Muss der Zirkus wegen eines Pharmakonzerns aufgeben?

Dem Jugendzirkus Robiano ist es an seinem Premierenwochenende in Arlesheim einmal mehr gelungen, die Besucher mit einem anspruchsvollen Programm zu verzaubern.

Würfel in allen Variationen: Die Metallkuben dienten den Artisten des Robiano als Kulisse, Bürozimmer, Reck, Tribüne und sogar als Trapez.  Foto: ZVG
Würfel in allen Variationen: Die Metallkuben dienten den Artisten des Robiano als Kulisse, Bürozimmer, Reck, Tribüne und sogar als Trapez. Foto: ZVG

Die Stimmung im Winterlager der Artisten ist gedrückt. Denn am nächsten Morgen muss die Gauklertruppe das Fabrikgelände geräumt haben, es bleibt ihnen nur «no fascht e Nacht». Die Novapharm, der das Gelände gehört, will mit dem Bau einer neuen Fabrikhalle beginnen. Die Artisten schwelgen in Erinnerungen und blicken düster in die Zukunft. Müssen sie ihr geliebtes Zirkusleben aufgeben? Ungeduldig warten sie auf Nico, der sein Glück bei einem Gespräch mit der Novapharm versucht. Als er endlich zurückkommt, kann er den Gauklern zwar ein Angebot der Firma anbieten. Allerdings gibt es eine Bedingung, die sich als grosser Haken entpuppt. Und so ist die anfängliche Euphorie und die Freude über die von der Novapharm gesponserten Glitzerkostüme bald getrübt und die Truppe muss sich zwischen Nächstenliebe und Glitzer entscheiden.


Vielseitig und ästhetisch

Das neue Programm «no fascht e Nacht» begeisterte die Zuschauer mit einem gelungenen Mix aus Akrobatik, Tanz und ästhetischen Kunststücken. Die fünfköpfige Zirkuskapelle sorgte wie gewohnt für stimmige musikalische Begleitung. Egal ob am Vertikalseil, am Boden, im eisernen Würfel, am Laternenpfahl, beim Seiltanz, mit den Diabolos oder beim Jonglieren: Die 21 Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren verzauberten mit anspruchsvoller Artistik. Die vielen Zweiernummern faszinierten durch ein gut aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel. Mit Liedern, Dialogen und melancholischen Momenten gab das Programm auch den einen oder anderen Gedankenanstoss.

Regie führte dieses Jahr der aus Arlesheim stammende Schauspieler Tobias Schaller, der als Jugendlicher selber sieben Jahre lang beim Robiano dabei war. «Es war wunderschön, wieder zum Robiano zurückzukommen. Die Zeit als Artist beim Jugendzirkus war sehr prägend für mich. Ich zehre noch heute davon», erzählt er dankbar. Das diesjährige Bühnenbild hat Tobias Schaller zusammen mit Benjamin Gautier gebaut. Statt der klassischen Zirkusmanege spielt sich das Programm inmitten von Metallfässern und allerlei Überbleibsel eines alten Fabrikgeländes ab. «Ich wollte die Umgebung der Geschichte möglichst wahrheitsgetreu zeigen. Das brachte für die Artistik zwar auch Schwierigkeiten mit sich. Für die Kinder ist es aber ein tolles Erlebnis, in dieser Kulisse Zirkus machen zu können», sagt Schaller. Ein Programm wie das des Robiano ist nicht ohne eine grosse Portion Engagement sowohl von der jungen Artistengruppe als auch von den vielen freiwilligen Helfern möglich. Monatelanges Training, elf Probe-Wochenenden und ein zehntägiges Sommerlager erfordern Ausdauer und einen langen Atem. Als Belohnung durfte die Robiano-Truppe am Premierenwochenende viel Begeisterung und Applaus vom Publikum ernten. Weitere Vorstellungen finden unter anderem beim Schulhaus Fiechten am 7. und 8. Oktober in Reinach statt.

<link http: www.robiano.ch>www.robiano.ch

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