellt Themen in den Raum, die zwar universal Geltung haben, in ihrer künstlerischen und geschichtlichen Prägung jedoch von ihrer Herkunft gezeichnet sind: So zeigt die 1998 in der armenischen Hauptstadt Yerevan geborene Künstlerin Shahane Shahbazyan in einer düster anmutenden Mischung aus Malerei und Collage den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, der im Herbst 2020 ausgebrochen war: «Als Künstlerin konnte ich mit der neuen Realität nur fertig werden, indem ich mich von der Welt abkapselte, mich in mein Atelier zurückzog und meinen inneren Schmerz in meine Kunst einfliessen liess», erzählt sie.

Es sei schwierig, die Emotionen zu beschreiben – Menschen, die mit gefrorenem Blick durch die Strassen ziehen, prägten das Bild. Um «Gefühle, die in unseren eigenen Ketten gefangen sind» geht es in den Bildern der ebenfalls aus Jerewan stammenden Künstlerin Sophie Musoyan. Im Rahmen des 1986 von der Christoph-Merian-Stiftung gegründeten Austauschprogramms «Atelier Mondial» wurde sie für ein Atelier-Stipendium der Stadt Freiburg ausgewählt.

Bedeutende Protagonistin der Papierkunst

Ganz anderer Art als die armenischen Exponate wirken die Werke des indischen Künstlers Viveek Sharma – es mutet ihnen etwas Magisches an: Er sammelt die vielschichtigen Realitäten der Stadt Mumbai und die Porträts ihrer Menschen, dargestellt in einer differenzierten Bildsprache. Sharma gilt als Botschafter für die moderne, zeitgenössische indische Kunst, seine Werke waren bereits an Ausstellungen in Europa und Amerika zu sehen. Wie ein Kontrast wirken dazu die Werke der beiden Künstlerinnen aus Deutschland: Der Fotografie von Situationen und Momenten des Alltäglichen, Zufälligen und Temporären widmet sich Sabiene Autsch und Dorothea Reese-Heim zeigt ambitionierte Röhrenskelette und räumlich fein gezeichnete Strukturen. Die Objekte des Schweizer Bildhauers Rochus Lussi und «Zeichen des Augenblicks» der Kura­torin Therese Weber – eine Kalligrafie und Zeichnung auf gegossene Maulbeerstrauchfasern – runden die Ausstellung ab.

«Kunstdialog heisst, verschiedene Kulturen zusammenzubringen, gegenseitig zu reflektieren und herauszufinden, was das Spezielle, das Einzigartige an der Kunst eines Kulturkreises ist», sagt Kuratorin Therese Weber. Die Baselbieterin gilt als eine der bedeutenden Protagonisten der Papierkunst weltweit, forscht auf diesem Gebiet und vertrat die Schweiz an Ausstellungen etwa in Japan, Taiwan und in den USA. «Immer wieder unternehme ich Reisen in fremde Länder, um neue Forschungen anzustellen.»

Ursprung in Armenien

Schon als 1989 das Atelierhaus Arlesheim eröffnet wurde, habe man sich um Kunstvermittlung bemüht. «Die Ausstellung Kunstdialog gründete ich nach einer längeren Reise durch Armenien. Dort lernte ich Künstlerinnen und Künstler kennen, die von meiner Idee, ihre Kunst in der Schweiz auszustellen, sofort begeistert waren.» Für armenische Kunstschaffende sei es nicht einfach, international auszustellen – der Kunstdialog sei für sie ein Sprungbrett. Was 2016 in Zusammenarbeit mit Kulturdialog Armenien begann, zeigt jetzt ein «erweitertes Gefüge künstlerischer Positionen und Denkweisen aus vier Ländern».

Obwohl Therese Weber bald ihren 70.  Geburtstag feiert, denkt sie keineswegs ans Aufhören. Ihre Energie für das künstlerische Schaffen scheint unerschöpflich – für 2023 ist ein Gesamtkunstwerk «Grenzen und Kulturen im Diskurs» in der Christuskirche im deutschen Düren geplant.

Kunstdialog; 15. Juni bis 3. Juli im Atelierhaus Arlesheim, Fabrikmattweg 1; Mi und Fr, 16–19 Uhr, Sa, 2. Juli, 13–17 Uhr, So, 13–17 Uhr; www.atelierhaus-arlesheim.ch

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Die Zusammensetzung bis Ende November: (v. l. hinten stehend) Felix Berchten (Frischluft), Markus Eigenmann (FDP), Brigitte Treyer (FDP), Lea Mani (SP);(v. l. sitzend) Hartmut Vetter (Frischluft), Monika Strobel (parteilos) und Peter Vetter (SP). Fot
Arlesheim17.12.2025

Wer beerbt Eigenmann und Strobel?

Mit der Wahl von Markus Eigenmann (FDP) in den Regierungsrat und dem Rücktritt der parteilosen Monika Strobel kommt es im Gemeinderat zu einer Doppelvakanz.…
Umtriebiger Arlesheimer: Der gute Anschluss an den öffentlichen Verkehr war für Lorenz Degen ausschlaggebend für die Wahl seines Wohnortes. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim10.12.2025

Feuer und Flamme für Literatur

Der Arlesheimer Lorenz Degen ist Mitbegründer der Literarischen Gesellschaft Baselland. Über die letzte Hinrichtung im Baselbiet hat der Historiker ein Drama…
Weisse Weihnachten oder gute Gesundheit: Die unterschiedlichen Wünsche können an den Baum gehängt werden. Ob sie in Erfüllung gehen? Foto: Caspar Reimer
Arlesheim03.12.2025

Weisse Weihnachten oder gute Gesundheit: Was wünschen Sie sich?

Am Montag wurde auf dem Arlesheimer Domplatz ein Wunschbaum eingeweiht. Während der ganzen Adventszeitkönnen Menschen dort ihre Wünsche anbringen.