Am Montag wird gespuckt

Die Corona-Massentests sind an der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein gut angelaufen. Die Beteiligung ist hoch. Die Schulleitung muss sich aber auch Kritik anhören.

Für den «Pool»-Test: Co-Schulleiterin Manuela Noser und Lehrer Paolo Filipuzzi legen die Röhrchen in die Sammelkiste. Foto: Tobias Gfeller
Für den «Pool»-Test: Co-Schulleiterin Manuela Noser und Lehrer Paolo Filipuzzi legen die Röhrchen in die Sammelkiste. Foto: Tobias Gfeller

Eine Lehrperson nach der anderen bringt die mit Speichel gefüllten Röhrchen ins Kopierzimmer im Provisorium der Schulanlage Gerenmatten und legt sie in die bereitgestellten Boxen. Die Speichelproben haben die Schülerinnen und Schüler am gleichen Morgen zu Hause abgegeben. Dafür müssen sie während rund zehn Sekunden mit einer Salzlösung den Mund spülen und die Flüssigkeit danach ins Röhrchen spucken. Weil sie dafür nüchtern sein müssen, hat die Schulleitung der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein entschieden, dass die Jugendlichen die Tests zu Hause durchführen, damit sie vor dem Unterricht noch etwas essen können. Das habe sich so bewährt, sagt die für sämtliche Belange der Corona-Pandemie zuständige Co-Schulleiterin Manuela Noser. «Es ist zum Teil sogar so, dass die erste Schülerin oder der erste Schüler, die oder der am Montagmorgen an den Test denkt, in den Klassenchat schreibt und seine Mitschülerinnen und Mitschüler daran erinnert.» Die abgegebenen Speichelproben werden klassenweise zusammen abgefüllt und als «Pool» getestet. Wird in einem solchen Pool das Coronavirus nachgewiesen, müssen alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Klasse zum individuellen PCR-Test ins kantonale Testcenter nach Muttenz und die Klasse geht für mindestens einen Tag in den Fernunterricht.

Regelmässiger Kontakt mit Eltern

92 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein machen bei den Massentests, die vom Kanton Baselland aus organisiert werden, mit. «Die Bereitschaft ist wirklich erfreulich», lobt Manuela Noser. Das hat auch damit zu tun, dass die Schulleitung seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen engen Austausch mit den Eltern pflegt und wöchentlich einen Newsletter mit den neusten Informationen verschickt. Doch es gebe halt auch eine Minderheit, die an den Massentests nicht teilnehmen will und noch eine kleinere Minderheit, die sich offensiv gegen die Massentests wehrt. Zwar sei dies in Arlesheim und Münchenstein nicht ganz so extrem wie anderswo, bestätigt Co-Schulleiterin Manuela Noser, doch die Massentests würden schon zu Diskussionen unter den Eltern führen, gerade auch, wenn Eltern offensiv dagegen opponieren. «Jene, die mitmachen, finden es natürlich gar nicht toll, dass jene, die nicht teilnehmen, dann auch nicht zum einzelnen PCR-Test müssen.» Zwar wird vom Kanton angeraten, dass sich nach einem positiven Pool die ganze Klasse testen lässt, doch eine gesetzliche Grundlage dafür gibt es nicht.

Manuela Noser muss sich vereinzelt von Eltern immer wieder Kritik anhören, obwohl sie eigentlich nur das ausführende Organ an der Schule ist. «Ich muss dann immer darauf hinweisen, dass sämtliche Entscheidungen vom Kanton gefällt werden.» Für die Co-Schulleiterin ist klar: «Oberste Priorität hat, dass wir den Präsenzunterricht aufrechterhalten können. Und dazu leisten die Massentests einen wichtigen Beitrag.»

Massentests für Präsenzunterricht

Das Lehrerkollegium geht mit gutem Beispiel voran, auch wenn die Beteiligung von 82 Prozent leicht tiefer ist als bei den Schülerinnen und Schülern. Dies hänge damit zusammen, erklärt Noser, dass viele Lehrpersonen am frühen Montagmorgen noch frei hätten. «Es geben mehr Lehrpersonen eine Speichelprobe ab, als tatsächlich in diesen Lektionen Unterricht haben.»

Damit betrage die Beteiligung eigentlich über hundert Prozent. «Vereinzelt kommen Lehrpersonen ohne Unterricht extra zur Schule, um ihren Speicheltest abzugeben.»

Auch Lehrer Paolo Filipuzzi ist mit grossem Engagement dabei – genauso wie seine Klasse. «Es ist wirklich einfach und praktikabel zu handhaben. Das erste Mal herrschte noch eine grosse Aufregung. Jetzt ist es schon Routine.» Jeweils am Sonntagabend verschickt Filipuzzi über die Onlineplattform «Teams» eine Erinnerungsnachricht an seine Klasse. Er ist überzeugt, dass seine Schülerinnen und Schüler den Sinn und Zweck der Massentests verstehen. «Die Mehrheit hat realisiert, dass der Unterricht zu Hause den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann.» Lieber gehe mal eine Klasse in Quarantäne, dafür funktioniere der Präsenzunterricht, findet Paolo Filipuzzi: «Ich bin froh um die Massentests. So haben wir jeden Montag ­Gewissheit.»

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