«Individuelle Wohnformen sind die Zukunft»

Die Stiftung Obesunne bietet eine neue Wohnform an und will damit eine Lücke zwischen individuellem Wohnen und Pflegeheim schliessen. Die ersten Wohnungen sind bereits vermietet.

Bereit für die ersten Bewohner: Geschäftsführer Reto Wolf (l.) und Peter Stutz, Leiter Pflege und Betreuung, im Gemeinschaftsraum des neuen Traktes. Foto: Fabia Maieroni
Bereit für die ersten Bewohner: Geschäftsführer Reto Wolf (l.) und Peter Stutz, Leiter Pflege und Betreuung, im Gemeinschaftsraum des neuen Traktes. Foto: Fabia Maieroni

Neue Wohnformen für das Leben im ­Alter sind gefragt, individuelle Lösungen und Angebote für die immer älter werdende Bevölkerung sind beliebt. «Wir werden auch in den kommenden Jahrzehnten einen deutlichen Zuwachs an über 80-Jährigen verzeichnen», ist Reto Wolf, Geschäftsführer der Stiftung Obesunne, überzeugt. Aufgrund dieser Entwicklung hat die Stiftung ein neues Angebot geschaffen, das eine Lücke schliessen soll zwischen dem Wohnen in den eigenen vier Wänden mit individueller Betreuung und dem Pflegeheim. «Pflegenahes Wohnen» nennt die Stiftung ihre neue Wohnform, für die das bestehende Pflegeheim um eine Etage aufgestockt wurde. In dem neuen Trakt, der räumlich vom Pflegeheim abgetrennt ist und ganz aus hellem Holz gebaut wurde, sind acht Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen entstanden, vier weitere werden aus dem alten Bau noch dazukommen. Die rund 35 Quadratmeter grossen Räume verfügen über eine kleine Küche, ein Badezimmer sowie einen bereits eingebauten Fernseher und bieten vom Balkon aus direkte Sicht auf das Goetheanum. Ein heller Gemeinschaftsraum lädt zum Verweilen ein. Die Mahlzeiten sind inbegriffen, Pflegeleistungen können nach Bedarf und Situation optional gebucht werden. Die Grundkosten liegen bei rund 3500 Franken pro Monat. Das sei recht preiswert, denn: «Ein Platz im Pflegeheim kostet mindestens 6000 Franken», erklärt Reto Wolf auf dem Rundgang durch den neuen Wohntrakt.

Bereits neun Logis vergeben

Das Konzept ist in dieser Form in der ­Region Basel neu. Es richte sich an Menschen mit «tieferer Pflegestufe», die zwar Einschränkungen haben, ihr Leben aber weitgehend selbstständig bestreiten können. Reto Wolf sieht das Angebot als ­Ergänzung zum Alters- und Pflegeheim. «Pflegeheime wird es immer brauchen. Aber die vorgelagerten Angebote helfen, dass diese nicht ausgebaut werden müssen.» Das «pflegenahe Wohnen» eignet sich für Einzelpersonen mit gesundheitlichen Einschränkungen, die noch nicht auf eine intensivere Pflege angewiesen sind oder nur punktuell Pflege- und Betreuungsbedarf haben. Wohnungen für Paare seien aktuell nicht angedacht, man sei aber offen dafür, sollte der Bedarf wirklich da sein, erklärt Wolf. Die Nachfrage für die Logis sei schon jetzt gross, obwohl man keine Werbung gemacht habe, betont Wolf. Bereits neun der insgesamt zwölf Logis sind vergeben, die ersten Bewohnerinnen und Bewohner sind am Montag eingezogen. Vier weitere Wohnungen sollen noch folgen, so dass die Stiftung Obesunne am Schluss insgesamt 16 solcher Logis anbieten kann. «Individuelle Wohnformen sind die Zukunft. Die Kunden von morgen wissen genau, was sie wollen, und suchen auch entsprechend nach alternativen Wohnformen im Alter», ist Wolf überzeugt.

Ob sich diese Wohnform für einen Kunden oder eine Kundin eigne, werde vorgängig in Gesprächen sorgfältig geprüft, erklärt Peter Stutz, Leiter Pflege und Betreuung. Da die Obesunne diverse Wohnformen anbiete, könne man gut auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse eingehen, ist Stutz überzeugt.

EL-Bezüger benachteiligt

Das Nachsehen hat momentan noch, wer Ergänzungsleistungen bezieht. Denn die Behörden sehen die Logis gemäss Gesetz als normale Wohnung an. Deshalb würden Bezüger von Ergänzungsleistungen möglicherweise zu wenig finanzielle Unterstützung erhalten. Anpassungen sind sowohl auf nationaler wie auch auf kantonaler Ebene angelaufen. Die Stiftung ist mit dem Gemeinderat im Austausch, um eine kommunale Lösung zu erarbeiten.

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